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Lando Norris' bittere Realität Lando Norris muss der Realität ins Auge sehen
LAT Images

Lando Norris' bittere Realität: Verliert McLaren den Anschluss?

Lando Norris ist nach dem Wochenende in Austin ernüchtert: Red Bull hat in der Konstrukteurs-WM gleichgezogen und McLaren auf Rang vier verdrängt

Lando Norris musste sich beim Formel-1-Rennen in Austin mit Platz fünf begnügen. Für den offiziell entthronten Weltmeister ist das Ergebnis mehr als nur eine verpasste Podiumschance: McLaren fehlt inzwischen die Pace, um regelmäßig ganz vorne mitzufahren. Dass sein Team mittlerweile nur noch die Nummer vier im Feld sei, bezeichnet er nach dem Rennen als "ziemlich offensichtlich".

Auf dem Circuit of The Americas musste sich der Brite Kimi Antonelli, Charles Leclerc, Max Verstappen und Lewis Hamilton geschlagen geben. Teamkollege Oscar Piastri kam zwei Positionen dahinter als Siebter ins Ziel.

Damit verlor McLaren im Kampf um Platz drei der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft weiter an Boden: Der Vorsprung auf Red Bull, mit dem das Team nach Austin gereist war, ist nach dem Rennen aufgebraucht. Beide Rennställe liegen fünf Rennwochenenden vor Schluss punktgleich.

Dabei hatte McLaren zuletzt mit Updates versucht, den Rückstand auf die Spitze zu verkürzen. Dass die neuen Teile grundsätzlich funktionieren, stellt Norris nicht infrage. Das Problem liegt für ihn vielmehr darin, dass die Konkurrenz ebenfalls nachlegt - und McLaren ausgerechnet in einem entscheidenden Bereich nicht vorankommt.

"Man hofft einfach, dass man etwas ans Auto schraubt, das magisch wirkt, einen viel schneller macht und einen plötzlich wieder um Podestplätze kämpfen lässt", erklärt Norris. "Die Dinge funktionieren zwar alle so, wie sie sollen, aber alle Teams liefern eben ab."

"Ferrari hat Upgrades gebracht und auch alle anderen Teams bringen nach wie vor Updates. Bei uns greift es nur vermutlich nicht an all den Stellen, an denen wir es am dringendsten bräuchten."

Besonders in langsamen Kurven fehlt dem MCL60 nach Norris' Einschätzung die nötige Performance. "Wir sind einfach meilenweit von dem Niveau entfernt, auf dem wir sein müssten. Wir brauchen viel mehr Grip an der Hinterachse und mehr Performance in langsamen Passagen. Das ist schon seit langer Zeit unser Problem. Es scheint sehr schwer zu sein, das in den Griff zu bekommen."

Auf die Frage, ob McLaren damit inzwischen nur noch das viertschnellste Auto im Feld habe, muss Norris nicht lange überlegen: "Ja, ich denke, das ist ziemlich offensichtlich."

Einstopp-Strategie als Chance auf das Podium

Weil McLaren aus eigener Kraft nicht mit den schnellsten Autos mithalten konnte, setzte das Team im Rennen auf eine Einstopp-Strategie. Die Hoffnung: Ein virtuelles Safety-Car oder eine Safety-Car-Phase könnte die Reihenfolge durcheinanderwirbeln und Norris doch noch in den Kampf um ein Spitzenresultat bringen.

"Von der reinen Pace her waren wir einfach nicht da, also mussten wir es versuchen", erklärt der Brite. "Wenn es ein VSC oder ein Safety-Car gegeben hätte, wären wir voll im Rennen um ein gutes Podium gewesen - über weite Strecken sogar um Platz zwei."

Der erhoffte Neutralisationsmoment blieb allerdings aus. Stattdessen musste Norris seine harten Reifen bis zum Ende des Rennens nutzen. Dass er damit zunächst sogar Verstappen hinter sich halten konnte, änderte nichts an der Ausgangslage: Der Red-Bull-Pilot war auf einer Zweistopp-Strategie unterwegs und hatte damit einen deutlichen Reifenvorteil.

"Sobald er im Overtake-Modus war und ich den Boost-Modus nutzen musste, um mich zu verteidigen, war es unvermeidlich, dass er ziemlich leicht vorbeikommen würde", sagt Norris. "Das hat er dann getan, und sobald ich mit den alten Reifen in den Verkehr gerate, ist es im Grunde gelaufen - dann haben es auch alle anderen leicht."

Trotz des verpassten Podiums wollte Norris seine eigene Leistung nicht kleinreden. "Ich habe das Gefühl, dass es heute ein gutes Rennen war. Ich finde, die Pace war stark. Ich habe das Gefühl, dass ich alles aus dem Auto herausgeholt habe, also muss ich zufrieden sein, auch wenn sich ein fünfter Platz nicht gerade umwerfend anhört."

