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Kritik am Reglement 2009

Der technische Berater der FIA Tony Purnell glaubt nicht, dass die von der FIA gepushten Änderungen den gewünschten Effekt erzielen werden.

Die Formel 1 geht ab 2009 endlich den Weg, den sich viele Experten schon seit Jahren wünschen, weil sie sich davon mehr Überholmanöver versprechen: weniger aerodynamischen, dafür mehr mechanischen Grip - und KERS zum Drüberstreuen, also eine Hybridtechnologie, die das Überholen noch einmal einfacher machen soll.

Was spannendere Rennen angeht, so verspricht sich die FIA allerdings von den aerodynamischen Änderungen am meisten. Auf Basis der Vorschläge der Overtaking-Working-Group (OWG) werden künftig die Frontflügel breiter und vom Cockpit aus verstellbar, die Heckflügel schmaler und der Diffusor in seiner Effizienz eingeschränkt. Die OWG-Masterminds Rory Byrne, Pat Symonds und Paddy Lowe versprachen sich davon anfangs 50 Prozent weniger Anpressdruck.

Das Märchen von den 50 Prozent

Wir haben uns seit Bekanntgabe der OWG-Vorschläge regelmäßig bei den schlauen Köpfen im Fahrerlager umgehört - und dabei festgestellt, dass 50 Prozent weniger Anpressdruck noch nicht einmal im Märchen passieren werden. Bereits nach den ersten Studien schien 30 Prozent ein realistischerer Wert zu sein, inzwischen sollen es noch einmal deutlich weniger sein. Das ist dem Technischen Berater der FIA, Tony Purnell, durchaus bewusst.

Der ehemalige Jaguar-Teamchef rechnet damit, dass die Autos 2009 "70 bis 80 Prozent" des 2008er-Anpressdrucks erreichen werden, wie er dem Fachmagazin 'Racecar Engineering' verriet. Und er gestand: "Ich glaube, dass die Aeroregeln wenig zu spannenderen Rennen beitragen werden. Ich bin mir absolut sicher, dass die Autos besser werden (...), aber vielleicht sind die Änderungen nicht weitreichend genug. Wir wissen es nicht."

Purnell glaubt, dass die Designer verlorenen Anpressdruck immer wieder finden werden, daher sei jede Maßnahme in diese Richtung nicht nachhaltig: "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Formel 1 und andere Formelautos - und vielleicht auch die Sportwagen - vor einem Dilemma stehen. Leider gibt es viele Beweise dafür, die besagen, dass Aerodynamik das Allerschlechteste ist, was man haben kann, wenn man Rad-an-Rad-Duelle will."

KERS-Effekt nur marginal?

Viel erhofft sich der Brite dafür von KERS. Die Idee ist simpel: Sobald die Batterien aufgeladen sind, kann der Fahrer vom Cockpit aus für einen Zeitraum von knapp sieben Sekunden 82 zusätzliche PS abrufen. Er habe von den Teams gehört, dass dieser Effekt auf die Rundenzeit gesehen "marginal" sei, so Purnell, "aber wenn sie an das Rad-an-Rad-Racing denken, dann sehen sie ein, dass es nicht ohne KERS geht".

"Das Interessante an dieser Technologie ist, dass es im ersten Jahr nicht um Geld geht, sondern um Cleverness", betonte der FIA-Mann. "Es gibt diese Aufbruchstimmung, wo sich ein paar Ingenieure an einen Tisch setzen und sagen: 'Für gerade mal so viel Geld können wir etwas Gutes entwickeln.' Die großen Hersteller agieren hingegen wie große Hersteller: 'Wir schauen uns alles an, entscheiden uns für eine Route, dann investieren wir Millionen und machen einen guten Job.'"

Fazit: Purnell ist sich nicht hundertprozentig sicher, dass die von der FIA gepushten Änderungen den gewünschten Effekt erzielen werden. Daher stehe man künftigen Änderungen durchaus aufgeschlossen gegenüber: "Die FIA vertritt den Standpunkt, dass wir uns einmal anschauen, wie die Rennen nächstes Jahr laufen. Wenn es nicht besser wird, werden wir handeln. Wenn man es überdenken muss, werden wir es überdenken", sagte er.

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