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Das E-Auto für die Rennstrecke

Das Elektro-Debüt von Hyundais N-Division macht klar: auch ohne Zylinder und Co machen die am namensgebenden Nürburgring stationierten Performance-Südkoreaner keine halben Sachen. Nebst 650 PS warten also diverse Rennstrecken-Modi und -Besonderheiten sowie Schaltpadels für Gangwechsel ... quasi.

Johannes Posch

Vom kleinen i20 N, über den Hyundai Kona N bis rauf zum hierzulande leider nicht erhältlichen Elantra N: Hyundais Performance-Modelle fallen immer als fahrerisch phänomenale Sportwagen auf, die ein bisserl lauter und wilder sind, als man es "heutzutage" noch für möglich hält. Folgerichtig war die Enthusiastenwelt besonders gespannt darauf zu erfahren, was die N-Division wohl in Sachen E-Auto aus dem Hut zaubern würde; vor allem, nachdem die beiden atemberaubenden Konzeptautos Hyundai RN22e und N Vision 74 Concept die Erwartungen extrem hoch geschraubt hatten.

Und hier ist es nun also; Ihr Erstlingswerk. Der Hunydai Ioniq 5 N. Und wenn dem Team dahinter bei der digitalen Präsentation, der wir schon vor einigen Wochen beiwohnen durften, eines wichtig war zu betonen, dann war es die Rennstreckentauglichkeit ihres ersten Stromers. Sowohl auf Asphalt, als auch dort, wo's staubt.

Die Technik


Dafür war erst einmal gute, alte Fahrzeugkonstruktionskompetenz vonnöten: Chassis und Fahrwerk wurden also verfeinert. 42 zusätzliche Schweißpunkte und 2,1 Metern zusätzliche Verklebung sorgen nebst verstärkter Batterie- und Motorhalterungen sowie neuer Hilfsrahmen vorn und hinten sorgen für deutlich mehr Verwindungssteifigkeit. Für ein besseres Lenkgefühl wiederum wurde auch die Lenksäule des Ioniq 5 N getauscht und die Servolenkung zugunsten einer höheren Lenkübersetzung und stärkeren Rückmeldung überarbeitet. Zudem wurde der mechanische Grip durch griffige Pirelli P-Zero-Reifen in der Dimension 275/35R21 deutlich erhöht, wobei aber freilich auch das neue Fahrwerk sowie das e-LSD an der Hinterachse ein entscheidendes Wörtchen mitzureden hat.

Und dann ist da freilich noch der Antrieb: Im aggressivsten Setting produzieren die beiden E-Motoren des ersten E-N satte 478 kW / 650 PS bei 21.000 Umdrehungen, gespeist durch einen neuen Wechselrichter aus einem ebenso neuen 84 kWh-Akkupakets.

So richtig ausgetobt hat man sich dann aber an der Software-Front. Hier wurden zahlreiche Features eigens für den Ioniq 5 N entwickelt: „N-Pedal“ etwa, das beim regenerativen Bremsen das bestmögliche Einlenkverhalten und somit den Richtungswechsel über die Energieeffizienz stellt. „N Launch Control“ wiederum bietet drei verschiedene Traktionsstufen für den schnellstmöglichen Start. Oder aber die „N-Drehmomentverteilung“, eine in elf Stufen einstellbare variable Drehmomentverteilung zwischen vorne und hinten, die auch mit dem e-LSD zusammenarbeitet. Und dann wäre da noch der „N Drift Optimizer“, der kontrollierte Querfahrten insofern unterstützen soll, als das er aktiv dabei hilft den momentanen Driftwinkel beizubehalten, indem er mehrere Fahrzeugsteuerungen ausgleicht, die auf Echtzeiteingaben reagieren. Passend dazu gibt es auch eine „Torque Kick Drift“-Funktion, die es dem Fahrer ermöglich, den Kupplungskick von heckgetriebenen Verbrennungsfahrzeugen für Fahrszenarien zu simulieren, die eine unmittelbarere Drifteinleitung erfordern.

Das bringt uns zu den Fahrmodi. Vergesst "Eco, Standard und Sport". Keine Ahnung ehrlicherweise, ob es die ersten beiden gibt, fest steht aber, dass uns ein "N Race" Modus erwartet, der wiederum zwei Untermodi hat: "Sprint" und "Ausdauer". "Sprint" ist die Standardeinstellung des Ioniq 5 N und beispielsweise für Beschleunigungs-Rennen, gedacht. Also, wenn man über kurze Zeit maximal viel Leistung abrufen möchte. "Ausdauer" hingegen begrenzt diese ein wenig, hat dabei aber das Ziel schlicht während einem Trackday möglichst viele Runden in den Asphalt drücken zu können. Das wird durch die Begrenzung plötzlicher Leistungsspitzen erreicht, die den Temperaturanstieg verlangsamt und die Reichweite erhöht.