Teamchef Andrea Stella sieht die Entscheidung für den langen Stint ebenfalls als vertretbaren Versuch. Ausgehend von der Startposition habe McLaren zu Beginn nicht viele strategische Möglichkeiten gehabt. Das Team sei zunächst an den anderen Autos drangeblieben und habe dann beobachtet, dass die Konkurrenz auf den weicheren Reifen zu kämpfen begann.

"Wir haben gesehen, dass die Performance gut war, und versuchten, den harten Reifen zu nutzen, der im Training konkurrenzfähig schien", erklärt Stella. Als sich zeigte, dass McLaren im zweiten Stint gegenüber Ferrari und Verstappen tatsächlich Boden gutmachen konnte, entschied sich das Team schließlich für den einen Stopp.

Bei zwei Stopps, so Stella, wäre McLaren ohnehin hinter den Konkurrenten geblieben. Die Einstopp-Strategie bot zumindest die Möglichkeit, von einem Safety-Car zu profitieren. "Das allerdings nicht kam", räumt der Teamchef ein. Dass die Chancen gering waren, Verstappen und insbesondere Leclerc bis ins Ziel hinter sich zu halten, sei dem Team bewusst gewesen. Dennoch sei der Versuch gerechtfertigt gewesen.

Stella zieht deshalb ein gemischtes Fazit: McLaren habe die Reifenwahl verstanden und mit den Updates offenbar Fortschritte gemacht. Für den nächsten Schritt müsse sich allerdings die Qualifying-Performance verbessern. Außerdem brauche es weitere Fortschritte am Auto, um wieder regelmäßig um Podestplätze und vor allem Siege kämpfen zu können.

McLaren tauscht die Positionen: Stella erklärt den Plan

Nicht nur die Strategie sorgte während des Rennens für Gesprächsstoff. McLaren ließ seine beiden Fahrer im ersten Stint die Positionen tauschen, nachdem Norris hinter Piastri festhing. Der Brite machte anschließend deutlich, dass er sich über das gesamte Wochenende hinweg deutlich schneller gefühlt habe als sein Teamkollege. Für ihn sei der Platztausch deshalb "einfach die einzig logische Entscheidung" gewesen.

Stella bestätigt, dass Norris an diesem Wochenende die bessere Pace gezeigt habe. Gleichzeitig verweist er auf die unterschiedlichen Stärken der beiden Fahrer und darauf, wie anspruchsvoll die Bedingungen in Austin für Piastri gewesen seien.

"Das ist eine Strecke, die Lando extrem liegt, und umgekehrt eine der Strecken, auf denen Oscar sich etwas schwerer tut", erklärt der Teamchef. Piastris Stärke bestehe darin, sich kontinuierlich an eine Strecke anzupassen und Runde für Runde schneller zu werden. In Austin seien die Bedingungen jedoch besonders wechselhaft gewesen.

"Hier ist jede Runde anders. Das sind also Bedingungen, die Oscar fordern - und genau die Bedingungen, bei denen Lando seine eigene große Stärke ausspielt: nämlich sich extrem schnell an wechselnde Bedingungen anzupassen, besonders wenn das Auto rutscht."

Die Möglichkeit eines Platztauschs war nach Stellas Darstellung bereits vor dem Rennen besprochen worden. Sollte Norris hinter Piastri liegen und dieser das Tempo der vorausfahrenden Autos nicht mitgehen können, sollte Norris die Gelegenheit erhalten, selbst einen Angriff zu versuchen. Genau dieses Szenario sei eingetreten.

Für Stella ist die Entscheidung ein Beleg dafür, dass McLaren die Interessen des Teams über den internen Wettbewerb stellt. Nach dem Rennen in Singapur habe man noch einmal betont, dass beide Fahrer gemeinsam dazu beitragen müssten, McLaren wieder an die Spitze zu bringen. Erst wenn das Team wieder regelmäßig um Siege kämpfe, könne der interne Wettbewerb in den Vordergrund rücken.

Konstrukteurs-WM: Red Bull zieht mit McLaren gleich

Dass die strategischen Entscheidungen in Austin nicht zu einem besseren Ergebnis führten, ist für McLaren auch mit Blick auf die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft bitter. Mit sieben Punkten Vorsprung auf Red Bull war das Team nach Texas gereist. Nach dem Rennen stehen beide Rennställe gleichauf.

Die fehlende Pace ist damit nicht mehr nur ein Problem im Kampf um Podestplätze. Sie wirkt sich unmittelbar auf McLarens Position im Kräfteverhältnis der Teams aus. Während Norris die Schwächen in langsamen Kurven seit längerer Zeit bemängelt, sieht Stella sowohl bei der Qualifying-Performance als auch bei der Weiterentwicklung des Autos Handlungsbedarf.

Die Updates funktionieren zwar, doch sie reichen bislang nicht aus, um den Rückstand entscheidend zu verkleinern. Und während McLaren auf den nächsten Leistungsschritt wartet, hat Red Bull im Titelkampf um Platz drei wieder aufgeschlossen. Fünf Rennwochenenden bleiben, um darauf eine Antwort zu finden.

Motorsport-Total.com

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