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Porsche Cayenne S E-Hybrid - im Test

Spannend

Der Porsche Cayenne S E-Hybrid beschleunigt in 5,9 Sekunden auf 100 km/h und soll sich mit 3,4 Litern Sprit begnügen. Wir machen den Realitäts-Check.

Georg Koman

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Porsche spielt virtuos auf der Hybrid-Geige. Als eine renditestarke Perle der Vokswagen AG, die so viel Geld für Forschung und Entwicklung ausgibt wie kein anderer Konzern der Welt, ist man diesbezüglich in der denkbar günstigsten Position.

Auch besitzt Porsche eine Hybrid-Tradition wie kaum jemand sonst: Ferdinand Porsche entwickelte bereits 1902 ein Hybridmodell namens "Mixte" mit E-Motoren in den Radnaben und einem Verbrennungsmotor (von Daimler!) als Generator.

Aktuell widmete man sich zunächst den Mild-Hybriden sowie einem Hochleistungs-Hybridantrieb im Porsche 918 Spyder (hier ging es nicht ums Sprit-Sparen, sondern um zusätzliches Drehmoment), nun setzt man bevorzugt auf Plug-in-Hybride.

Ein solcher sitzt im neuen Porsche Cayenne S E-Hybrid. Die Gesamtleistung beträgt 416 PS, 333 davon kommen vom Dreiliter-V6-Benziner mit Kompressor-Aufladung, 95 PS von der Elektromaschine.

Kühle Rechner kommen jetzt auf 428 PS, was grundsätzlich korrekt ist, allerdings geben Verbrennungs- und E-Motor ihre Spitzenleistung nicht gleichzeitig ab. Der Stromer soll nämlich in erster Linie sein sattes Drehmoment von 310 Nm zur Beschleunigung und zur Entlastung des Benziners beisteuern.

Klarerweise kann er's auch allein: Dank einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von fast 11 Kilowattstunden und externer Lademöglichkeit sind theoretisch 18 bis 36 Kilometer Stromfahrt drin, die maximale Elektro-Geschwindigkeit beträgt 125 km/h.

Geladen wird an der Haushaltssteckdose in vier Stunden, mit Starkstrom geht es in der halben Zeit. Eine Ladung über Nacht sollte sich daher auch für schlaflose Typen ausgehen.

Kräftiger Gebrauch des Gaspedals kann süchtig machen: Der 2,4 Tonnen schwere E-Hybrid beschleunigt in 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Und das mit einer Mühelosigkeit, wie es nur Autos schaffen, bei denen 580 Nm Gesamt-Drehmoment bei 1.250 Touren auf alle vier Räder wirken. Beeindruckend souverän.

Ein ausgeklügeles Management sorgt dafür, dass die Batterie nie ganz leer wird - eine Beschleunigungsattacke ohne Strom wäre auch eine vergleichsweise Enttäuschung -, zwischendurch wird kräftig rekuperiert, und man kann den Batteriestrom auch aufsparen. Etwa, wenn man spätabends nach Hause kommt und die deshallb mutmaßlich übellaunige Dame des Hauses nicht wecken will.

Vergisst man einmal aufs Laden, kann das auch der Motor übernehmen, zum Preis eines deutlich höheren Verbrauchs, allerdings in erstaunlich kurzer Zeit. Apropos Verbrauch: hier gibt Porsche sensationelle 3,4 Liter pro 100 Kilometer an.

Was allerdings nur auf den ersten 100 Kilometern gilt, und auch nur mit voller Batterie, bei milden Außentemperaturen, spaßbefreiter Fahrweise und so weiter. Mit anderen Worten: nicht auf dieser Welt.

Im Test kamen wir rein elektrisch bei idealen Außentemperaturen um die 20 Grad rund 20 Kilometer weit. Der Verbrauch lag im Testschnitt bei 7,8 Litern. Viel mehr als der Normwert, aber viel weniger als 4,85 Meter lange Benziner-SUV für gewöhnlich inhalieren. Dieselmotoren können das allerdings auch ohne Hybrid-Technik.

Abgesehen von seinem extravaganten Antrieb ist der E-Hybrid ein ganz normaler Cayenne (falls ein Cayenne denn normal ist). Auch er profitiert vom Facelift mit Adaptionen an Front & Heck und verschiebbarer Fondbank, bietet ein Ladevolumen von 580-1.690 Litern und kann mit Extras vollgestopft werden, bis die Geldbörse quietscht.

Preislich geht der E-Hybrid in Österreich fast als Schnäppchen durch, jedenfalls im Vergleich zu anderen Cayennes. Dank des hybrid-üblichen NoVA-Entfalls ist man mit 85.410 Euro dabei, der lediglich vier PS stärkere Cayenne S kostet dagegen 102.508 Euro.

Plus
+ hervorragendes Zusammenspiel von Benzin- und Elektromotor
+ enormes Drehmoment in allen Lebenslagen
+ feine Achtgang-Wandlerautomatik
+ unglaublich lange Extraliste
+ Preis im Cayenne-Vergleich niedrig

Minus
- viel technischer Wind um Verbräuche à la Diesel
- Preis absolut gesehen hoch

Resümee
Mit dem Cayenne S E-Hybrid liefert Porsche eine feine Technik-Fingerübung ab. Der Schub macht süchtig, der Verbrauch liegt im Dieselbereich. Wer keine Selbstzünder mag, fährt mit dem E-Hybrid eine politisch korrekte Alternative - und spart dank NoVA-Entfall viel Geld.

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