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Toyota C-HR 1,2T 2WD C-HIC – im Test Toyota C-HR 2017

Darth Vaderchen

Der Name C-HR ist kantig wie das Design. Das kleine SUV-Coupé von Toyota ist aber nicht so böse, wie es aussieht. Wir testen den 116-PS-Benziner.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Der Markt der kleinen SUV wächst und auch Toyota möchte mit dem C-HR dabei sein. C – was? Je nach Quelle abgekürzt für Compact High Rider oder Coupe High Rider oder Cross-Hatch Runabout stellen die Japaner aus Toyota-City – die Stadt heißt seit 1959 wirklich so – ein unverwechselbares Fahrzeug auf die Räder.

Konzernboss Akio Toyoda – Enkel des Automobilkonzern-Gründers und ja, auch der heißt wirklich so – versprach seinen Kunden das Ende von langweiligem Design und ließ seinem Entwicklungsteam freie Hand. Wie man sieht, wurde dieser Freibrief sofort genutzt, um ein fesches, auffälliges und polarisierendes Auto zu kreieren.

Die mutige Gestaltung zieht sich bis in den Innenraum, der sich ungewöhnlich detailverliebt präsentiert. So fallen gleich die Innenverkleidungen der Türen durch ihren von Diamanten beeinflussten Wabencharakter auf. Außen wie Innen gibt es unzählige Sicken, Kanten und scheinbar aufgesetzte Elemente. Die Zukunft wird weisen, ob wir uns schnell an ihnen sattsehen oder die augenblickliche Spannung erhalten bleibt.

Das Lenkrad greift sich gut an, die Materialien wirken generell hochwertig, nur das Armaturenbrett fällt bei genauem Hinsehen wegen den aus dem Kunststoff mitgeprägten Nähten ein bisschen aus der Reihe. Die Sitze bieten anständigen Seitenhalt und sind auch nach längerer Fahrt angenehm, die Schenkelauflagen könnten aber länger sein.

Obwohl das 4,35 Meter lange SUV-Coupe eine Heckklappe hat, gibt es eine feste Hutablage für Kappen, Spielzeug oder was auch immer. Der Kofferraum ist mit 377 bis 1.160 Liter klassenkonform, hat eine hohe Ladekante und bei umgeklappten Sitzen keine ebene Ladefläche.

Das mutige Coupé-Design hat nicht nur Vorteile: Während man vorne bequem sitzt, fehlt es hinten an Bein- und Kopffreiheit. Die Sicht nach schräg hinten ist aufgrund der extrem breiten C-Säulen fast nicht vorhanden.

Ohne die in unserer Ausstattung C-HIC enthaltene Rückfahrkamera wäre das Retourschieben schwierig. Da die Heck-Cam aber über eine starke Weitwinkeloptik verfügt, lässt es sich ganz gut aus schrägen Parklücken reversieren.

Wer komplett auf Nummer sicher gehen will, bestellt das "Driver Assistant Pack" um 700 Euro dazu. Das enthält einen Rückfahr-Assistenten, der beim Rückwärts-Ausparken akustisch vor Querverkehr warnt. Zudem Parksensoren, Toten-Winkel-Warner sowie Spurwechsel-und Einpark-Assistenten.

Beim Wegfahren braucht der turbo-geladene 1,2-Liter-Benziner viel Gas, obwohl seine 185 Nm Drehmoment bereits bei 1.500 Touren anstehen. 116 PS sind kein Raketenantrieb, 10,9 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h immerhin ein annehmbarer Wert. Den kombinierten Verbrauch gibt Toyota mit 6,0 Liter Benzin auf 100 km an. Im teilweise eiligen Testleben kamen wir auf 7,6 Liter Benzin.

Der CH-R mit 1,2-Liter-Motor ist im Gegensatz zur Hybrid-Version (zum Test geht's nach Klick auf diesen Link) auch mit Allradantrieb erhältlich. Der kostet allerdings Temperament, Sprit und satte 4.000 Euro Aufpreis - weil nur in Verbindung mit Stufenlos-Automatik MDS erhältlich.

