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DTM-Rennen Hockenheim 1 Lucas Auer gewinnt, aber verliert seine letzte Titelchance
ADAC Motorsport

Auer siegt nach Titelkampf-Drama & Engstler-Unfall

AMG-Pilot Lucas Auer gewinnt irres DTM-Rennen in Hockenheim: Preining verpasst vorzeitigen Titelgewinn trotz Drama um Maro Engel - Engstler-Unfall sorgt für Rot

Landgraf-AMG-Pilot Lucas Auer gewinnt das erste DTM-Rennen in Hockenheim, das an Spannung kaum zu überbieten ist: Thomas Preining (Manthey-Porsche) verpasst den vorzeitigen Titelgewinn, während Kontrahent Maro Engel (Winward-Mercedes) ein bitteres Drama erlebt und den Sieg beim Boxenstopp verliert.

Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) sichert sich den zweiten Platz, gefolgt von Marco Wittmann im Schubert-BMW, der mit dem dritten Rang seine Titelchancen wahrt. Der zweifache Champion rückt in der Gesamtwertung sogar an Engel vorbei auf den zweiten Platz und ist damit am Sonntag nun Preinings schärfster Verfolger.

"Wir leben noch", resümiert Wittmann bei ProSieben. "Unser Hauptziel war heute, vor Thomas anzukommen. Das sah nach dem Qualifying gar nicht gut aus, nach der ersten Runde war auf jeden Fall alles wieder ganz anders. Und das ist der Hockenheim-Faktor. Ich habe immer gesagt, hier geht es drunter und drüber."

Die Titelentscheidung fällt somit erst am Sonntag zwischen Preining, Engel und Wittmann. "Du musst ruhig bleiben und das ist bis zur letzten Runde offen", sagt der BMW-Pilot. "Und danach sieht es jetzt auch aus. Wir haben es letztes Jahr gesehen, bis zur letzten Runde." Auer ist trotz seines Siegs am Samstag aus dem Titelkampf ausgeschieden.

Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) belegt im ersten Rennen am Samstag den sechsten Platz, gefolgt von Winward-AMG-Pilot Jules Gounon. Die beiden HRT-Ford-Piloten Arjun Maini und Finn Wiebelhaus landen auf den Plätzen acht und neun, während Bastian Buus (Land-Porsche) die Top 10 komplettiert.

Preining verliert Chance auf Titelgewinn beim Start

Schon kurz nach dem Start deutete sich an, dass die Titelentscheidung wohl nicht am Samstag fallen würde: Denn während Engstler seine Poleposition vor Auer in die Führung ummünzte, brach dahinter das erste Chaos aus. In der zweiten Kurve kam es zur Kollision zwischen Ricardo Feller (Manthey-Porsche) und Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari).

Während der Schweizer dabei die Frontpartie seines Manthey-Porsche verlor, rutschte der Niederländer auch noch leicht in den Porsche von Preining. Die Rennleitung reagierte prompt und sprach eine Strafe gegen Feller aus: Er musste im weiteren Rennverlauf insgesamt dreimal durch die Penalty-Lap und fiel dadurch ans Ende des Feldes zurück.

Für DTM-Gesamtführenden Preining nahm das Drama kurz nach dem Start ebenfalls seinen Lauf: Beim Aufbiegen auf die Parabolika geriet der Champion von 2023 ins Gras und fiel auf dem Weg zur Spitzkehre bis auf den 13. Gesamtrang zurück. "Ich habe es leider nicht genau gesehen", analysiert Vater Andreas Preining kurz danach bei ProSieben.

"Vielleicht ist er rausgeschoben worden in die Wiese und musste dann vom Gas." Eine offensichtliche Berührung mit Vermeulen war zwar nicht zu erkennen, doch die Folgen waren gravierend: "Das hat natürlich am Anfang sehr viele Plätze gekostet, aber schauen wir mal, wie weit es noch nach vorne geht."

Für Titelkontrahent Maro Engel verlief der Auftakt dagegen nahezu perfekt und wie erhofft: Der Winward-Mercedes-Pilot kämpfte sich im Getümmel der ersten Kurven vom siebten Startplatz bis auf den drittrn Rangnach vorne. Auch Marco Wittmann nutzte die turbulente Anfangsphase, um sich bereits in die Top 10 vorzuarbeiten.

