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Präsentation in Silverstone: So sieht das neue Formel-1-Auto für 2022 aus!

Erste echte Bilder: Die Formel 1 hat in Silverstone erstmals einen Prototyp für die Saison 2022 unter dem dann neuen Reglement vorgestellt

So sieht die Formel 1 der Zukunft aus: In Silverstone hat die Rennserie einen ersten Prototyp für die Saison 2022 vorgestellt. Dann greift ein neues Formel-1-Reglement, das das Aussehen der Fahrzeuge verändern wird. Und das nun präsentierte Modell vermittelt einen ersten optischen Eindruck des künftigen Formel-1-Rennwagens, wie ihn sich die Macher der Rennserie vorstellen.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn verweist auf den "Beginn einer neuen Ära" und erklärt: "Mit den aktuellen Autos haben die Fahrer immer noch Probleme, einander zu folgen. Die Regeln für 2022 gehen diese Problematik an. Wir bekommen so die Chance auf engere Duelle und mehr Rad-an-Rad-Szenen."

Weil parallel zum Technischen Reglement auch ein Finanzielles Reglement rund um eine Budgetobergrenze aufgesetzt worden sei, sieht Brawn die Voraussetzungen für "eine etwas balanciertere Meisterschaft". Er erwarte außerdem, "dass sich die Abstände im Feld schließen".

Neue Frontpartie, neuer Heckflügel

Und damit zu den äußerlichen Merkmalen des neuen Formel-1-Autos, wie es nun in Silverstone gezeigt wurde: Zu den auffälligsten Neuerungen im Vergleich zum Ist-Zustand zählt die heruntergezogene, breite Nase, die direkt mit dem Frontflügel und dessen Flaps verbunden ist.

Auch der Heckflügel erhält eine neue Form, die auf der Höhe der Flügelprofile ganz ohne seitliche Endplatten auskommt. Die künftig weiter unten ansetzenden Endplatten wiederum verjüngen sich stark, der Heckflügel an sich ist kleiner als bisher.

Formel 1 2022: Am meisten tut sich am Unterboden!

Die größten Änderungen aber finden sich unterhalb des Fahrzeugs: Mehrere sogenannte Venturi-Kanäle leiten die Luft von den Seitenkästen aus am Unterboden entlang und hin zum Diffusor, sie machen sich den Bodeneffekt zunutze. Ab 2022 wird daher erheblich mehr Abtrieb unter dem Auto erzeugt, was das Hinterherfahren erleichtern soll.

Die Formel 1 rückt damit von ihrem Prinzip des flachen Unterbodens ab. Dieser war 1983 eingeführt worden, weil die bis dahin vorherrschenden Bodeneffekt-Fahrzeuge mit seitlichen Schürzen schlicht zu schnell geworden waren. Das hatte bis 1982 zu zahlreichen schweren Unfällen geführt. Nun aber gibt der Bodeneffekt sein Formel-1-Comeback.

Das folgende Auto verliert weniger Anpressdruck

Der Cockpitschutz Halo findet sich auch auf dem Formel-1-Auto 2022 wieder. Neu hinzu kommen dagegen kleine Luftleitbleche über den Vorderrädern, die dort auftretende Verwirbelungen möglichst geringhalten sollen. Auch das reduziert die Dirty-Air und soll das Aufschließen eines nachfolgenden Fahrzeugs begünstigen.

Formel-1-Studien zufolge haben Autos unter dem aktuellen Reglement bis 45 Prozent Anpressdruck verloren, wenn sie einem anderen Auto hinterhergefahren sind. Dieser Wert soll unter dem neuen Formel-1-Reglement bei fünf bis zehn Prozent liegen. In der Theorie spricht das für besseres Racing.

Nikolas Tombazis als Technischer Leiter des Automobil-Weltverbands (FIA) erklärte dazu bereits vor Monaten: "Wir wollen Zweikämpfe wieder möglich machen, ohne dass gleich die Reifen abbauen und der Angreifer nur ein begrenztes Zeitfenster hat, in dem er attackieren kann."

Die Formel 1 2022 wird langsamer

Und damit sind wir schon bei der nächsten Änderung: Die bisherigen 13-Zoll-Räder weichen den neuen 18-Zoll-Rädern. Auch das hat Folgen für die optische Erscheinung der Fahrzeuge, die laut Formel-1-Sportchef Ross Brawn ab 2022 "aufregend aussehen" sollen, und das "auch im Stillstand". Außerdem sollen die neuen Rennwagen "erheblich robuster" gebaut sein.

All diese Änderungen werden die Formel 1 vermutlich um mehrere Sekunden pro Runde langsamer machen. So erwartet es zumindest Tombazis anhand der Simulationen, die er und sein technisches Team über Jahre hinweg erstellt haben.

So viel Arbeit steckt im neuen Formel-1-Design

Insgesamt 7.500 Simulationen sollen gelaufen sein, für ein Petabyte an Daten. Das entspricht übrigens 1.000 Terrabyte oder, laut Formel-1-Angaben, der Datenmange von gut einem Drittel aller Fotos auf Facebook. Würde man Schreibtischschubladen mit Ausdrucken füllen, man bräuchte dafür 40 Millionen Schubladen.

Als Standort für "echte" Messungen diente der Formel 1 der Sauber-Windkanal in Hinwil in der Schweiz. Dort wurden binnen zweier Jahre insgesamt 138 "Basismodell"-Versuche absolviert. Der Windkanal lief dabei für rund 100 Stunden.

Eben dieses Basismodell - es ist die 21. Version seit Entwicklungsbeginn - steht den Teams nun auch für deren eigene Entwicklungsarbeit im Windkanal und virtuell zur Verfügung, solange sie dessen Grundform unverändert lassen. Die Rennställe waren von Anfang an in den Designprozess involviert und hätten "entscheidendes Feedback" beigesteuert.

Corona sorgt für Verschiebung auf 2022

Eigentlich hätte das neue Formel-1-Reglement nicht erst 2022, sondern schon 2021 eingeführt werden sollen. In Folge der Coronavirus-Pandemie aber entschied sich die Rennserie, die neuen Regeln um ein Jahr aufzuschieben und 2021 ein Übergangsjahr mit modifizierten Vorjahresautos einzulegen.

Deshalb meint Formel-1-Sportchef Brawn: "Es fühlt sich an, als hätte die FIA die neuen Regeln vor einer halben Ewigkeit vorgestellt. Doch jetzt, aufgrund der Verzögerung durch die Pandemie, sind es nur noch 170 Tage bis zum Jahresbeginn 2022. Und dann gehen die Fahrzeuge der neuen Generation [bald schon] erstmals auf die Strecke."

Motorsport-Total.com

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