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Kündigungswelle, Umzug und Vereins-Ende: DTM-Boss Berger im Interview Schwierige DTM-Zeiten: Berger trennt sich von rund einem Drittel des Personals
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Kündigungswelle, Umzug und Vereins-Ende: DTM-Boss Berger im Interview

Große Änderungen hinter den DTM-Kulissen: Die ITR verliert mit rund einem Drittel des Personals Geschäftsführer und Technikchef - Gerhard Berger bezieht Stellung

Radikaler Umbruch bei der DTM-Dachorganisation ITR: Geschäftsführer Marcel Mohaupt, der davor beim Fußball-Weltverband FIFA und bei der ProSiebenSat.1-Gruppe tätig war, verlässt Ende Dezember nach nur einem Jahr im Amt die Traditionsserie. Zudem verliert die DTM ihren Technikchef: Gordian von Schöning, der erst Anfang 2019 an Bord kam, wird Anfang November zu HWA zurückkehren und dort als Nachfolger von Hubert Hügle die Leitung der Fahrzeugentwicklung übernehmen.

Die beiden Personalien sind Teil einer größeren Kündigungswelle: Rund zehn Personen verlassen die von DTM-Boss Gerhard Berger geleitete DTM-Dachfirma, die insgesamt ungefähr 25 Mitarbeiter umfasst. Außerdem ist es geplant, dass der Firmensitz von Stuttgart nach München verlegt wird und die Vereinsstruktur verschwindet.

Aus diesem Grund hat 'Motorsport-Total.com' DTM-Boss Berger gebeten, in einem Interview zu den Änderungen hinter den Kulissen und der enormen Personalfluktuation in seiner Ära Stellung zu nehmen. Denn der 61-Jährige ist nach dem Herstellerausstieg mit seiner Liechtensteiner Firma BMS (Berger Motorsport AG) alleiniger Besitzer des ITR e.V. (eingetragener Verein) und deren 100-Prozent-Tochter ITR GmbH.

Frage: "Herr Berger, der Abgang von rund zehn Mitarbeitern, die teilweise selbst gekündigt haben und teilweise gekündigt wurden, steht fest. Damit verliert die ITR mehr als ein Drittel des Personals. Was ist der Hintergrund?"
Gerhard Berger: "Angesichts der coronabedingten wirtschaftlichen Herausforderungen sind wir bei der Übernahme jetzt gefordert, uns möglichst schlank aufzustellen, um möglichst effizient ins nächste Jahr zu starten. Denn wir wissen alle nicht, wie sich die Situation mit der Pandemie weiterentwickelt. Daher müssen wir leider personelle Maßnahmen ergreifen und uns von rund einem Drittel der bestehenden ITR-Mannschaft trennen."

"Der Prozess ist weitgehend abgeschlossen, die Mannschaft für die Zukunft jetzt gesetzt. Von einem kleinen Teil der Mitarbeiter mussten wir uns trennen, andere haben uns auf eigenen Wunsch verlassen - einige davon auch aus privaten Gründen, da wir planen, den ITR-Firmensitz nach München zu verlegen."

Frage: "Was spricht für den Umzug nach München?"
Berger: "Das hat vor allem strategische Gründe, weil wir uns auf Vermarktungs- und Medienseite künftig noch besser aufstellen werden und vorhandene Synergien besser nutzen müssen. München ist ein idealer Standort, der eine noch bessere Vernetzung mit unseren bisherigen Partnern, wie beispielsweise Sat.1 oder Agenturen, ermöglicht. Darüber hinaus sind einige unserer Mitarbeiter bereits in München zuhause."

Frage: "Wieso steht der Abgang von Geschäftsführer Marcel Mohaupt nach nicht einmal einem Jahr im Amt fest?"
Berger: "Marcel hat mit seiner medienübergreifenden Vermarktungserfahrung besonders das Marketing, den Vertrieb und die digitale Transformation der DTM weiter ausgebaut. Er hat uns das Angebot gemacht, der ITR in den Bereichen TV und Vermarktung weiterhin beratend zur Verfügung stehen."

"Dieses Angebot haben wir gerne angenommen, da er uns mit seiner Expertise bei wichtigen Themen weiter unterstützen kann. Auch aus Kostengründen kommt uns das entgegen, da wir in dem Bereich künftig sehr stark auf die Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern und Agenturen setzen."

Frage: "Mit Benedikt Böhme soll Mohaupt mit einem Mann aus den eigenen Reihen nachbesetzt werden. Wieso halten Sie ihn für den richtigen Mann?"
Berger: "Benedikt Böhme ist mein Wunschkandidat. Aber wir werden uns bis Ende des Jahres Zeit lassen, um zu sehen, ob es für alle Parteien die richtige Entscheidung ist. Ich würde mich freuen, wenn Benedikt in die Rolle hineinwächst, denn er bringt nicht nur die Kompetenz, sondern auch das richtige Mindset mit. Generell sehe ich es sehr gerne, wenn es der Nachwuchs aus den eigenen Reihen an die Spitze schafft."