Polesetter Luca Engstler nach schwerem Unfall unverletzt

In der zweiten Runde setzte Auer in der Spitzkehre zur Attacke gegen den Führenden Engstler an. Der Abt-Lamborghini-Pilot blieb beim Herausbeschleunigen jedoch neben dem Landgraf-Mercedes, ehe es in der schnellen Rechtskurve vor der Mercedes-Tribüne zur folgenschweren Berührung kam.

Engstler verlor daraufhin die Kontrolle über seinen Abt-Lamborghini und schlug rückwärts in die Betonmauer ein. "Wir haben ihn nur schnaufen gehört und dann ist er rausgekrabbelt aus dem Auto", sagte Abt-Geschäftsführer Thomas Biermaier kurz danach bei ProSieben. "Ich hoffe nicht, dass es so schlimm ist, weil die Geschwindigkeit an dieser Stelle schon sehr hoch ist."

Mit Schuldzuweisungen hielt sich Biermaier kurz dem Unfall allerdings zurück. "Ich möchte Lucas Auer keinen Vorwurf machen", meinte er. "Das ist Racing, da wird um den ersten Platz gekämpft." Beide Piloten seien "sehr weit gegangen" und hätten sich dann berührt. Möglicherweise, so der Abt-Geschäftsführer, sei etwas am Abt-Lamborghini gebrochen.

Nach einer kurzen Safety-Car-Phase entschied die Rennleitung, das Rennen für einige Minuten zu unterbrechen, um die Streckenbegrenzung zu überprüfen. Engstler wurde währenddessen mit dem Krankenwagen zur Kontrolle ins Medical-Center gebracht.

"Erstmal hoffe ich, dass es Luca gut geht, weil das ist genau eine Kurve, wo du nichts haben willst", sagt Auer während der Unterbrechung bei ProSieben. Die Rennleitung schaute sich den Vorfall zwar an, sprach allerdings keine Strafen aus.

Und noch während des Rennens folgte die Entwarnung: Es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut", bestätigte Engstler bei ProSieben. "Es war natürlich schon ein großer Schlag, aber alles in Ordnung. Ich hoffe mal, dass die Jungs das Auto für morgen wieder ready bekommen."

"Ich habe einen ziemlich harten Treffer bekommen", erklärt Kontrahent Auer die Situation ähnlich. "Ich weiß nicht, was alles kaputt ist." Nach dem anschließenden Restart behauptete der Landgraf-Mercedes-Pilot zunächst die Führung vor Markenkollege Engel, während Preining beim Neustart lediglich auf der elften Position lag.

Auer überlässt AMG-Markenkollege Engel die Führung

Bei Mercedes-AMG war die Rollenverteilung allerdings klar geregelt: Schon nach wenigen Kurven nahm der zunächst führende Auer ausgerechnet vor der Mercedes-Tribüne Tempo heraus und überließ seinem Markenkollegen Maro Engel die Spitzenposition.

Engel-Teamkollege Jules Gounon versuchte derweil ebenfalls Schützenhilfe zu leisten, indem er sich im Kampf um den achten Platz vehement gegen Thomas Preining verteidigte und den Österreicher zumindest kurzzeitig aufhielt. Nach einem erfolgreichen Überholmanöver setzte der Porsche-Pilot seine Aufholjagd jedoch fort.

Auch Wittmann fand nach der Unterbrechung schnell seinen Rhythmus, nahm sich den Abt-Lamborghini von Marco Mapelli vor und schob sich auf die vierte Position nach vorne. Bis zum Öffnen des Boxenstoppfensters verlief das Rennen anschließend deutlich ruhiger. Keiner der Top-Piloten wollte als Erster zum vorgeschriebenen Reifenwechsel abbiegen.

Maro Engel verliert sichere Führung beim Boxenstopp

Glock und Preining, die sich zuvor um den siebten Platz duelliert hatten, kamen zeitgleich zum vorgeschriebenen Reifenwechsel. Weil der Stopp bei der Dörr-Mannschaft allerdings nicht reibungslos verlief, fiel der Ex-Formel-1-Pilot bereits hinter Preining zurück.