Das Fahrwerk verdient durchwegs Lob: Es lässt sich auf schlechten Landstraßen nicht aus der Ruhe bringen und vermittelt in schnellen Autobahnkurven ein sicheres Gefühl. Die Federung steckt viele Unebenheiten weg – nicht zu hart, aber effektiv. Auf Grund der direkten Lenkung lässt sich der C-HR durchaus sportlich und spaßig fahren. Trotzdem hier unser Wunsch an die Entwickler im fernen Japan oder ans Christkind: bitte einen stärkeren Motor einbauen!

In den Welten der Menüs des mittigen Screens finden wir eine G-Monitor-Grafik zur Fliehkraft-Messung (Bild rechts). Die einen werden versuchen, den roten Punkt möglichst weit hinaus zu katapultieren, um Spaß zu haben. Die anderen werden versuchen, innerhalb des ersten Rings zu bleiben, um sich möglichst ökonomisch fortzubewegen. Beides eine Challenge für verspielte Naturen – je nach Charakter und Tagesverfassung.

Die Mode des radikalen Tastenreduzierens und Umstellens auf Touchscreen hat auch den Toyota C-HR erreicht. Das ist in der Bedienung zumeist ein bisserl mühsamer, zumal die Menüführung nicht immer logisch ist. Audio-Stationstasten wurden ebenso wegrationalisiert wie der Lautstärke-Drehregler. Stattdessen gibt es einen Lautstärken-Wippen-Drücker am Lenkrad oder eben das Tatsch-Display.

Ablagefächer sind Mangelware, in den hinteren Türen gibt es dafür Flaschenhalter mit einem Warnhinweis - wohl für schlaue Amerikaner: nur Flaschen, keine offenen Becher reinstellen. Außerdem ist die äußere hintere Türschnalle so weit oben platziert, dass kleine Prinzessinen herangezüchtet werden: „Papa, Türe auf!“

Positiv ist die serienmäßige Ausstattung, die Toyota dem C-HR mit auf die Straße gibt. Adaptiver Tempomat, Fernlicht-Automatik, Pre-Collison-System, Spurwechselwarner und Multifunktions-Lenkrad sind bereits in der Basisausstattung C-ITY um 22.200 Euro enthalten.

Im getesteten Modell C-HIC 1,2T 2WD um 26.600 Euro sind dann auch noch 18-Zoll-Alus, schlüsselfreies Zugangs- und Startsystem, Teilleder mit Applikatonen, Parksensoren, Rückfahrkamera, Regensensor, Lordosenstütze und vieles mehr verbaut. Die weitere Aufpreisliste ist angenehm überschaubar und führt in unserem Fall mit LED-Scheinwerfern, Navigationssystem etc. zu einem Testwagenpreis von 29.954 Euro.

Plus
+ spannendes Design, das sich auch innen fortsetzt
+ sehr gute Ausstattung, vor allem in der Top-Variante C-HIC
+ gutes Fahrwerk
+ vernünftiger Verbrauch
+ fairer Kaufpreis

Minus
- hintere Türschnalle außen zu hoch und damit familienunfreundlich
- Spracheingabe ist ausbaufähig: „Klagenfurt“ wollte vom System nicht verstanden werden
- auf den Micky-Maus-Hupton reagieren die wenigsten

Resümee
Wem die Motorleistung weniger wichtig ist als forsches und auffallendes Aussehen des automobilen Untersatzes, für den ist der Toyota C-HR die richtige Wahl. Design und Ausstattung des SUV-Coupes sind optisch und haptisch ansprechend. Der Preis weitab des Basismodells ist wegen der umfangreichen Ausstattung absolut gerechtfertigt.

Weitere Testdetails:

Preise und Ausstattung
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