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Wie nachhaltig kann die Formel 1 sein?
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Wie nachhaltig kann die Formel 1 sein?

Der Klimawandel hat das Denken der meisten westlichen Gesellschaften signifikant verändert. Gut ist mittlerweile nur noch, was nachhaltig, Ressourcen schonend und ökologisch unbedenklich ist. Gerade die Automobilbranche erlebt einen massiven Wandel weg von den Verbrennungsmotoren hin zum Elektroantrieb. Nur der Formel-1-Zirkus will nicht so recht in dieses Schema passen. Dröhnende Motoren, Höchstgeschwindigkeiten und permanente Reisen um die ganze Welt beschädigen das Image der beliebten Sportart.

Vorbildfunktion als Anspruch

Natürlich tut sich die Motorsportszene generell schwer mit Veränderungen, die nicht auf schneller, lauter und mehr Power abzielen. Zubehör für Motorsport wird schließlich in der Regel nicht deshalb gekauft, um das grüne Gewissen zu befriedigen. Doch in einem sich wandelnden Umfeld ist gerade die Formel-1 als Gallionsfigur der Branche gezwungen, sich zu bewegen. Dabei geht es natürlich mehr um Symbolkraft als um tatsächliche positive Effekte auf den CO2-Ausstoß. Nur zur Einordnung: Eine ganze Formel-1-Saison verursacht etwa ein Zehntel des Kohlendioxids, welches bei der Austragung einer Fußballweltmeisterschaft in die Atmospähre geblasen wird. Nichtsdestotrotz hat man sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 CO2-neutral zu arbeiten.

Reisetätigkeit als Hauptproblem

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet man sich derzeit an den Motoren ab. Rein synthetischer Biokraftstoff soll ab 2026 die besonders effizienten Hybridmotoren antreiben. Leistungseinbußen will man jedoch nicht in Kauf nehmen, sodass auf die Ingenieure hier noch eine Menge Arbeit zukommen dürfte. Doch das Werkeln an den Motoren kratzt nur an der Oberfläche des Problems. Denn die Statistik zeigt, dass nicht einmal ein Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes auf die Bolliden selbst zurückzuführen ist. Der Löwenanteil, nämlich fast drei Viertel davon, gehen auf das Konto von Logistik und Transport. Über zwanzig Rennen pro Saison auf allen Kontinenten stellen nicht nur besondere Anforderungen an die Logistiker der DHL, sondern führen auch zu einer unschönen CO2-Bilanz. Mehrere Frachtmaschinen sind permanent damit beschäftigt, die Rennwagen und das komplette Equipment im Zwei-Wochen-Rhythmus um den Globus zu karren. Gestern Rio, heute Adelaide, morgen Mexiko City. Wer diesen logistischen Größenwahn feiert und gleichzeitig die Nase rümpft, wenn der Geschäftsmann von München nach Frankfurt fliegt, hat zumindest ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Vorbild oder Heuchler?

Einer, der den Finger in die Wunde legt, ist der deutsche Rennsportstar Sebastian Vettel. Im Fahrerlager gilt Vettel als mahnende Stimme in Sachen Umweltschutz. Privat gilt sein Verhalten als fortschrittlich. Er nutzt erneuerbare Energien, steigt lieber in den Zug als ins Flugzeug und setzt sich für Projekte zum Schutz der Bienen ein. Doch Vettel muss sich die Frage gefallen lassen, wieviel das alles wert ist, wenn er Woche für Woche im Rennwagen sitzt und Teil eines Business ist, welches sich alles andere als umweltfreundlich präsentiert. Einer, der sogar noch weiter geht, ist die Rennfahrlegende Walter Röhrl. Seiner Meinung nach müsse Vettel seine Karriere sofort an den Nagel hängen. Alles andere sei inkonsequente Heuchelei.

Weniger Rennen als Teil der Lösung?

Weniger Rennen bedeuten weniger Reisetätigkeit und damit mehr CO2-Einsparung. Doch so einfach ist es nicht. Zum einen will die Branche fieberhaft in neue Märkte eindringen, zum anderen verhindern langfristige Verträge das ersatzlose Streichen von Events. Doch die Verantwortlichen müssen künftig etwas mehr bieten, als Teile der Logistik vom Flugzeug auf das Schiff zu verlagern und über eine Umstrukturierung des Rennkalenders nachzudenken, wenn man den selbst gesetzten Ansprüchen gerecht werden will. Sebastian Vettel zumindest würde das gefallen.

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