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"Müssen über Strafen nachdenken" Die beiden Ford-Piloten waren nicht die einzigen, die vorzeitig abstellten
ADAC Motorsport

Absichtliche DTM-Ausfälle am Samstag?

Absichtliche Ausfälle am Samstag sorgen in der DTM für Ärger: Warum die Teams zu diesem Schritt greifen und welche Wege es gibt, das zu unterbinden

Werden in der DTM am Samstag absichtlich Boliden abgestellt? Auf dem Nürburgring waren beim Samstagsrennen nach acht Runden bereits sechs Autos aus dem Rennen - und das, obwohl die GT3-Fahrzeuge nicht gerade als unzuverlässig gelten. Insgesamt kamen nur zwölf von 21 Boliden ins Ziel, was ein neuer Negativwert ist. Am Sonntag waren 16 Autos im Ziel.

Der Grund ist klar: Auf dem Nürburgring stehen jedem Piloten für beide Qualifyings und beide Rennen nur drei Reifensätze zur Verfügung. Wer sich also am Samstag in einer ungünstigen Lage befindet, gibt lieber vor dem Stopp auf - und hat am Sonntag einen neuen Reifensatz mehr zur Verfügung. Das sorgt aber jetzt für großen Unmut.

"Mir hat das nicht gefallen, dass viele einfach aufgegeben haben, weil sie keine Chance mehr hatten oder ohnehin eine Strafe absitzen mussten", zeigt Manthey-Porsche-Pilot Thomas Preining klare Kante. "Das ist vor allem für die Fans nicht gut, die zahlen, damit sie hier sein können."

Preining fordert Konsequenzen: "Nicht im Sinne des Sports"

Der Österreicher fordert Konsequenzen: "Man muss mehr unter Kontrolle haben, was die Teams machen - beziehungsweise bestrafen, wenn wer abstellt -, weil es nicht im Sinne des Sports ist." Aus Sicht der Teams sei es allerdings "zu 100 Prozent verständlich, dass man es macht, wenn es das Reglement hergibt - das würde jeder machen."

Der "Grello"-Pilot wurde beim Sonntagsrennen im Kampf um Platz zwei in der letzten Runde vom entfesselt fahrenden Landgraf-Mercedes-Außenseiter Tom Kalender überholt, der am Samstag nach der Kollision mit Nicki Thiim bereits in Runde sieben aufgegeben hatte und einen klaren Reifenvorteil hatte.

Beinahe hätte Kalender auch noch Sieger Wittmann überholt. "Ich sehe das ähnlich wie Thomas, dass wir uns im Winter Gedanken machen müssen, wie man das abstellen kann", ist auch für den Schubert-BMW-Pilot eine Grenze erreicht. "Teams finden immer irgendwelche Gründe für ein DNF und können das Auto abstellen, aber die Balance stimmt gar nicht mehr. Tom hatte zwei neue Reifen, wir gar keine neuen Reifen."

Sieben Piloten stellten Boliden vorzeitig ab

Nicht nur Kalender, sondern auch Mirko Bortolotti, Marco Mapelli, Timo Glock und die beiden HRT-Ford-Piloten stellten ihre Boliden am Samstag in den ersten acht Runden ab. Bei Arjun Maini und Finn Wiebelhaus war der strategische Hintergrund besonders offensichtlich, weil sie nach der Durchfahrtsstrafe ohnehin chancenlos waren und voll auf den Sonntag setzten.

Kelvin van der Linde fuhr immerhin bis zum Reifenwechsel - und meldete dann, dass möglicherweise der hintere Stabilisator gebrochen ist. Eine Runde später gab der Schubert-BMW-Pilot auf.

"Speziell diese Saison mit dem neuen Reifen gibt es einen großen Unterschied zwischen einem besseren oder einem guten Reifen und einem sehr gebrauchten Reifen, was besonders an einem Wochenende mit drei Reifensätzen relevant ist", ist die Situation laut Preining 2026 auch wegen des neuen DTM-Spezialreifens, der etwas schneller abbaut, verschärft.

Wittmann denkt an Strafen: Aber ist absichtliches Abstellen nachweisbar?

Aber wie kann das Problem gelöst werden? "Der einzige Weg, wie du das verhindern kannst, ist entweder vier Sätze und nur einen Boxenstopp am Sonntag, oder fünf Sätze und zwei Boxenstopps wie jetzt", antwortet Preining. "Weil sonst musst du irgendeinen Satz vom Samstag auch am Sonntag fahren."

Wittmann würde sogar einen Schritt weiter gehen. "Ich glaube nicht, dass man das mit mehr oder weniger Reifensätzen löst", sagt er. "Man müsste vielleicht sogar über Strafen nachdenken, wenn das Abstellen unnötig ist."

Bleibt nur die Frage: Wie will man nachweisen, dass ein Fahrzeug nicht wirklich unfahrbar war, wenn das ein Pilot behauptet? Abgesehen davon wäre ein Team bei einer ungünstigen Ausgangsituation in der Lage, ein Auto so vorzubereiten, dass es nicht das ganze Rennen durchhält.

Ausfallsquote am Samstag: Statistik zeigt interessante Tendenz

Aber belegt die Statistik, dass die Ausfallsquote am Samstag wirklich höher ist als am Sonntag? Im Schnitt haben bei den sechs Wochenenden 2026 an den Samstagen 15,5 Boliden das Ziel erreicht, an den Sonntagen waren es 17,5. Auffällig ist aber, dass der Unterschied zuletzt in Oschersleben und auf dem Nürburgring am größten war.

In Oschersleben kamen am Samstag 14 Autos ins Ziel, am Sonntag 18. Und auf dem Nürburgring fiel der Vergleich 12:16 aus. Bei beiden Wochenenden standen drei statt vier Reifensätze - wie es in Spielberg, in Zandvoort, auf dem Sachsenring und in Zandvoort der Fall ist - zur Verfügung.

Und es gab - anders als auf dem Lausitzring und auf dem Norisring - beim Samstagsrennen keinen Regenschauer, der zusätzlich Regenreifen ins Spiel brachte und die Teams entlastete. Möglicherweise würde man das Problem also bereits in den Griff bekommen, wenn an den Wochenenden mit drei Sätzen 2027 ein vierter Satz zum Einsatz kommt.

Motorsport-Total.com

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