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Viel Luxus, viel Leistung, "wenig" Platz?

Nach dem noch auf einer "alten Plattform" stehenden EQC und dem Flaggschiff EQS SUV liefert Mercedes den nunmehr dritten Elektro-Höherfahrer aus Stuttgart. Und das gleich in normaler und AMG-Ausführung mit sodann bis zu stattlichen 505 kW (687 PS) Gesamtleistung. Reichen einem auch weniger Hochvolt-Pferde, warten 215 bis 300 kW und eine Reichweite bis zu 590 Kilometer, wenn der EQE SUV Anfang 2023 zu den Händlern rollt.

Doch wenn er dann auf den Markt kommt, muss er sich mit dem öko-schicken Tesla Model Y, dem aufstrebenden BMW iX und dem demnächst aufgefrischten Audi E-Tron anlegen. Selbst für einen SUV mit dem gepriesenen Stern ist das eine harte Konkurrenz. Zumindest auf dem Papier kann sich der Mercedes-Benz EQE SUV aber soweit in einer soliden Position wähnen.

Das beginnt mit der EVA2-Plattform. Die selbe, modulare elektrische Architektur die bereits für das EQS SUV sowie die beiden Limousinen EQS und EQE verwendet wurde steckt freilich auch hier unterm Blechkleid, ist dabei aber vor allen bisher genannten Autos am stärksten "zusammengestaucht" worden. Mit seinem immer noch beachtlichen Radstand von 3.030 Millimetern ist dieser im Vergleich zur EQE Limo tatsächlich um neun Zentimeter geschrumpft. Bei den Außenmaßen kann der flache Bruder aber zumindest was die Höhe angeht leicht übertroffen werden; naturgemäß. Sie betragen 4.863/1.940/ 1.686 Millimeter.

Beim Design erwarten Kenner der bisherigen EQ-Modelle von Mercedes keine Überraschungen. Ins Auge fallende Details wie der große, hochglanzschwarze "Kühlergrill" oder die markanten Lichtgrafiken kennt man in ihrer Grundform alle schon. Dennoch kann er sich da und dort abheben. Das Greenhouse ist nicht so stark verjüngt wie beim EQS SUV, und die Motorhaube ist horizontaler als bei den bogenförmigen EQE und EQS Limousinen. Die Karosserie ist glatt, mit einer subtilen Falte an den hinteren Kotflügeln, die den Platz der markanten Schulterlinie der EQE Limousine einnimmt. Insgesamt sieht der EQE SUV gut aus, und sein etwas konventionelleres Styling dürfte ihm eine gewisse Attraktivität für den Massenmarkt verleihen (auch wenn der Luftwiderstandsbeiwert darunter leiden dürfte).

Unterm Blech verbirgt sich ein 90,6-Kilowattstunden-Batteriepaket, das auch in der EQE-Limousine zum Einsatz kommt. Mercedes schätzt, dass die SUV-Variante des EQE mit der optimistischen WLTP-Skala eine Reichweite von 550 Kilometern pro Ladung erreichen wird. Angesichts der die Aerodynamik sabotierenden Höhe des Crossovers bleibt der EQE SUV damit hinter dem WLTP-Wert der Limousine deutlich zurück; die schafft bis zu 660 km. Gleichstand herrscht dann freilich wieder beim Thema Laden. Der EQE-SUV kann mit der gleichen 170-Kilowatt-Gleichstrom-Schnellladung wie andere Mercedes-EQ-Produkte aufgeladen werden, was eine Aufladung von 10 bis 80 Prozent in 32 Minuten ermöglicht. An einer haushaltsüblichen 240-Volt-Wallbox ist laut Mercedes eine Aufladung von 10 auf 100 Prozent in 9,5 Stunden möglich.

Der EQE 350+ SUV verfügt über einen einzelnen, im Heck montierten Elektromotor, der 215 kW und 565 NM leistet, während der allradgetriebene EQE 350 4Matic zusätzlich über einen Frontmotor verfügt, der bei gleichbleibender Leistung das Drehmoment auf 765 NM erhöht. Der EQE 500 SUV ist serienmäßig mit Allradantrieb ausgestattet und verfügt über zwei Motoren, die gemeinsam 300 kW und bis zu 858 NM leisten.

Wer hingegen auch als SUV-Fahrer der oberen Mittelklasse auf Leistung aus ist, darf sich auf den Mercedes-AMG EQE SUV freuen. Mit spezifischen Elektromotoren und AMG-eigenen Invertern reicht das Leistungsspektrum von 350 kW (476 PS) im EQE 43 4MATIC bis 505 kW (687 PS) im EQE 53 4MATIC+ mit optionalem AMG DYNAMIC PLUS Paket mit Boost-Funktion. Dieses kurbelt dann übrigens auch das maximale Drehmoment auf bis zu 1.000 Nm. So ausstaffiert gelingt der Paradespurt in 3,5 Sekunden, während der Top-Speed bei 240 km/h liegt.

