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Can-Am Ryker - Trike im ersten Test Can-Am Ryker 2019

Alien-Alarm

Der neue Can-Am Ryker wirkt mit seinen drei Rädern wie ein Alien auf der Straße, erweist sich aber schnell als einer von der spaßigen Sorte.

mid/Mst

Erster Kontakt mit dem neuen Can-Am Ryker des kanadischen Herstellers BRP: Das Fahrzeug mit dem außergewöhnlichen Look - vorne zwei Räder, hinten ein Rad - verrät auf den ersten Blick, dass es für Fahrspaß konzipiert ist.

Dazu kommt beim Top-Modell Rally-Edition, basierend auf der 900-Kubikmeter-Version, der neben "Sport" und "Eco" zusätzliche Offroad-Modus, der die Traktionskontrolle später greifen lässt. Ergebnis. Mit ein bisschen Übung sind auf Schotter kontrollierte Drifts möglich.

Wer keine Erfahrung mit Gefährten dieser Art hat, die enge Verwandte von Quads sind, braucht insgesamt etwas Eingewöhnungszeit - vor allem, wenn man mit Motorraderfahrung auf dem Ryker Platz nimmt: Selbst wenn die Sitzposition und der Lenker mit Gasgriff rechts Motorradfahrern sofort vertraut sind, ist die Art des Fahrens eine ganz andere.

 Can-Am Ryker 2019

Das hat zur Folge, dass es in der ersten Kurve auf einem provisorischen Übungsparcours im portugiesischen Süden erstmal geradeaus geht. Körpergewicht verlagern ist keine gute Idee, wenn man drei Räder unterm Allerwertesten hat. So müssen sich unsere Vorfahren beim allerersten Versuch, Feuer zu machen, gefühlt haben. Wer Kurven fahren möchte, muss den Lenker einschlagen, und zwar richtig. Nach ein paar Minuten ist die Botschaft beim Gehirn angekommen - und dann macht der Ryker richtig Spaß. Er vermittelt zwar nicht das Fahrgefühl eines Motorrads, dafür fehlt es an Schräglage, aber das Fahrerlebnis: Der Wind pfeift um die Ohren, die Landschaft rauscht ungefiltert vorbei. Und dazu braucht es noch nicht einmal einen Motorradführerschein.

Can-Am zielt mit dem Gefährt auf eine junge Zielgruppe und betont die Lifestyle-Qualitäten. Das äußert sich zum Beispiel in der Individualisierbarkeit - rund 75.000 unterschiedliche Konfigurationsmöglichkeiten stehen zur Wahl. Andere Felgen, andere Farbe, Soziussitz, Scheibe, Koffer, farbige Griffe - die Liste ist enorm lang, kein Ryker soll wie der andere aussehen. Und um zu unterstreichen, dass der Neue vor spätjugendlichem Charme nur so sprüht, lässt sich alles ganz lässig per App oder auch beim Händler im Online-Konfigurator zusammenstellen.

Serienmäßig an Bord sind neben dem Unterfahrschutz, Hand- und Kühlerschutz zudem ein Fahrzeugstabilisierungssystem sowie ABS und elektronische Traktionskontrolle. Richtig clever ist das werkzeuglose "UFit System": Mit zwei Handgriffen lassen sich die Fußrasten und der Lenker sowie das Bremspedal auf die Größe und die Anforderungen des Fahrers einstellen.

Auch wenn der Neue im Gegensatz zu dem viel größeren und schwereren Spyder, der je nach Ausführung doppelt so viel kostet als der ab 9.799 Euro erhältliche Ryker, nicht als ausgewachsenes Touren-Fahrzeug konzipiert ist, sind längere Ausfahrten doch problemlos möglich. Der bequeme Einzelsitz mit der niedrigen Sitzhöhe (615 Millimeter) lässt selbst die rund fünfstündige Ausfahrt auf Asphalt und Schotter nie zur Tortur werden. Bodenunebenheiten bügelt das Fahrwerk - beim Rally mit einstellbarer Federung - akzeptabel weg.

Eine Sänfte ist der Ryker aber nicht, der Fahrer soll spüren, was sich unter den drei Rädern abspielt. Seine 285 Kilo merkt man nur auf den ersten Metern, bis Tempo 100 vergehen 8,5 Sekunden - kein Vergleich zu einem Motorrad mit 61 kW/82 PS, aber ausreichend, um auf der Straße im Verkehr mitzuschwimmen.

Gekoppelt mit einem CVT-Automatikgetriebe macht der 3-Zylinder-Motor "Rotax 900 ACE", der 79 Newtonmeter bei 6.500 Umdrehungen je Minute bereitstellt, eine gute Figur - und das Fahren, ohne selbst zu schalten, wird schnell zur angenehmen Begleiterscheinung. Mit 160 km/h Höchstgeschwindigkeit ist sogar ein Ausflug auf die Autobahn problemlos möglich.

Richtig wohl fühlt sich der Ryker allerdings dort, wo er über gewundene Straßen cruisen oder mächtig Staub aufwirbeln kann. Dafür ist Portugals Süden natürlich das perfekte Terrain - aber dank des überschaubaren Preises - die Rally Edition gibt's in Österreich ab 13.999 Euro (Deutschland: 12.699 Euro) - wird der Ryker sicherlich auch auf europäischen Straßen anzutreffen sein.

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