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Formel 1-Testfahrten Jerez de la Frontera

Lotus der schnellste Neuwagen

Die erste Testwoche der neuen Saison bietet wenige Erkenntnisse. Lotus dürfte mit dem E20 ein guter Wurf gelungen sein, der Rest ist nur schwer zu interpretieren.

Michael Noir Trawniczek

„Die Rundenzeiten bedeuten gar nichts“, sagt Fernando Alonso. Der Spanier war am letzten Tag des viertägigen Tests in Jerez de la Frontera am schnellsten unterwegs. Doch manche sprechen von einer reinen „Showzeit“ mit wenig Sprit an Bord, um Präsident Luca di Montezemolo zu beruhigen – denn bis dahin war der neue F2012 weder schnell noch zuverlässig.

Das schnellste der neuen Autos war der Lotus-Renault E20, mit dem Formel 1-Heimkehrer Kimi Räikkönen gleich am ersten Testtag die Bestzeit markieren konnte. Sein Team Romain Grosjean war es dann, der die schnellste Zeit der Neuwägen markieren konnte: 1:18.419 Minuten.

Wenngleich gerade in der ersten Testwoche einer neuen Saison die Rundenzeiten tatsächlich wenig bis gar nichts aussagen, so kann man zumindest sagen, dass Lotus (vormals Renault) mit dem E20 wohl ein guter Wurf gelungen ist. Und dass Kimi Räikkönen keine großartigen Eingewöhnungsprobleme hat.

Zwei der vier Tagesbestzeiten gingen an Mercedes mit dem Vorjahreswagen, einmal war Michael Schumacher, dann Nico Rosberg der schnellste Mann. Interessanter als die Bestzeiten ist jedoch ein neuer Frontflügel, den Mercedes am Vorjahrswagen wie schon am Saisonende in Abu Dhabi getestet hat.

Ein passiver F-Schacht soll in Highspeedpassagen für einen Strömungsabriss und somit mehr Topspeed sorgen. Die Luft wird durch eine Öffnung in der Fahrzeugspitze eingelassen und in zwei Kanäle aufgeteilt, welche wiederum direkt eine der Frontflügelplatten anströmen. Angeblich soll der Trick zwischen fünf und acht km/h bringen…

Ein Rätselraten gibt es rund um die Öffnung am Nasenhöcker des neuen Red Bull Racing-Renault RB8. Konstrukteur Adrian Newey erklärte dazu: „Die Luft, die dort reingeht, wird ins Cockpit geblasen. Beim letztjährigen Auto haben wir die Luft durch ein Loch vorne in der Nase eingeleitet. Jetzt hat sich diese Lösung angeboten.“ Doch manche vermuten dahinter einen neuen Trick…

Wunderzeiten gab es bislang jedoch noch keine vom Weltmeisterteam – dafür mussten Sebastian Vettel und Mark Webber so manche Stehzeit in Kauf nehmen, die üblichen „Kinderkrankheiten“ allerdings, vor denen auch andere Teams nicht gefeit sind.

Die neue Optik der Fahrzeuggeneration 2012 löst wegen der Höckernasen Unmut aus – bislang fand noch niemand Gefallen an den Abstufungen. Gepaart mit einer wirklich unansehnlichen Lackierung darf zurzeit wohl der Sauber-Ferrari als das mit Abstand hässlichste Auto bezeichnet werden.

Die Höcker wurden nötig, weil die FIA die Höhe der Fahrzeugnase aus Sicherheitsgründen (Aufprall) gesenkt hatte – zugleich möchten die Teams seit 2009 ihre Autos möglichst hoch legen, um möglichst viel Luft unter das Auto zu bekommen, sodass es den Diffuser anströmt und das Auto auf den Boden drückt.

Ein gegensätzliches Konzept verfolgt derzeit nur McLaren-Mercedes, dort liegt das Auto deutlich tiefer, so war auch kein Höcker in der Nase nötig. Eine wichtige Rolle spielt beim MP4-27 der Kiel unter der Nase. Die U-förmigen Seitenkästen des Vorjahrsboliden verschwanden wieder – der Grund ist klar: Sie dienten dem angeströmten Diffuser, der heuer jedoch nicht mehr erlaubt ist. Während viele Teams an den erwähnten „Kinderkranheiten“ laborierten, gab es bei McLaren recht wenige technische Probleme, allerdings waren Lewis Hamilton und Jenson Button nicht bei den Schnellsten zu finden.

Ein sehr aggressives Design lieferte die Scuderia Toro Rosso mit dem neuen STR7 ab. Die Nase ist extrem flach, auch die seitlich eingeschnittenen Seitenkästen sind geblieben. Die neuen Piloten Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne konnten damit in die Top 10 der Gesamtwertung fahren.

Die Zeiten von Force India, Sauber, Williams und Caterham (vormals Lotus) sind schwer einzuschätzen, HRT fuhr nur kurz mit dem Vorjahrswagen, Marussia (vormals Virgin) war gar nicht erst vor Ort.

Die nächsten Formel 1-Testfahrten sind von 21. bis 24. Februar in Barcelona geplant, danach findet der letzte der drei Vorsaisontests von 1. bis 4. März abermals in Barcelona statt.


Testzeiten Jerez 7.-10.2. insgesamt

Pos  Fahrer         Team            Zeit   Runden
 1.  Rosberg        Mercedes        1:17.613  174*
 2.  Grosjean       Lotus           1:18.419  212
 3.  Schumacher     Mercedes        1:18.561  174*
 4.  Alonso         Ferrari         1:18.877  106
 5.  Webber         RBR             1:19.184  151
 6.  Vettel         RBR             1:19.297  146
 7.  Hamilton       McLaren         1:19.464  166
 8.  Ricciardo      Toro Rosso      1:19.587  157
 9.  Vergne         Toro Rosso      1:19.597  159
10.  Räikkönen      Lotus           1:19.670  192
11.  Perez          Sauber          1:19.770  116
12.  Di Resta       Force India     1:19.772  170
13.  Kobayashi      Sauber          1:19.834  182
14.  Hülkenberg     Force India     1:19.977   90
15.  Senna          Williams        1:20.132  250
16.  Bianchi        Force India     1:20.221   46
17.  Massa          Ferrari         1:20.454  164
18.  Button         McLaren         1:20.688  147
19.  Maldonado      Williams        1:21.197  122
20.  Kovalainen     Caterham        1:21.518  167
21.  De la Rosa     HRT             1:22.128  108*
22.  Trulli         Caterham        1:22.198  117
23.  Van der Garde  Caterham        1:23.324   74
*=Vorjahresauto
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