Zudem ist der sportlichste EQE SUV serienmäßig mit einem Airmatic-Fahrwerk ausgestattet, das mit aktiven 48-Volt-Seitenstabilisatoren von Mercedes ausgestattet ist, die dem Wanken der Karosserie in Kurven entgegenwirken. Der AMG EQE SUV ist das erste Elektrofahrzeug von Mercedes, das diese Technologie anbietet, und sie sollte einen der größten Kritikpunkte an der Fahrdynamik der bisherigen Mercedes-EQs entgegenwirken. Mal sehen. Für die Verzögerung sorgen Stahlbremsen mit Sechs-Kolben-Bremsen vorne und Ein-Kolben-Bremsen hinten, wobei "natürlich" Karbon-Verbundstoff-Scheiben vorne als Option hinzugefügt werden können, wenn Sie zu den ungefähr null Leuten gehören, die ab und an gerne mit einem mindestens 2.690 kg schweren Elektro-SUV auf die Rennstrecke fahren.

Die Räder sind serienmäßig 21 Zoll groß, 22 Zoll sind optional erhältlich. Die größeren Räder sind mit speziell entwickelten Michelin Pilot Sport EV-Reifen ausgestattet, während die Basisräder mit weniger gripstarken, aber effizienteren Pneus bestückt sind. Der AMG ist außerdem serienmäßig mit einer 9,0-Grad-Hinterachslenkung ausgestattet, die ein besseres Einlenken in Kurven ermöglicht und den Wendekreis auf 10,9 m reduziert.

All diese Leistung ist in ein aggressiveres und bodennäheres Design verpackt. Vertikale Streben auf der Frontplatte ahmen den Kühlergrill eines AMG-Benziners nach, und die vorderen und hinteren Stoßfänger sind aggressiv geformt, um den Wind um das Auto herum zu leiten und den Auftrieb bei Geschwindigkeit zu verringern. Im Innenraum verfügt der EQE SUV über besser geformte Vordersitze und eine einzigartige Innenausstattung mit sportlicheren Bezügen, darunter Leder und Alcantara. Ein AMG-Lenkrad gehört ebenfalls zur Standardausrüstung, einschließlich der Fahrmodus-Drehknöpfe und -Wahlschalter, die in der Nähe der Nabe angebracht sind.

Wer schon einmal in der EQE Limousine gesessen hat, wird sich im Innenraum sowohl des AMG als auch des normalen EQE SUV zurechtfinden. Ein 12,8-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole gehört ebenso zur Serienausstattung wie ein digitales 12,3-Zoll-Kombiinstrument. Wenn Sie sich für den Hyperscreen entscheiden, wird das mittlere Display durch ein 17,7-Zoll-Display ersetzt und der Beifahrer kann zusätzlich einen 12,3-Zoll-Touchscreen nutzen. Und zum ersten Mal in einem EQ-Produkt kann der Besitzer ein eigenes Bild hochladen, das dann als Hintergrundbild genutzt werden kann, wenn die Bildschirme nicht verwendet werden. Das Infotainment des AMG umfasst außerdem leistungsorientierte Skins und zusätzliche Anzeigen in Form von Standard- und Hyperscreen-Displays.

Der EQE SUV ist deutlich komfortabler als seine Limousinen-Brüder, was unter anderem an der aufrechteren Sitzposition liegt. Auch die Platzverhältnisse auf der Rückbank wurden gehörig verbessert: Die Kopffreiheit nahm um 1,3 Zentimeter auf insgesamt 39,3 Zentimeter zu. Für noch mehr Komfort lässt sich die Sitzbank auch neigen. Eine weitere Verbesserung, nun aber für die Übersicht und das Raumgefühl, sind die größeren und quadratischeren hinteren Fenster.

Im Gepäckabteil sticht das SUV den flachen EQE freilich auch locker aus, beim Vergleich mit der Konkurrenz sieht es aber übel aus. Mit 520/580-1.675 L etwa hat sowohl der "betagte" Audi e-tron, vor allem aber natürlich das Tesla Model Y die Nase entschieden vorn. Obwohl der kleine Laderaum somit vielleicht ein kleiner Grund zur Sorge für all jene ist, die gern öfter sperrige Dinge wie etwa Kinderwägen transportieren, sollte der Mercedes-Benz EQE SUV in puncto Leistung, Ladegeschwindigkeit und Reichweite mit der Konkurrenz mithalten können. Mehr noch: Als AMG-Version sollte sogar das Tesla Model Y Performance, der BMW iX M60 und der Audi E-Tron S übertroffen werden können. Hinzu kommt das durch die Bank technologisch fortschrittliche Interieur und die beeindruckende Ausstattung. Jetzt bleibt freilich nur noch die Frage zu klären, wie sich all das auch preislich so einordnen lässt. Finale Tarife sind noch ausständig. Nachdem allerdings schon der reguläre EQE hierzulande über 69.000 Euro startet und der EQC erst bei knapp über 71.000 Euro losgeht, würde uns ein Startpreis unter 75.000 Euro sehr wundern. Ergo darf man für die AMG-Deriviate in jeder Hinsicht Basispreise um bzw. über 110.000, eher 120.000 Euro annehmen.

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