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Ein Jahr ohne Horner Statt Christian Horner hat nun Laurent Mekies das Sagen bei Red Bull
Getty Images (Fotomontage)

Ein Jahr ohne Horner: Was hat sich bei Red Bull verändert?

Vor einem Jahr flog Red Bulls langjähriger Teamchef Christian Horner raus und wurde durch Laurent Mekies ersetzt - Was hat sich seitdem verändert?

Am 9. Juli 2025 schickte die Nachricht vom überraschenden Rauswurf von Christian Horner als Teamchef von Red Bull Racing Schockwellen durch das Fahrerlager.

Damit endete eine 20-jährige Ära, die zwei dominierende, titelkrönende Dynastien hervorgebracht hatte. Horner wurde nach einem langwierigen politischen Machtkampf innerhalb von Red Bull abgesetzt, bei dem eine ganze Reihe von Dominosteinen zu diesem sensationellen Endergebnis beitrug.

Es folgte Laurent Mekies, eine hochangesehene Persönlichkeit, die zuvor das Schwesterteam Racing Bulls geleitet hatte. Red Bull Österreich entschied sich damit für eine straffere Führung, anstatt einer einzelnen Figur die absolute Kontrolle über Milton Keynes zu überlassen.

Als Mekies seinen neuen Posten antrat, ging es für ihn im ersten Schritt darum, sich einen Überblick zu verschaffen, anstatt drastische Änderungen durchzudrücken. Ein kompletter Neuanfang hätte impliziert, dass Red Bull bei null anfangen müsste - was offensichtlich nicht der Fall war.

Die große Mehrheit der Menschen, die Red Bull im Jahr 2022 so erfolgreich gemacht hatten, war immer noch da. Alles andere würde auch Horners eigenen, monumentalen Beitrag schmälern.

Mekies brauchte zudem Zeit, um zu verstehen, wie ein Team mit über 1.000 Mitarbeitern tickt und wo er feine Verbesserungen ansetzen konnte, um das Beste aus ihnen herauszuholen. "Ich betrachte diese Jungs immer noch so, wie es die meisten Leute von außerhalb des Teams tun", sagte Mekies in seiner ersten öffentlichen Erklärung seit der Amtsübernahme.

"Wir schauen auf euch und sehen die weltweit besten Leute in dem, was sie tun. Der Fokus wird wirklich darauf liegen, sicherzustellen, dass all die talentierten Köpfe hier das haben, was sie brauchen, um Bestleistungen abzurufen - denn sie sind bereits die Besten."

Das bedeutete jedoch nicht, dass Mekies gar nichts veränderte, insbesondere an der Rennstrecke. Obwohl er sich weigerte, die Lorbeeren dafür einzustreichen, brachte Mekies einen deutlich ingenieursorientierteren Ansatz ein und stellte seinen Ingenieuren die richtigen Fragen.

"Mir gefällt, wie Laurent arbeitet. Er ist sehr motiviert und stellt mir, aber auch dem Team, ständig die richtigen Fragen. Ich finde, das ist schön zu sehen", sagte Verstappen nach einigen Wochen der Zusammenarbeit mit dem Franzosen.

Mekies wurde zumindest teilweise hochangerechnet, dass Red Bull einige Lösungen für die Handling-Probleme des Autos von 2025 fand, was es Verstappen ermöglichte, McLaren bis zum bitteren Ende unter Druck zu setzen. Es war ein vielversprechender Start in die Post-Horner-Ära.

Doch zu diesem Zeitpunkt standen die größten Herausforderungen für Red Bull erst noch bevor: der Doppelschlag aus der radikalen Reglement-Reform für 2026 und dem erstmaligen Bau einer eigenen Power-Unit im eigenen Haus - ein Projekt, das ursprünglich Horners Idee gewesen war.

Das politische Spiel auf dem Weg zum Hersteller

Man muss Horner zugutehalten, dass Red Bull Ford Powertrains unter dem ehemaligen Mercedes-Mann Ben Hodgkinson die Erwartungen mit einem starken V6-Motor übertroffen hat, auch wenn auf der elektrischen Seite und beim Startverfahren des RB22 noch viel Arbeit vor ihnen liegt.

Doch nun scheint es auch so, als ob Red Bull zum Opfer dieses frühen Erfolgs werden könnte. Dem Team droht eine Sperre für Motoren-Upgrades, da ihr Triebwerk als das stärkste im gesamten Feld eingestuft wurde. Red Bull hat dies bestritten und die FIA um eine gründliche Überprüfung gebeten, doch nach Informationen von Motorsport-Total.com hat diese Untersuchung die anfänglichen Erkenntnisse des Dachverbandes nur bestätigt - eine frustrierende Erfahrung für das Team.

