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Nach Fahrer-Kritik Die FIA schließt Anpassungen am Formel-1-Reglement nicht aus
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Nach Fahrer-Kritik: FIA ist offen für "Anpassungen" der Formel-1-Regeln

Der Weltverband FIA hat die Formel-1-Fahrer um Feedback gebeten und zeigt sich offen für Anpassungen: Dennoch sei "neunzig Prozent" der Arbeit bereits gut erledigt

Die Reaktionen der Formel-1-Fahrer nach den ersten Testfahrten in Barcelona und Bahrain fallen gemischt aus: Während sich Lando Norris und George Russell positiv äußern, kommt von Max Verstappen, Fernando Alonso und Lewis Hamilton deutliche Kritik am neuen Reglement und an den veränderten Autos.

Ähnlich wie die Formel 1 selbst warnt allerdings auch der Automobil-Weltverband FIA vor einer "Überreaktion" vor Saisonbeginn. Laut FIA-Formelsport-Direktor Nikolas Tombazis sind die neuen Regeln größtenteils stimmig, dennoch zeigt sich der Grieche offen dafür, die Beschwerden ernst zu nehmen.

"Die Autos sind neu", sagt der Verantwortliche der FIA. "Im vergangenen Sommer und Herbst haben viele Leute die Simulatoren gefahren und enorme Bedenken geäußert. Ich denke, die Kommentare in Barcelona und Bahrain sind sicherlich viel besser als das, was die Leute im Simulator gesagt haben."

"Aber es gibt immer noch einige Kommentare, wie Max sie geäußert hat", gibt Tombazis zu und betont: "Wir sind uns vollkommen bewusst, dass wir möglicherweise Anpassungen vornehmen müssen. Darüber haben wir schon lange offen mit den Teams und den Motorenherstellern diskutiert. Und natürlich auch mit den Fahrern."

FIA stellt Änderungen bei Energienutzung in Aussicht

"Ich denke, es gibt Wege, wie wir als Sport die Regeln anpassen können." Die naheliegende Anschlussfrage lautet, welche konkreten Stellschrauben intern diskutiert werden: "Nun, möglicherweise bei einigen Regeln zur Energienutzung", antwortet der FIA-Verantwortliche.

Obwohl der Weltverband zunächst die ersten Rennen der neuen Saison abwarten will, bevor konkrete Vorschläge formuliert werden, gilt im Fahrerlager als wahrscheinlich, dass der Schwerpunkt auf der Energierückgewinnung liegen wird. Die FIA ??könnte den Fahrern beispielsweise erlauben, mehr Energie pro Runde zurückzugewinnen.

Das würde bedeuten, dass mehr Energie zur Verfügung stünde und die Fahrer auf den Geraden weniger "energiearm" wären, wie es Verstappen beschrieben hatte. Gleichzeitig wäre in Kurven und beim Herunterschalten ein stärkeres Energiemanagement erforderlich, um die zusätzliche Energie zurückzugewinnen.

Laut FIA beziehen sich diese Aspekte primär auf die Software und die Funktionsweise der Antriebseinheit und haben daher keine wesentlichen Auswirkungen auf die Hardware: "Es müsste kein System geändert werden. Es ginge eher darum, wie man sein System betreibt."

"Ein Antriebstechniker würde natürlich sagen: 'Das verändert den Arbeitszyklus etwas. Hätte ich das gewusst, hätte ich es vielleicht etwas anders gemacht' oder Ähnliches", so Tombazis. "Das stimmt, aber grundsätzlich arbeiten die Autos mit unterschiedlichem Stromverbrauch, und die Art der Energieverteilung kann einige dieser Probleme beeinflussen."

Reglement "zu neunzig Prozent" zufriedenstellend

"Wir denken, dass wir uns derzeit nicht in einer schlechten Ausgangslage befinden. Aber wenn nach diesen Kommentaren Anpassungen nötig sind, werden wir sie als Sport gemeinsam besprechen und das Notwendige tun." Ergänzend betont Tombazis, dass das Gesamtbild bereits "zu neunzig Prozent" zufriedenstellend sei.

"Wenn man die Kommentare aus November oder Oktober oder dem letzten Sommer nimmt, denke ich, dass wir jetzt viel, viel besser dastehen. Wir haben viele der Bedenken adressiert. Haben wir jedes einzelne Bedenken gelöst? Nein. Es gibt noch einige Themen, die offen sind", antwortet Tombazis auf die Frage von Motorsport.com, ob die aktuelle Lage besorgniserregender sei als erwartet.

"Natürlich ist es sehr leicht zu sagen: Ja, wenn der Verbrennungsmotor viel größer und das ERS viel kleiner wäre, gäbe es weniger dieser Probleme. Und das stimmt. Wir wussten schon seit 2022, dass die 50:50-Leistungsaufteilung Herausforderungen mit sich bringt. Das ist nichts Neues oder Überraschendes."

"Wir haben eine enorme Menge Arbeit in die Frage gesteckt, wie diese Energie eingesetzt wird. Und ich denke, wir haben meiner Ansicht nach 90 Prozent der Arbeit erledigt, um an einen vernünftigen Punkt zu kommen. Es mag noch Anpassungen geben, während wir die Autos besser kennenlernen, und wir sind vollständig offen dafür."

Wie schnell kann die FIA reagieren, wenn nötig?

Abschließend stellt sich die Frage, wie schnell die FIA mögliche Anpassungen umsetzen könnte. "Wir lernen, während wir voranschreiten", sagt Tombazis. "Der erste echte Test wird das erste Rennen sein, denn hier fahren sie noch nicht wirklich gegeneinander."

"Diese Änderungen benötigen etwas Diskussion. Es kann ein paar Wochen Diskussion geben, und wir müssen auch den Governance-Prozess durchlaufen. Es ist unwahrscheinlich, dass es etwas zwischen Australien und China sein wird. Aber es wird auch nicht Monate dauern."

Die FIA will zumindest die ersten Rennen abwarten, um ein belastbares Bild zu erhalten. Gleichzeitig mahnt Tombazis, aus dem Saisonauftakt in Melbourne keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen. "Wir werden die Entscheidung zum Wohl des Sports treffen. Dies ist ein Marathon, kein Sprint."

"Ich hoffe definitiv, dass Australien spannend wird. Aber Australien ist nicht die Regel. Wir haben fünf Jahre Zeit, und wir haben sehr klare Werkzeuge, wie wir vorgehen können. Wir werden sehen, wo wir stehen, offen und transparent diskutieren und unser Bestes geben."

Motorsport-Total.com

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