WEC Fuji 2026 | 27.09.2026
WEC Fuji 2026: Toyota stiehlt Alpine den Sieg dank LMGT3-Highspeed-Crash
Bitterer Siegverlust für Alpine bei den 6 Stunden von Fuji und unerwarteter Toyota-Triumph - Wilder Crash in der LMGT3 sorgt für Diskussionen
Bis eine Stunde vor Schluss schien es ausgeschlossen, dass Toyota erstmals seit 2023 wieder den Heimsieg auf dem Fuji Speedway holen würde. Doch ein kontroverser Crash in der LMGT3 stellte das Rennen komplett auf den Kopf und kostete Alpine einen eigentlich sicheren Doppelsieg. Am Ende feierten Sebastien Buemi, Brendon Hartley und Schlussheld Ryo Hirakawa ihren zweiten Saisonsieg nach dem Saisonauftakt in Imola.
Die Szene des Rennens spielte sich eingangs der letzten Stunde am Ende der 1,5 Kilometer langen Start-Ziel-Geraden ab. Finn Gehrsitz griff im Garage-59-McLaren #58 (West/Gehrsitz/Goethe; DNF) den Heart-of-Racing-Aston-Martin #27 (James/Robichon/Drudi; 2. LMGT3) von Mattia Drudi an. In der Anbremszone fuhren sie sich ins Auto und Gehrsitz schlug schwer in die Leitplanke ein.
Es ist schwer, einen Schuldigen auszumachen. Fest steht jedoch, dass diese Aktion den wohl unnötigsten Rennunfall der ganzen Saison nach sich zog, da links ganze Fahrzeugbreiten Platz waren. Offenbar versuchten beide, mit dem sogenannten "Side Draft" den Gegner zu verlangsamen, obschon der Bremspunkt direkt bevorstand.
Der Unfall wirbelte das Rennen komplett durcheinander. Die beiden Alpine A424 hatten das Rennen bis zu diesem Unfall im Griff, doch die durch den Crash ausgelöste Safety-Car-Phase, die dritte des Rennens, sorgte für einen Kampf der Pitcrews und der Strategen. Der Toyota #8 und der BMW #15 (Magnussen/Marciello/D. Vanthoor; 3.) tankten deutlich weniger als der Alpine #35 (Milesi/Habsburg; 4.), der Alpine #36 (Gounon/Martins; 2.) wechselte sogar Reifen.
So lag plötzlich beim Restart Ryo Hirakawa an der Spitze gefolgt von Dries Vanthoor. Victor Martins kämpfte sich vom fünften Platz schnell auf P3 nach vorn, brauchte dann aber mehrere Minuten, um den zweitplatzierten Vanthoor zu knacken.
Fünf Minuten vor Schluss war er an Hirakawa dran, der den Fuji Speedway aus zahlreichen Jahren in der Super GT und Super Formula wie seine Westentasche kennt. Diese Streckenkenntnis nutzte er aus, um sich auf älteren Reifen gegen ein deutlich schnelleres Auto zu wehren - Martins fand keinen Weg mehr vorbei.
Brendon Hartley kann es selbst nicht fassen: "Wir hatten nicht die Pace einiger Gegner, aber diese letzte Entscheidung des Teams bei der Strategie war einfach perfekt. Sie haben die richtige Spritmenge nachgefüllt, um nach vorne zu kommen, und dann Grande Ryo! So nennen wir ihn manchmal. Er hat am Ende dem Druck eines schnelleren Autos standgehalten."
Sebastien Buemi beschwerte sich während des Rennens über fehlenden Speed auf den Geraden, wo Toyota für alle sichtbar hinten anstand: "Da können wir nichts tun. Das ist wirklich ätzend; wir wollen hier wenigstens mit einer Chance antreten, kämpfen zu können, aber das können wir nicht." Nach dem Rennen gibt er zu, dass die #8 es wohl nicht ins Ziel geschafft hätte, wenn das Rennen schnell wieder freigegeben worden wäre.
