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In Memoriam Jo Gartner

Erinnerungen an einen Ausnahmefahrer

Jo Gartners Karriere war nur von kurzer Dauer und führte bis in die Formel 1, doch das schreckliche Ende in Le Mans ereilte ihn viel zu früh.

Michael Hintermayer

Josef „Jo“ Gartner war wohl einer der außergewöhnlichsten österreichischen Rennfahrer. Fahrer, Teamchef und Manager in einem, so etwas ist in der heutigen Zeit fast unvorstellbar. motorline.cc wirft einen Blick zurück auf seine kurze, aber eindrucksvolle Rennkarriere, die ihn bis in die Formel 1 führte.

Seine Motorsportkarriere begann der damals 23-jährige, gebürtige Wiener 1976, als er mit einem Kaiman aus der Rennschmiede seines damaligen Arbeitgebers Kurt Bergmann, bei einem Bergrennen an den Start ging. Gartner war als Ingenieur bei Bergmann tätig und brachte daher ein enormes technisches Wissen mit. Von 1975 bis 1979 versuchte sich Gartner in der Formel Super Vau und konnte schon bald über die Formel 3 in die heißumkämpfte Formel 2 aufsteigen. Doch für Gartner war eines klar: Er wollte in die Formel 1. Doch die Unterstützung der Öffentlichkeit sowie Sponsoren fehlten dem Wiener, unterhalb der Formel 1 war Motorsport in Österreich praktisch nicht existent.

In der Formel 2 setzte Gartner 1981 auf den Toleman TG280. Die waren im Vorjahr überlegen, aber eben nur im Vorjahr. Die Erfolge blieben aus. So wechselte er für 1982 ins Team von Arturo Merzario, doch auch dieses Auto war nicht konkurrenzfähig, wieder blieb der Erfolg aus. Darum gründete Gartner 1983 ein eigenes Team und konnte den großen Preis von Pau für sich entscheiden, diesmal auf einem Vorjahreswagen von Spirit.

Somit war der Weg frei für seinen Weg in die Formel 1, doch neben dem damals noch fahrendem Lauda gab es auch noch Gerhard Berger. Berger hatte aber im Gegensatz zu Gartner vor allem Fürsprecher. Beim Rennen in Monza 1984 waren drei Österreicher unter den ersten Sechs, Lauda siegte, Berger, der sich bei ATS einkaufte wurde Sechster, Gartner, dessen Schecks bei Osella auf dem Tisch landeten, Fünfter. Doch der Ingenieur erkannte gleich richtig: „Auf Dauer ist kein Platz für drei Österreicher in der Formel1."

Danach begann eine Schlammschlacht in den Medien zwischen Berger und Gartner um ein Formel 1-Cockpit für das Jahr 1985, die Berger für sich entscheiden konnte. Gartner wechselte daraufhin in den Tourenwagensport. Die Rennlegende John Fitzpatrick engagierte Gartner als Fahrer eines Gruppe C-Porsche und das, was für ihn zunächst als Rückschritt aussah, entpuppte sich als voller Erfolg. Er war schnell, hatte wohl erstmals in seiner Karriere konkurrenzfähiges Material und verdiente sogar Geld mit dem Rennfahren.

Er konnte die 12 Stunden von Sebring gewinnen und 1985 überquerte er die Ziellinie in Le Mans mit nur drei Rädern. Sein Porsche 962 trennte sich kurz vor Rennende von einen Reifen, trotzdem konnten Edwards/Gartner und Hobbs den vierten Platz halten.

Norbert Jurkowitsch, der Gartner damals unterstütze, hat ihn in guter Erinnerung. „Jo war ein sehr charismatischer Mensch. Eine Eigenschaft, die vielen der heutigen Rennfahrern leider fehlt. Er war was den Rennsport anbelangt, sehr professionell, mit einem enormen Technikverständnis. Doch er hat nie abgehoben gewirkt. Sein Tod war damals ein schrecklicher Verlust für mich und alle, die ihn kannten.“

Auch motorline.cc-Redakteur Michael Noir Trawniczek lernte Jo Gartner durch einen Zufall kennen. Er traf ihn auf einer Kartbahn, wo Gartner für ein Promi-Rennen trainieren wollte. Da keiner der anwesenden Fahrer Gartner ein Kart leihen wollte, willigte Trawniczek ein. „Er fuhr einige Runden mi dem Kart und drehte sich auch drei Mal.“ Als Gartner dann zurückkam sagte er: „Da fühlt man ja die Beschleunigung mehr, als in meinem Formel 2-Auto!“ Michael Trawniczek besuchte Gartner daraufhin einige Male in seiner Werkstatt und erinnert sich: „Es war sehr professionell dort, fast schon klinisch sauber. Auch auf der Kartbahn machte er einen sehr professionellen Eindruck, er war gut gekleidet und war ein sehr offener Mensch.“

Jo Gartner starb bei einem schrecklichen Unfall in Le Mans am 1. Juni 1986. Schon im Training klagte Gartner über das seltsame Fahrverhalten des Gruppe C-Boliden. Im Dunkel der Nacht, genau um 03:12 Uhr verlor Gartner eingangs der Mulsanne-Geraden die Kontrolle über das Fahrzeug und schlug in die linke Leitplanke ein. Das Auto wurde quer über die Fahrbahn geschleudert, touchierte einige Bäume und kam abseits der Strecke brennend zum Liegen. Jo Gartner war sofort tot. Der komplette Unfallbereich glich einem Trümmerfeld. Die Unfallursache ist bis heute unbekannt, man geht aber von einem Defekt an der Hinterachse aus.

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