Frage: "Soll er alleiniger Geschäftsführer werden oder ist eine Doppelspitze geplant?"
Berger: "Im Motorsport-Geschäft gibt es für einen Geschäftsführer unglaubliche vielseitige Themen zu bewältigen. Mit einem bestimmten Ausbildungsprofil kann man immer nur einen Teil davon abdecken. Man ist als Führungspersönlichkeit gefordert, muss auf der anderen Seite aber die sportliche und technische Seite beherrschen und in der Branche akzeptiert sein."

"Das erfordert technisches Verständnis, aber auch einen Überblick über alle wichtigen Themen im Tagesgeschäft und der digitalen Medienwelt. Daher möchte ich nicht ausschließen, dass eine Doppelspitze eine gute Lösung sein könnte."

Frage: "Auch Technikchef Gordian von Schöning war weniger als zwei Jahre an Bord und geht zu HWA. Verliert man dadurch nicht viel internes Know-how, das durch den Umbruch beim Reglement wichtig sein könnte?"
Berger: "Gordian ist einer der wenigen, der uns auf eigenen Wunsch verlässt, weil er ein sehr attraktives Angebot von HWA bekommen hat. Da der hohe Entwicklungsaufwand, den das bisherige Class-1-Reglement mit sich brachte, künftig mit dem neuen Reglement, das von der FIA bereits ausgearbeitet und im Einsatz ist, nicht mehr im gleichen Maße erforderlich sein wird, war eine Verschlankung des Technikbereiches ohnehin sinnvoll."

"Wir haben dort mit zwei leistungsstarken Mitarbeitern einen sehr guten Unterbau und seit fast einem Jahr einen Leiter Technik, der die Themen von Gordian mit aufnehmen und verteilen kann und zusätzlich viel notwendiges Know-how für die künftige Ausrichtung - vor allem für das Elektroprojekt - ins Haus bringt. Insofern war die Entscheidung für beide Seiten die beste Lösung."

Frage: "In den vergangenen Jahren gab es eine enorme Mitarbeiterfluktuation. Aus der Ära von Vorgänger Hans-Werner Aufrecht ist nur noch ein Mitarbeiter (Joachim Franz, Senior Manager Operations Event) an Bord. Dafür steht in der vierjährigen Ära Gerhard Berger nun der vierte Geschäftsführerwechsel bevor. Zudem sind über zehn Leute des aktuellen Personals erst nach 2019 zur ITR gestoßen. Was ist der Grund für diese Fluktuation?"
Berger: "Es war von Anfang an mein klares Ziel, die DTM in einigen Themen zu verändern. Veränderungen bringen immer auch mit sich, dass es Mitarbeiter gibt, die einer neuen Zeit nicht unbedingt positiv gegenüberstehen."

"Daher war es eine Mischung aus bewussten unternehmerischen Entscheidungen, aber auch Entscheidungen von Mitarbeitern, die sich nicht mehr in ihrem gewohnten Umfeld wiedergefunden haben. Aber man kann sich auch vorstellen, dass der wirtschaftliche Druck, die Geschwindigkeit in der Branche und die Unsicherheit nach dem Audi-Ausstieg dazu geführt haben, dass sich der ein oder andere neu orientiert hat."

"Joachim Franz ist einer, der mit allen Änderungen gut zurechtgekommen ist. Ich freue mich auch sehr, dass er weiterhin an Bord ist, denn ich schätze ihn sehr. Was die Geschäftsführer betrifft, waren es genau genommen zwei Personalien, die ich selbst besetzt habe: Achim und Marcel, die beide ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der DTM geleistet haben."

Frage: "Uns wird berichtet, dass zumindest einige dieser Mitarbeiter die ITR auch wegen atmosphärischen Spannungen verlassen. Wie ist Ihre Wahrnehmung dazu?"
Berger: "Das kann ich bestätigen. Die Spannungen waren aber in erster Linie auf einen Generationenkonflikt zurückzuführen. Ein Thema, dem sich fast alle Unternehmen stellen müssen, wenn junge, gut ausgebildete Nachwuchskräfte auf langjährige Mitarbeiter treffen."

Frage: "Wieso wird die Vereinsstruktur aufgelöst?"
Berger: "Die Vereinsstruktur wird wahrscheinlich aufgelöst, weil sie durch den Ausstieg von Audi und BMW nicht mehr unbedingt Sinn macht. Wir müssen die Kosten und Strukturen jetzt verschlanken. Wenn wir das über die GmbH einfacher und besser schaffen, spricht nichts mehr für eine Vereinsstruktur."

Frage: "Spielt es eine Rolle, dass eine Kapitalgesellschaft für mögliche Investoren besser geeignet ist?"
Berger: "Sollten wir den Verein auflösen, wird sich nichts verändern, da das operative Geschäft seit langer Zeit in der ITR GmbH abgewickelt wird. Das wird auch künftig so sein."

Motorsport-Total.com

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