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Citroën C4 Cactus PureTech 110 EAT6 - im Test Citroen C4 Cactus 2018

Kompakt à la Francaise

Citroën renovierte den C4 Cactus tiefgreifend - er ist nun das zentrale (weil einzige) Kompaktmodell der Marke. Preisgünstig-pfiffiger Crossover im Test.

Text: Marcus Efler/mid; Fotos: Marcus Efler (2), Citroen

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Das Geschäft mit Kompaktwagen ist derzeit kein einfaches. Die Kunden achten mehr auf den Preis denn je, und die beliebten SUV unter viereinhalb Metern Länge knapsen diesem wichtigen Segment Marktanteile ab. Wenn man dazu noch Bestseller wie VW Golf und Ford Focus zum Gegner hat, muss man sich schon etwas einfallen lassen.

Das tat Citroën beim C4 mit einem recht radikalen Schnitt: Die normale Basisversion läuft aus, der höher gelegte Ableger Cactus wird zum Hauptmodell. Mit originellem Designund erhöhter Sitzposition soll er jene Kunden locken, denen Golf und Co. zu brav daherkommen, die aber nicht gleich zu einem richtigen SUV greifen wollen.

Doch der bisherige Cactus trug für diese Aufgabe etwas zu dick auf - vor allem mit seiner breiten, auffälligen Kunststoff-Beplankung an der Seite. Etwas weniger ist mehr, dachten sich die Franzosen, und gestalteten dieses Element bei einer tiefgreifenden Modell-Überarbeitung deutlich zurückhaltender. Trotzdem bleibt es ein gut wiedererkennbares Design-Element.

Insgesamt wirkt der Cactus jetzt gefälliger - und immer noch recht lifestylig. Die rundliche, durchaus an ein SUV erinnernde Form, zieht die Blicke auf sich. Zwar ist der Wagen ausschließlich mit vier Türen zu haben, aber das Heck ist dem modischen Charakter untergeordnet: Die breite C-Säule und die schmalen, getönten Scheiben vermitteln eher den Charakter eines sportlichen Zweitürers. Die etwas unpraktische hohe Ladekante des Kofferraumes ist ebenfalls diesem Design geschuldet.

Auch eher ungewöhnlich für einen Viertürer: Die hinteren Scheiben lassen sich nicht herunterfahren, sondern nur einen Spalt ausklappen. Das könnte bei Personen, die hinten Platz nehmen und diesen für Kopf und Knie auch ausreichend finden, im Sommer für Proteste sorgen - obwohl, objektiv betrachtet, die serienmäßige Klima-Automatik bei geschlossenen Scheiben natürlich die effektivste Kühlung bietet.

Die gewählte Lösung gehört eben zum stylischen Gesamt-Konzept, das Citroën konsequent umsetzt, auch im Interieur. Es besteht aus feineren Materialien als beim Vorgänger und soll offenbar an französische Haute Couture erinnern; so taucht das Motiv von Schlaufen und Riemen immer wieder auf, etwa als Handgriff in den Türen, oder scheinbare Fixierung des Handschuhfachs.

Auf diesem wiederum sorgen gummiartige Noppen dafür, dass der Beifahrer beispielsweise eine Zeitschrift darauf ablegen kann. Das alles wirkt durchaus chic und ist wohltuend anderes als bei den bekannten Wettbewerbern.

Auffällig beim Testwagen: Das sehr große Panoramadach, das den Innenraum erhellt - und sich nicht öffnen oder von innen abdecken lässt. Citroën verspricht einen effektiven UV-Schutz, der Sonnenbrillen der Klasse 4 entspricht. Beim Fahren auch unter knackiger Sonnenbestrahlung hatte die Klimaanlage tatsächlich keine Mühe, die Raumtemperatur angenehm zu halten - und beim Parken heizt sich ein Auto allein durch die Fenster sowieso auf Backofen-Temperatur auf.

Das voll digitale Cockpit fügt sich harmonisch in das Interieur ein. Es ist recht gut ablesbar und verzichtet auf verspielte Animationen, wie sie etwa der DS 7 Crossback aus dem PSA-Konzern bietet. Der übliche Touchscreen in der Mittelkonsole ist ebenfalls von virtuellen Tasten eingerahmt, die nicht immer schnell zu treffen sind. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren tadellos und empfehlen sich wie meistens als Alternative zum werkseigenen System.

Doch das sind natürlich nicht die wichtigsten Argumente, die über Kauf oder Nichtkauf eines Citroën entscheiden, sondern - neben dem Design - der Fahrkomfort. Und der ist genauso so, wie es das Klischee eines französischen Modells vorgibt.

Denn anders als die Schwestermarke Peugeot, die eher in Richtung Sportlichkeit strebt, setzt man bei den Marken Citroën und DS auf komfortables Gleiten. Dank einer aufwändigen Federungs-Konstruktion ebnet der Cactus Straßen-Unebenheiten souverän.

Er mag vielleicht nicht die Sänfte sein, die große Limousinen mit teurem Luftfahrwerk darstellen, aber wer gediegenes Fahren in der Kompaktklasse sucht, sitzt im neuen C4 Cactus richtig - und dies auch auf längeren Strecken.

Da passt es gut, dass auch bei Autobahn-Tempo die Geräuschkulisse niedrig bleibt. Dann rauscht der Fahrtwind leise über die Karosserie, der Motor ist nicht mehr zu hören - beim Testwagen handelt es sich um den schwächeren der beiden Dreizylinder-Benziner mit 110 PS, der sich nach dem Kaltstart durchaus noch mit kerniger Geräuschkulisse meldet.

Warmgefahren beruhigt er sich, dreht leichtfüßig hoch und bietet genug Drehmoment. Unterstützt wird er von der zügig schaltenden, gut abgestimmten Sechsgang-Wandlerautomatik. Wer lieber selbst schaltet, kann zur gleich motorisierten Version mit manuellem Sechsgang-Getriebe greifen und spart 1.700 Euro. Der Testverbrauch von exakt sechs Litern (Normmix: 5,1 Liter) ist ein weiteres Argument für dieses Aggregat.

Als Topmodell "Shine" ist der Citroën C4 Cactus ordentlich ausgestattet - mit Navigation, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, anklappbaren E-Außenspiegeln, akustischer Einparkhilfe hinten und 16-Zoll-Alufelgen. Der Preis bleibt mit 22.640 Euro dennoch fair.

Fünftüriges Kompakt-Crossover, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.170/1.714/1.480/2.595 mm, 5 Sitzplätze, Kofferraumvolumen: 358-1170 l, Gewicht: 1.147 kg, Zuladung: 473 kg, Tankinhalt: 50 l.
Dreizylinder-Turbobenzinmotor, Hubraum: 1.190 ccm, Leistung: 81 kW/110 PS bei 5.500 U/min, Drehmoment: 205 Nm bei 1.750 U/min, Sechsgang-Wandlerautomatikgetriebe, 0-100 km/h: 11,0 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h, Normmix-Verbrauch: 5,2 l/100 km, CO2-Emission: 119 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-Temp, Testverbrauch: 6,0 l.
Österreich-Preis: 22.640 Euro.

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