Alpine macht nichts falsch und gewinnt trotzdem nichts
Eigentlich war es fünf Stunden lang eine klare Angelegenheit für Alpine. Als einziges Fahrzeug brachte der Aston Martin #007 (Tincknell/Gamble; 14.) zwischenzeitlich zumindest ein wenig Spannung rein, bis Tom Gamble bei einem Boxenstopp kurz nach Rennhälfte einen Fehler machte und die Boxeneinfahrtslinie überfuhr.
Die daraus resultierende Durchfahrtsstrafe warf den Valkyrie vom Podium. Später verlor er sogar die Führungsrunde, weil man kurz vor dem zweiten VSC tankte. Bei der Boxenausfahrt drehte Harry Tincknell dann auch noch den späteren Rennsieger um, was zusätzlich noch für eine Strafe sorgte.
Zwei Safety-Car-Phasen, eine nach gut einer Stunde und eine in der fünften Stunde, konnten die beiden A424 nicht stoppen. Aufgrund unterschiedlicher Strategien tauschten die beiden blauen Boliden zweimal die Plätze, am Ende der Boxenstopps war aber wie am Anfang die #36 vorn.
Die Frage war eigentlich nur noch, ob Alpine die in der Weltmeisterschaft wesentlich besser platzierte #35 an der #36 wieder vorbeischleusen würde. Doch dann änderte der LMGT3-Unfall alles. Alpine wollte beide Autos auf verschiedenen Strategien halten, beschränkte dies aber auf die Reifenwahl und nicht auf die Spritmenge. Beide Fahrzeuge wurden so betankt, dass sie bei einer schnellen Rennfreigabe ins Ziel kämen.
Die Arbeiten an der Leitplanke dauerten allerdings länger und der Schlussspurt ging letztlich nur über 21 Minuten. Da war längst so viel Zeit verstrichen, dass auch der Toyota #8 und der BMW #15 es bis ins Ziel schafften.
"Wir wollten kein Auto opfern, deshalb haben wir beide Fahrzeuge zur selben Zeit reingeholt. Dadurch haben wir Zeit verloren und wurden von ein paar Autos überholt. Hätten wir ein Auto geopfert, hätten wir wahrscheinlich gewonnen und ein Auto wäre unter ferner liefen gelandet. Wir haben uns für den Teamspirit entschieden. Es war meine Entscheidung", sagt Alpine-Sportdirektor Nicolas Lapierre.
Jules Gounon fasst die etwas verdatterte Stimmung bei Alpine zusammen: "Es sind gemischte Gefühle. Wir haben nahezu das gesamte Rennen lang geführt bis zu diesem letzten Safety-Car. Alles sah nach einem Doppelsieg aus, das wäre crazy gewesen. Ich bin stolz auf das Team, aber echt traurig, weil ich das Gefühl hatte, dass heute unser Tag werden würde."
Noch enttäuschter als Alpine dürfte Aston Martin sein, denn die Valkyrie waren hinter Alpine zweite Kraft in Japan. Nachdem die #007 wie schon erwähnt beim vorletzten Safety-Car zurückgefallen war, wurde auch die #009 (Riberas/Sörensen; 10.) am Ende durchgereicht. Hätte es den GT-Unfall nicht gegeben, wäre es wohl die dritte Position und damit der erste Podiumsplatz für das Projekt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) geworden.
Die #009 fasste von allen Fahrzeugen am meisten Sprit in der letzten Safety-Car-Phase und hatte im Ziel noch 38 Prozent des virtuellen Tanks übrig - mehr als jedes andere Fahrzeug. Ein kümmerliches Pünktchen ist ein bitteres Resultat an einem Rennwochenende, an dem The Heart of Racing (THOR) das zweitschnellste Auto hatte.