Hat Red Bull das Recht, sich ungerecht behandelt zu fühlen, oder wurde man von Teams wie Ferrari und Mercedes schlichtweg ausmanövriert? Die Zeit wird es zeigen.

Aber Horner war und ist ein Meister der Politik und der Kommunikation. Angesichts der Kontroversen um das Reglement 2026 und das ADUO-Upgrade-System fragt man sich unweigerlich, ob der ehemalige Chef die Sache anders angegangen wäre.

Die Heilung des "Zweiten-Cockpit-Syndroms"

Wenn das Jahr 2026 für Red Bull etwas Gutes gebracht hat, dann, dass das chronische Problem mit dem zweiten Cockpit geheilt scheint. Nach einer Reihe von Fahrern, die Mühe hatten, sich neben Verstappen zu behaupten, hat der ehemalige Red-Bull-Junior Isack Hadjar diesen Bann gebrochen.

Mit einem beeindruckenden Start bei Red Bull bestätigte er die starke Performance, die er bereits 2025 in seiner Rookie-Saison beim Schwesterteam gezeigt hatte. Hadjar holte bei seinem Debüt in Melbourne direkt Startplatz drei und fuhr in Monaco aufs Podium, auch wenn dieser Platz später wieder an Alpines Pierre Gasly zurückgegeben werden musste.

Dass Hadjar so abliefert, ist wohl eher ein Nebenprodukt des komplett neuen Reglements als eine gezielte Maßnahme des Teams - und natürlich ein Verdienst der mentalen Stärke des jungen Franzosen im Rampenlicht des Top-Teams.

Und täglich grüßt das Murmeltier: Verstappen-Gerüchte und Personalfluktuation

Das Gute ist, dass Hadjar nicht wesentlich mehr mit dem Selbstvertrauen und der Fahrzeugbalance zu kämpfen hat als Verstappen. Die schlechte Nachricht ist: Beide Fahrer machen gerade eine schwere Phase durch. Und das hat die unvermeidlichen Spekulationen um das Prunkstück des Teams neu entfacht.

Es wäre keine Formel-1-Saison ohne Gerüchte, die Verstappen mit der Konkurrenz in Verbindung bringen, oder gar über einen vorzeitigen Rücktritt, weil der Niederländer vom aktuellen Regelwerk so desillusioniert ist. Was die Zukunft bringt, weiß nur der viermalige Weltmeister selbst - ungeachtet dessen, was Wichtigmacher im Internet zu wissen vorgeben.

Doch die Aufgabe, vor der Mekies steht, ist exakt dieselbe wie damals bei Horner: Er muss sicherstellen, dass alle Rahmenbedingungen stimmen, damit Verstappen seinen Vertrag erfüllt und all diese Gerüchte im Sande verlaufen.

Zwei aufeinanderfolgende Defekte am Heckflügel sind da nicht gerade vertrauensfördernd, und das Team macht nun die nächste Zerreißprobe durch, um brauchbare Lösungen für seine Schwächen zu finden - sei es operativ oder in Bezug auf die reine Performance.

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass weitere Schlüsselkräfte Red Bull entweder schon verlassen haben oder kurz vor dem Abgang stehen.

Seit Horners Rauswurf vor einem Jahr hat das Team auch den langjährigen Red-Bull-Berater Helmut Marko aufs Abstellgleis befördert, während Verstappens langjähriger Vertrauter und Renningenieur Gianpiero Lambiase einen Vertrag unterschrieben hat, um bis 2028 zu McLaren zu wechseln, und Paul Monaghan wohl vor einem Wechsel zu Cadillac steht.

Ist der "Brain-Drain" bei Red Bull also bittere Realität oder wird manchen Abgängen einfach nur aufgrund ihrer Medienpräsenz zu viel Aufmerksamkeit geschenkt? Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.

Das Prinzip hat sich für Mekies jedenfalls nicht geändert. Das Einzige, was wirklich zählt, ist das schnellste Auto zu bauen. Und wenn das in diesem Jahr nicht gelingt, dann müssen alle Hebel und Personen so in Position gebracht werden, dass es im nächsten Jahr klappt.

Wenn Mekies Verstappen davon überzeugen kann und der Niederländer die Formel 1 nicht so satt hat, dass er etwas anderes mit seinem Leben anfängt, dann wird sich alles von alleine fügen.

Falls es überhaupt noch gesagt werden muss: Den Verstappens geht es um genau dasselbe wie jedem anderen Fahrer auch. Es geht einzig und allein ums Gewinnen. Das war unter Horner so, und das ist auch zwölf Monate später nicht anders.

Motorsport-Total.com

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