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Spa aus Fahrersicht: So schlimm waren die Bedingungen Die Sicht war das große Problem am Sonntag in Spa
Motorsport Images

Aus Fahrersicht: So schlimm waren die Bedingungen wirklich

Die Fahrer waren sich nach dem abgebrochenen Formel-1-Rennen in Spa einig, dass ein Start zu gefährlich gewesen wäre - So war die Sicht im Cockpit wirklich

Wie gefährlich waren die Bedingungen am Formel-1-Sonntag in Spa-Francorchamps wirklich? Nach der mehrmaligen Verschiebung des Rennstarts und schließlich der Absage des Rennens nach zwei Formationsrunden sowie zwei offiziellen Rennrunden jeweils hinter dem Safety-Car kochten die Diskussionen vor allem unter den Fans hoch.

Schließlich habe es früher auch nahezu epische Regenrennen gegeben, in wesentlich unsichereren Autos. Doch die Meinung der Fahrer im Nachgang war ziemlich eindeutig. Die Sicht war zu schlecht, um ein Rennen auf dieser Strecke stattfinden zu lassen.

Schon im geringeren Tempo hinter dem Safety-Car bildeten die Autos so viel Gischt, dass der Hintermann kaum noch etwas sehen konnte. "Die Bedingungen heute waren einfach nicht gut genug, um 20 Formel-1-Autos um diese Strecke fahren zu lassen", sagt Ferrari-Pilot Carlos Sainz.

Norris: Strecke war im Qualifying nasser

So sei der Kurs an sich zwar durchaus befahrbar gewesen. "Ich denke, in Q3 war es nasser als hier", stellte der im dritten Qualifying-Abschnitt schwer verunfallte Lando Norris nach dem Rennen sogar fest.

"Aber das Problem ist nicht, rauszufahren und eine schnelle Runde zu drehen. Wenn du nicht auf dem ersten Platz liegst, dann wirst du einen schweren Unfall haben, weil du nicht siehst, wo du hinfährst", erklärt der McLaren-Pilot.

Für die Zuschauer sei es nur schwer nachvollziehbar, in welcher Situation sich der Fahrer im Cockpit befinde. "Viele Leute verstehen das nicht mit dem ganzen Wasser, das auf das Visier kommt und mit dem Spray, den man abkriegt", schildert der 21-Jährige.

Sainz betont: Strecke fahrbar, aber nicht im Rennen

Die roten Regenlichter am Heck der Autos seien dabei keine große Hilfe. "Diese blinkenden Lichter, die wer weiß wie hell sein sollen, sieht man nicht, wenn man nicht fünf oder zehn Meter hintendran ist. Und wenn der Vordermann plötzlich langsam macht oder sich dreht oder einen Unfall hat, dann sieht man das nicht, bis man in ihn hineinknallt", stellt Norris klar.

Ähnlich äußert sich auch Sainz. "Ein Formel-1-Autos kann unter diesen Bedingungen gefahren werden, aber bei 20 Autos in einer Linie konnte ich nicht sehr weit sehen. Wenn man dann 300 fährt und jemand dreht sich vor dir, dann wirst du ihn treffen. Es war zu riskant und zu gefährlich. Zum Glück passiert es nicht oft, aber heute war es so", sagt der Spanier.

Der Führende Max Verstappen war so ziemlich der einzige Fahrer, der per Funk meinte, dass die Bedingungen vertretbar seien, um zu fahren. Doch hatte der Niederländer auch kein anderes Formel-1-Auto vor sich. "Von der Poleposition aus kann man natürlich starten. Aber von Platz elf aus gab es heute keinen einzigen Punkt, an dem man hätte starten können", versichert Sainz.

Russell sicher: Rennstart hätte Chaos ausgelöst

Schon George Russell, der als Zweiter direkt hinter Verstappen fuhr, habe nach eigener Aussage große Probleme mit der Sicht gehabt. "Ausgangs Kurve 1 und dann durch Eau Rouge bis zu Kurve 5, sobald wir mehr als 200 km/h gefahren sind, war die Gischt einfach zu stark. Ich hatte absolut keine Ahnung, wo Max war", so der Williams-Pilot.

Er habe sich gar nicht vorstellen wollen, wie es erst bei Renntempo gewesen wäre. "Wir hätten auch mit geschlossenen Augen die Gerade hinauffahren können, denn so wäre es gewesen, wenn das Rennen gestartet worden wäre. Es wäre Chaos geworden", ist Russell sicher.

Lewis Hamilton erinnerte an Norris' Unfall im Qualifying. Ein solcher bei voller Geschwindigkeit im Rennen hätte fatale Folgen haben können, ähnlich wie bei Anthoine Hubert 2019 in der Formel 2.

Zu viel Gischt? Sainz: Diffusoren und Reifen riesig

"Man hätte nicht gesehen, ob da ein Fahrer in der Mitte der Fahrbahn gewesen wäre. Leider gab es heute keinen Moment, in dem wir hätten fahren können. Vielleicht am Vormittag, da hat es weniger geregnet", sagt der Weltmeister.

Doch warum sorgen die Formel-1-Fahrzeuge für so viel Gischt, dass die Sicht gegen null tendiert? Für Sainz spielen die Reifen ebenso eine Rolle wie die Aerodynamik der Autos. "Die Diffusoren sind riesig, die Reifen sind groß. Zudem gab es viel stehendes Wasser", erklärt er.

Doch gleichzeitig betont er nochmals, dass die Strecke als solche nicht unfahrbar gewesen sei. Das Wasser habe nicht das große Problem dargestellt. "Wir hätten zum Beispiel eine Superpole machen können, kein Problem. Wir hätten auch durch Eau Rouge fahren können, das war nicht das Thema", stellt Sainz klar.

"Das Problem war die Sicht. Und in den zwei Runden hinter dem Safety-Car kühlen auch die Reifen auf null ab. Man fährt also mit null Sicht durch Eau Rouge und dann dreht sich jemand mit den kalten Reifen. Ich würde behaupten, wenn sich der Zehntplatzierte dreht, wird er von jedem bis Platz 20 getroffen. Und durch so etwas kann ein schwerer Unfall mit 300 km/h passieren", stellt Sainz klar.

Motorsport-Total.com

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