Albtraum für Tabellenführer-BMW
Das Podium des BMW #15, der bis zum letzten Safety-Car am unteren Ende der Top 10 herumgedümpelt war, kann WRT zumindest ein bisschen über ein sonst harziges Rennen wegtrösten. Fakt ist aber, dass die Tabellenführung erstmals seit der Übernahme selbiger in Spa für die #20 (Frijns/Rast/S. van der Linde; 13.) weg ist.
Die #20 musste das Rennen nach der Qualifying-Absage vom letzten Startplatz in Angriff nehmen. Rene Rast zeigte einen überragenden ersten Stint und fuhr sich aus eigener Kraft bis auf den neunten Platz nach vorn - und sparte dabei noch Sprit. Doch ab dem ersten Boxenstopp lief alles schief.
Zunächst machte die erste Safety-Car-Phase mit vorgeschaltetem VSC alle strategischen Vorteile zunichte, die Rast sich erarbeitet hatte. Nach dem Restart kam es noch schlimmer: Im Verkehr wurde er umgedreht und fiel auf den letzten Platz zurück. Kaum startete er die Aufholjagd neu, kollidierte er, als er einem LMGT3-Fahrzeug ausweichen wollte, in Kurve 2 (dem minimalen Rechtsknick nach der Spitzkehre) mit dem Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi; 9.) von James Calado.
Das zog einen Reifenschaden nach sich. Rast kam an die Box und musste die gesamte Heckpartie tauschen lassen, die durch den Reifenschaden in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die ganze Prozedur kostete die Tabellenführer zwei Runden. Später wurde Sheldon van der Linde noch einmal bei einer Überrundung eingeklemmt und in einen 360-Grad-Dreher gezwungen.
Für Ferrari war Fuji wieder keine Reise wert. Mehr als die zwei Punkte für die #51 waren auch 2026 auf der schwächsten Strecke des 499P nicht drin. Der Ferrari #50 (Fuoco/Molina/Nielsen; DNF) zog eine ganze Reihe von Problemen auf sich und schaltete sich letztlich wie schon bei den 24 Stunden von Le Mans einfach mitten im Rennen ab. Der AF-Corse-Ferrari #83 (Ye/Kubica/Hanson; 12.) blieb ohne Punkte.
Der Toyota #7 (Conway/Kobayashi/de Vries; 8.), der punktgleich mit dem BMW #20 als Tabellenführer angereist war, fasste beim letzten Stopp zwei neue Reifen. Aufgrund des fehlenden Geradeausspeeds nutzten die frischen Reifen auch nichts mehr. Das Leistungsdefizit lässt sich nicht quantifizieren, da die WEC die Balance of Performance (BoP) in diesem Jahr geheim hält.
Nicht genug für Cadillac
Der Cadillac #38 (Bamber/Bourdais/Aitken; 5.) und die #12 (Stevens/Nato; 7.) holten ein gutes Resultat für Jota, das aber nicht ausreicht, um noch in den WM-Kampf eingreifen zu können. Die V-Series.R waren beim letzten Stopp wie der Toyota #7 konservativ und fassten zwei Reifen. Am Ende fehlten Jack Aitken 0,443 Sekunden auf den Alpine #35.
Über einen ähnlichen Strategiecoup wie Toyota darf sich Peugeot freuen, denn der 9X8 #94 (Duval/Jakobsen/Pourchaire; 6.) holte mehr heraus als eigentlich drin war. Das Schwesterfahrzeug #93 (di Resta/Vandoorne/Cassidy; DNF) schied früh mit Getriebeschaden aus.
Genesis kommt dem Podium langsam näher, muss sich aber weiter gedulden. Beide GMR-001 hatten Probleme am Ende ihrer Doppelstints. Aufgrund der bisherigen Nachteile beim Reifenverschleiß gingen die LMDh-Boliden des Hyundai-Konzerns mit Medium-Reifen ins Rennen, was sich aber als falsche Entscheidung herausstellte.