Zu allem Überfluss kollidierte er kurz darauf auf kalten Reifen mit dem Winward-AMG von Gounon, der seinen Boxenstopp bereits absolviert und die Reifen schon auf Temperatur gebracht hatte. Glock drehte sich, beschädigte die Frontpartie seines Autos und fiel im Gesamtklassement zunächst weit zurück, ehe er seinen McLaren komplett abstellen musste.

Die Rennleitung will den Vorfall nach dem Rennen untersuchen. Kurz darauf folgten weitere Piloten aus der Spitzengruppe mit ihrem Boxenstopp, darunter auch Kelvin van der Linde. Preining nutzte die Gelegenheit und setzte sich in der Spitzkehre am Südafrikaner vorbei.

Das eigentliche Drama im Titelkampf spielte sich jedoch erst beim Boxenstopp von Maro Engel ab. Weil das rechte Hinterrad klemmte, stand der Winward-Mercedes-Pilot mehr als 16 Sekunden. Anschließend kehrte er bereits hinter Auer und Bortolotti auf die Strecke zurück, wenig später zog auch Wittmann an ihm vorbei.

Immerhin fanden Mapelli und Preining, die auf der Outlap dicht hinter dem AMG-Piloten lagen, keinen Weg vorbei. Dennoch war Engel durch den missglückten Boxenstopp auf den vierten Rang zurückgefallen. Der AMG-Pilot gab sich allerdings nicht geschlagen und kämpfte sich in der Schlussphase noch einmal nach vorne.

Entscheidung im Titelkampf fällt erst am Sonntag

Kurz vor Schluss gelang es Engel sogar, den Schubert-BMW von Wittmann zu überholen und sich zunächst auf einen Podestplatz zurückzukämpfen. Dabei drückte sich der AMG-Pilot vor der Mercedes-Tribüne allerdings unsanft vorbei und drängte Wittmann von der Strecke. Die Rennleitung ordnete deshalb einen Platztausch an.

Preining hatte zuvor bereits einen Fehler von Mapelli ausgenutzt und dem Abt-Piloten die fünfte Position abgenommen. Den vorzeitigen Titelgewinn verpasst der Österreicher, der in der Gesamtwertung nun bei 209 Punkten steht, damit aber dennoch.

"Ich bin froh, dass wir überhaupt angekommen sind", sagt Preining sichtlich angefressen bei ProSieben. "Mir ist am Anfang jeder in die Karre gefahren. Ein paar Sachen sind auch nicht super sportlich, aber das ist zu erwarten. Beim Finale, da geht es immer heiß her. Ich bin froh, dass wir trotzdem gute Punkte mitnehmen konnten."

"Wir hatten ein bisschen Glück, dass es bei dem einen oder anderen auch beim Boxenstopp nicht so gut gepasst hat und meine Crew wie immer geliefert hat", weiß der Manthey-Pilot. "Darauf bin ich sehr stolz und sehr dankbar, weil jetzt ist der Vorsprung eigentlich fast gleich geblieben."

Weil Engel als Vierter vor Preining ins Ziel kommt, verkürzt der Winward-Pilot seinen Rückstand um zwei Punkte. Auch Wittmann macht mit seinem dritten Platz Boden gut und schiebt sich in der Gesamtwertung sogar auf Rang zwei nach vorne. Trotzdem spricht weiterhin vieles dafür, dass Preining den Titel am Sonntag perfekt macht: Wittmann liegt bereits 20 Punkte zurück, bei Engel beträgt der Rückstand sogar 22 Zähler.

Im letzten Rennen sind noch 28 Punkte zu holen. Aber "man sieht, wie schnell es gehen kann in der DTM", ergänzt Preining. "Also auf meine Mannschaft ist Verlass. Ich glaube auf mich grundsätzlich auch. Aber wenn man von allen Seiten attackiert wird, kann auch mal was daneben gehen. Das wird morgen wieder gleich sein. Darauf müssen wir uns vorbereiten und von möglichst weit vorne starten. Dann reduziert das das Risiko."

Das Finale der DTM-Saison 2026 steigt am Sonntag: Das Qualifying beginnt um 9:30 Uhr, das letzte Rennen des Jahres startet allerdings deutlich später als üblich. Weil im Anschluss an das Finale noch die große Meisterehrung in Hockenheim geplant ist, springt die Startampel erst um 16:30 Uhr auf Grün.

Motorsport-Total.com

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