Auch bei der Batterie in Kombination mit Rennstreckenbetrieb hat Hyundai vermeintlich alle Eventualitäten abgedeckt. Die Südkoreaner setzen hierfür auf ein verbessertes Batterie-Wärmemanagementsystem mit vergrößerter Kühlfläche, besserem Motorölkühler und Batteriekühler. Vor allem die unabhängigen Kühler für die Batterie und den Motor sollen die Widerstandsfähigkeit des Ioniq 5 N gegen Leistungseinbußen vor und während intensiver Fahrten auf der Rennstrecke maximieren. Zudem kann man, quasi am Weg zum Ring, die N-Batterievorkonditionierung aktivieren, um die Batteriezellen auf die energieeffizienteste Temperatur zu bringen, indem er zwischen dem "Drag"-Modus für maximale Leistung für einen Sprint oder dem "Track"-Modus, der die niedrigst mögliche Batterietemperatur für mehr Runden optimiert, wählt.

Wenn wir über Rennstrecken sprechen, muss natürlich auch das Thema Bremsen angesprochen werden. Das Grand der Verzögerung übernimmt E-Auto-typisch auch hier das E-Motoren-Duo, das hier nun aber eine maximale Bremswirkung von 0,6 G ermöglicht - deutlich mehr als im normalen Ioniq 5. Reicht das nicht, warten 400 mm große Bremsscheiben, die nachhaltig und effektiv für Verzögerung sorgen sollten.

Das E-Auto für E-Auto-Muffel?


Zwei weitere Software-Streiche von Hyundai N sind "N e-shift" und "N Active Sound +". Ersteres simuliert Schaltvorgänge, inklusive kurzem Schaltrucks und Gang- sowie Drehmoment-Anzeige im Display, während "N Active Sound +" über zehn Lautsprecher (acht innen, zwei außen) den passenden Soundtrack liefert. Und dabei je nach Wunsch entweder futuristische E-Auto-"Sounds", wie auch verbrennerähnliche Motor- und Auspuffgeräusche samt Ploppen und Knallen und was so ein Verbrenner-N eben so von sich gibt, oder aber unter dem Namen "Supersonic" auch welche, die von Kampfjets inspiriert wurden.

Gerade "N e-shift" wurde jedenfalls entwickelt, weil Hyundai N das Feedback erhielt, dass viele Performance-Enthusiasten vermeintlich deutlich zum Ausdruck gebracht haben, dass ihnen in E-Autos die Rückmeldung des Autos fehlt.

Das Design


Wenig überraschend macht der Ioniq 5 N auch optisch keinen Hehl daraus ein Sportler zu sein. 20 mm tiefer, 50 mm breiter und 80 mm länger ist er schon rein von den Ausmaßen her eine ziemliche Erscheinung, die durch diverse schwarze Kontraste und natürlich N-spezifische Karosserieteile weiter verstärkt wird. So zum Beispiel durch die markante N-Maske samt größerer Lufteinlässe und Luftklappen, eine neue Spoilerlippe, einen ausgeprägten Diffusor am Heck sowie einen Heckspoiler, der die Hyundai N-typische, dreieckige LED-Bremsleuchte beherbergt. Darüber hinaus gibt's Akzente in "Luminous Orange", die sich am unteren Rand der Stoßfängerverkleidung erstrecken und in den Seitenschwellern fortsetzen ... und natürlich N-eigene Schmiederäder.

Der Innenraum


Auch hier wird N-typische Kost geboten. Sowohl optisch, was sich vor allem in Form von passenden Logos da und dort widerspiegelt, vor allem aber auch anhand vieler, funktionaler Details. Auf dem neu gestalteten N-Lenkrad etwa wurden erneut zwei N-Tasten untergebracht, mittels derer der gewünschte Fahrmodus eingestellt werden kann. Zudem lockt die "Grin Boost Taste" mit sofortiger Aktivierung aller 650 Pferde. Hinterm Volant finden sich sodann Schaltwippen, mittels derer auch die Funktionen „N e-shift“ und „N Pedal“ zu aktivieren sind.

In der verlängerten Mittelkonsole wiederum baute man eine Kniestütze sowie eine verschiebbare Armauflage ein, um sich bei sportlicher Fahrweise besser eingepackt zu fühlen. Nicht, dass man ob der N-Sitze übergroße Sorge haben müsste, bei beherzten Kehren-Angriffen durch den Innenraum zu rutschen: Deren verstärkte Sitzwangen sollten einen bestens an Ort und Stelle halten können. Wenn's trotzdem noch ein bisserl mehr sein darf, warten die optionalen N Performance-Sitze, die man auch auf den Bildern sieht. Sie sind sie 20 mm tiefer montiert als die Standardstühle und noch deutlich stärker ausgeformt. Und last, but not least spendierte man dem Ioniq 5 auch neue Pedale, von denen man selbst bei ambitionierten Fahrten nur schwer abrutschen kann.

Debüt und Ausblick


Seine Premiere feiert der Ioniq 5 N dieser Tage in Goodwood, hochkarätig flankiert durch den i20 N WRC, den N Vision 74, den RN22e und das Showcar "IONIQ 5 N Drift Spec". Die Markteinführung des Ioniq 5 N ist für Ende des Jahres geplant. Damit soll aber freilich erst einmal nur der Startschuss für weitere N-Modelle mit E-Motor erfolgen. Müssten wir raten, würden wir auf den Ioniq 6 tippen, der ja in Form des RN22e schon sehr konkret in Aussicht gestellt wurde. Die Zukunft des N Vision 74 ist ja nach letzten Aussagen noch etwas ungewiss ... aber hoffnungsvoll.

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