"Wir hatten wirklich Mühe, die Medium-Reifen auf Temperatur zu halten und sie zum Arbeiten zu bringen, sodass ich in allen Linkskurven einfach nicht sehr konkurrenzfähig gegenüber den anderen war", klagte Dani Juncadella während des Rennens. Zumindest konnte der Spanier den Zeitverlust minimieren. Der Genesis #19 (Jaminet/Chatin/Juncadella; 11.) blieb in der Spitzengruppe.
Lange Zeit sah es nach einem neuen persönlichen Bestresultat für Genesis Magma Racing aus, dann aber fiel die #19 beim letzten Stopp weit zurück und letztlich sogar aus den Punkterängen.
Für Andre Lotterer ging es in der #17 (Lotterer/Derani/Jaubert; 15.) zunächst komplett zurück: "Es war sehr schwierig da draußen, ich habe nie Grip gefunden, das ist wirklich schade. Ich bin irgendwie zurückgefallen, habe versucht, dranzubleiben und mein Bestes zu geben, aber es war nicht ideal. Also ja, eine harte Lektion."
In der letzten Safety-Car-Phase ging die #17, die nun nichts mehr zu verlieren hatte, volles Risiko und gab Luis Felipe "Pipo" Derani Regenreifen. Es nieselte in der gesamten Schlussstunde, aber es wurde nie nass genug, als dass die Regenreifen einen Vorteil gebracht hätten.
Farfus fährt WRT zum Sieg
In der LMGT3 ging zunächst Francois Heriau im AF-Corse-Ferrari #21 (Heriau/Mann/Rovera; 12. LMGT3) auf große Fahrt. Die Strecke war zum Start noch leicht feucht, alle Fahrzeuge waren aber auf Slicks unterwegs. Es kam, wie es kommen musste: Heriau versuchte den Trockenbremspunkt und löste ein Chaos in der ersten Kurve aus.
Für den Iron-Lynx-Mercedes-AMG #61 (Berry/Andrade/Martin; DNF), der einen Schaden am Chassis erlitt, und den Proton-Ford #88 (Gattuso/Levorato/Sargeant; DNF) war das Rennen sofort beendet. Dahinter drehte sich noch Yasser Shahin beim Ausweichen und wurde ebenfalls getroffen, der Manthey-Porsche #92 (Shahin/Pera/Lietz; 13. LMGT3) verlor mehrere Runden durch die Reparatur. Fast der gesamte Rest des Feldes wurde ebenfalls involviert, kam aber mit leichten Blessuren davon.
Bis zum großen Unfall eingangs der letzten Stunde wechselte die Führung immer wieder durch. Beim letzten Restart lagen dann die beiden Corvette Z06 GT3.R von TF Sport an der Spitze, konnten sich dort aber nicht halten. Die Track Position hatte sich TF Sport aber über einen Verzicht auf den Reifenwechsel erkauft.
Entsprechend ging es für die Vetten auf die Plätze drei und fünf zurück. Den Sieg sicherte sich letztlich mit beherzten Überholmanövern Augusto Farfus im WRT-BMW #32 (Leung/Gelael/Farfus; 1. LMGT3). Das entscheidende Manöver vollzog er acht Minuten vor Schluss. Allerdings muss Farfus noch eine Untersuchung wegen Abdrängens über sich ergehen lassen. Update 15:30 Uhr: No further action.
In seinem Fahrwasser zog Mattia Drudi mit, der trotz des Reifenschadens nach der Kollision mit Gehrsitz den zweiten Platz nach Hause fuhr. Das Podium komplettierte die TF-Sport-Corvette #34 (Dempsey/Yoluc/Eastwood; 3. LMGT3).
Die WEC siedelt nun unplanmäßig nach Europa über, wo die Ersatzrennen für die ausgefallenen Läufe im arabischen Raum stattfinden werden. Am 18. Oktober geht es auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya mit einem 6-Stunden-Rennen weiter.

















