Formel 1-Regeln: Straight Mode | 26.02.2026
Neuer "Straight Mode" der Formel 1 wird beim Start verboten
Die Formel-1-Kommission diskutierte in der vergangenen Woche über mehrere sicherheitsrelevante Themen - Dabei ging es auch um den neuen "Straight Mode"
In der vergangenen Woche fand ein Treffen der Formel-1-Kommission statt, bei dem verschiedene Bedenken in Bezug auf die Regeln für 2026 diskutiert wurden. McLaren-Teamchef Andrea Stella hatte zuvor drei große Sorgen in Bezug auf die neuen Antriebsvorschriften für die Formel 1 genannt, später kam auch noch ein viertes hinzu.
In diesem Jahr führt die Formel 1 ein völlig neues Reglement ein. Der neue Motor ist dabei stärker von elektrischer Energie abhängig. Das dürfte den Rennstil 2026 deutlich verändern, da das Rückgewinnen von Energie ("Harvesting") eine größere Rolle spielen wird. Doch genau das sorgt auch für neue Herausforderungen.
Stella nannte seine Kritikpunkte am Ende der ersten Testwoche in Bahrain. Der erste betraf die Rennstarts. In den vergangenen Jahren verliefen diese nahezu perfekt und ohne Verzögerung, doch das war zum großen Teil der nun abgeschafften MGU-H zu verdanken. Ohne sie wird der Prozess deutlich komplexer.
Die Fahrer müssen ihre Motoren mindestens zehn Sekunden lang hochdrehen, um den Turbolader auf Touren zu bringen. Wird der Zeitpunkt verpasst, kann der Motor in den Anti-Stall-Modus fallen, und Fahrer am Ende des Feldes haben möglicherweise gar nicht genug Zeit, um das nötige Drehzahlniveau zu erreichen.
Stella forderte daher, dass "alle Autos ihre Antriebseinheit startbereit haben müssen, denn die Startaufstellung ist nicht der Ort, an dem man langsame Fahrzeuge haben will". Die Formel 1 reagierte darauf, und am Ende jeder Testsession in der zweiten Bahrain-Woche wurden Systemprüfungen durchgeführt, die auch simulierte Rennstarts mit unterschiedlichen Verfahrensvarianten beinhalteten.
"Straight Mode" beim Start zu gefährlich
Das zweite Problem betraf laut Stella das "Lift and Coast", also das Lupfen des Gaspedals am Ende einer Geraden, um Energie zu sammeln. Dieses Prinzip sorgt für Diskussionen. Max Verstappen bezeichnete es etwa als "Formel E auf Steroiden".
Ein weiteres Problem ist, dass die Autos so stark auf Energieeffizienz ausgelegt sind, dass ihnen die Batterieleistung frühzeitig ausgehen könnte. Es gibt zudem kein DRS-ähnliches System mehr, um beim Überholen zusätzliche Geschwindigkeit zu gewinnen.
Noch verschärft wird dies dadurch, dass die Tests in Bahrain und Barcelona stattfanden, und damit auf Strecken, die sich gut zum Energierückgewinnen eignen. Andere Kurse wie Dschidda oder Melbourne haben dagegen lange Geraden und viele Kurven, aber weniger starke Bremszonen zum Laden der Batterie.
Diese Bedenken wurden alle in der Formel-1-Kommission besprochen. Dabei kam laut Stella auch ein viertes Thema auf: der sogenannte "Straight Mode". Dieses neue System für 2026 verändert, wenn aktiviert, die Ausrichtung der Front- und Heckflügel auf einen geringeren Anstellwinkel. Der Luftwiderstand wird so reduziert.
Stella erklärt: "Das vierte Thema war, ob man vom Start bis zur ersten Kurve den 'Straight Mode' nutzen darf. Insgesamt sind wir zufrieden, dass alle Punkte aufgenommen und diskutiert wurden, und ich denke, die Maßnahmen beim Start sind sehr positiv."
"Ich glaube, dadurch wird jeder in die Lage versetzt, seine Antriebseinheit optimal vorzubereiten, auch wenn es immer noch deutliche Unterschiede bei der Startperformance gibt", so der McLaren-Teamchef.
Überholen: Stella sieht "einige mögliche Lösungen"
Während die Startprobleme also weitgehend gelöst scheinen, bestehen die übrigen Sorgen weiter - vor allem beim Thema "Lift and Coast". Am Freitag wurde jedoch eine mögliche Lösung getestet: die Erhöhung der sogenannten "Superclip"-Leistung von 250 auf 350 Kilowatt.
"Superclipping" bezeichnet dabei den Zustand, wenn die MGU-K bei Vollgas gegen den Motor arbeitet. Stella erklärt: "Beim 'Lift and Coast' müssen wir als Formel-1-Gemeinschaft vorsichtig sein, denn Bahrain zeigt nicht unbedingt, wie groß der Bedarf tatsächlich ist."
"Es ist eine Strecke mit guten Energierückgewinnungszonen, sodass man beim Bremsen genug Energie speichern kann und keine speziellen Manöver braucht, die den Hintermann überraschen könnten", betont er.
"Also haben wir [am Freitag] einen Test durchgeführt, um den 'Superclip' auf 350 Kilowatt zu erhöhen. Das erlaubt es dem Fahrer, diese Energie bei Vollgas zu ernten, ohne das Gas lupfen zu müssen. Wir haben das Thema mit der FIA besprochen. Letztlich liegt es an ihnen, ob das eingeführt wird oder nicht. Der Test war erfolgreich, und wir sind zufrieden."
Zum "Straight Mode" sagt Stella weiter: "Was das Überholen betrifft, sehe ich einige mögliche Lösungen. Wahrscheinlich liegt das aber noch etwas in der Zukunft. Die FIA wird sich die ersten Rennen ansehen und dann entscheiden. Wir bei McLaren haben schon gesagt, dass die Voraussetzungen gegeben sind, um bald Maßnahmen zu ergreifen."
"Aber wir folgen der Führung der FIA, und es scheint eine allgemeine Einigung zu geben, den 'Straight Mode' vom Start bis zur ersten Kurve nicht zu verwenden. Auch wenn das noch formal bestätigt werden muss, herrscht im Fahrerlager weitgehend Konsens."

















