WEC 2026, BoP: Keine Berichterstattung | 17.04.2026
WEC hält Balance of Performance 2026 geheim
In einem beispiellosen Schritt unterbindet die WEC Berichterstattung über die BoP 2026 - Hohe Strafen gegen Hersteller angekündigt
Die Balance of Performance (BoP) der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) wird 2026 nicht öffentlich zugänglich sein. Der Automobil-Weltverband FIA und der WEC-Veranstalter ACO haben ausgewählte Medienvertreter, darunter das Motorsport Network, dem Motorsport-Total.com angehört, darüber in einem langen Meeting am Donnerstagmorgen informiert. Es dauerte beinahe eine Stunde.
Über den Schritt informierten der ehemalige Alpine-Motorsportdirektor Bruno Famin, der vom ACO erst kürzlich zum "Deputy Director in Charge of Competition" ernannt worden ist, und Marek Nawarecki, Rundstreckendirektor bei der FIA.
"Wir wollen jegliches Missverständnis vermeiden, auch weil es schwierig ist, den Leuten die Details und Unterschiede zu erklären, die für jedes Fahrzeug und dessen jeweilige Eigenschaften gelten", erklärt Famin.
Nawarecki ergänzt: "Letztendlich geht es nicht darum, über die Rundenzeiten zu sprechen, sondern darum, wie sie erzielt werden. Und wenn wir dem Publikum sagen, dass jemand 20 Kilogramm mehr oder weniger im Auto hat, kann das zu Fehlinterpretationen führen. Auch weil das Publikum die Homologationsparameter und die von uns gesammelten Daten nicht kennt und daher die getroffenen Entscheidungen nicht nachvollziehen kann."
Das Treffen begann mit einer Rechtfertigung der BoP, die die WEC vor exorbitanten Kostensteigerungen durch kontinuierliche Weiterentwicklungen bewahren und die Teilnahme von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Spezifikationen ermöglichen soll - mit der Garantie auf Leistungsangleichung stattfindet.
Simulations- und Streckendaten für Erstellung der BoP
Anschließend ging es darum, wie die BoP erstellt wird. Die Parameter jedes Fahrzeugs werden zunächst in der Homologationsphase erfasst - basierend auf Aerodynamik, Gewicht und Schwerpunkt, spezifischem Kraftstoffverbrauch sowie Motor- und Antriebsart. Anschließend wird auf der Rennstrecke analysiert, um zu sehen, wie sich jedes Fahrzeug im Einsatz verhält.
"Die erste Ausbalancierung erfolgt in der Homologationsphase, danach geht es auf die Strecke, und dort sehen wir genau, wie die tatsächlichen Werte des Fahrzeugs aussehen - Kraftstoff- und Reifenverbrauch, die Qualität der Fahrer und so weiter. Aber die Fahrer sind gut darin, situationsgerecht zu handeln, daher vervielfachen sich die Variablen."
Nawarecki ergänzt: "Wir müssen die Daten 'bereinigen?, um sie gemäß den von Bruno genannten Parametern korrekt zu analysieren. Jede Strecke ist anders, jeder Fahrer geht jeden Sektor auf seine Weise an, schneidet die Kurven je nach Reifenverschleißmanagement mehr oder weniger an den Randsteinen, nutzt den Windschatten auf den Geraden und so weiter."
Allerdings hat die Vergangenheit bereits gezeigt, dass Simulationsdaten häufig nicht den gewünschten Effekt hatten. So kam in Le Mans 2025 eine BoP basierend auf solchen Daten zum Einsatz und Ferrari bestimmte das Geschehen, während beispielsweise Peugeot hoffnungslos zurücklag.
Auch bei der IMSA SportsCar Championship wurde für die 24 Stunden von Daytona 2026 eine simulationsbasierte BoP angewandt, mit der Aston Martin hoffnungslos unterlegen war. Die IMSA lobte sich zunächst noch dafür, die BoP von nun an in einem engen Korridor halten zu können. Zwei Rennen später ist davon nichts mehr übrig, der Unterschied beim Leistungsgewicht zwischen dem Porsche 963 und dem Aston Martin Valkyrie beträgt mittlerweile 0,311 kg/kW.
"Es wird keine Änderungen im Laufe eines Rennwochenendes geben, höchstens unmittelbar davor, wenn es spezielle Tests gibt, wie zum Beispiel in Le Mans. Aber was das 24-Stunden-Rennen angeht, wollen wir uns derzeit nicht festlegen; es ist noch zu früh, um etwas zu sagen. Wir warten ab, wie die ersten beiden Rennen verlaufen. Wichtig ist, dass die Hersteller wissen, wie der Prozess funktioniert", betont Famin.
"Auch hier wollen wir keine Spekulationen und nicht das Risiko eingehen, dass sich jemand in Imola und Spa versteckt oder denkt, dass auch wir etwas für Le Mans verbergen könnten. Deshalb wollen wir im Moment nicht darüber sprechen; wir werden in Zukunft sehen, wie sich die Dinge entwickeln."
Die BoP wird künftig nicht einmal den Fahrern der einzelnen Hersteller bekannt sein. Nur noch ein kleiner, ausgewählter Kreis wird Zugang zu den Daten haben. Dabei wurden hinter den Kulissen harte Strafen angedroht, sollten die Zahlen an die Öffentlichkeit geraten.
Erfolgsballast wieder vom Tisch
Überraschenderweise kommt das Thema Erfolgsballast, der im Oktober 2025 extra noch ins Reglement aufgenommen wurde, nicht zur Anwendung. Die Möglichkeit besteht per Reglement weiter, angewendet wird sie aber vorerst nicht.
"Wir haben bereits zahlreiche Variablen bei der BoP und haben uns entschieden, keine weiteren einzuführen. Bei nur acht Rennen besteht die Gefahr, dass die Fahrer anfangen, sich absichtlich zurückfallen zu lassen, und wir wollen, dass alle immer ans Limit gehen", betont Nawarecki.
"Einen Erfolgballast hat es einst in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) gegeben, aber dort gab es 16 Rennen. Da war es Teil des Spiels, die Ergebnisse auf eine gewisse Weise zu steuern, aber hier bei acht Rennen macht das keinen Sinn."
FIA und ACO beschreiten damit einen weiteren Weg zur Intransparenz. Bereits 2024 war ein "BoP-Maulkorb" eingeführt worden. Seitdem dürfen Fahrer und Teams nicht mehr öffentlich über die BoP sprechen. Mit diesem Schritt wird nun auch professionellen die Informationsgrundlage entzogen, das Geschehen auf der Strecke korrekt einzuordnen.

















