Offroad

Inhalt

Hyundai Kona Elektro Level 5 - im Test Hyundai Kona Elektro 2019

Alltagstauglich

Hyundai hat mit dem Kona Elektro ein Elektro-SUV mit großer Batterie und kleinem Stromverbrauch im Programm. Wir bitten ihn zum Test.

Georg Koman

Hier geht's zu den Bildern

Hyundai als Tesla-Gegner? Klingt zunächst etwas eigenartig. Aber je länger man sich dem Kona Elektro widmet, desto realistischer wird dieser Satz und am Ende ersetzt man das Frage- durch ein Rufzeichen.

Umso mehr, als der Kona Elektro eigentlich in zwei Versionen hätte angeboten werden sollen, mit 136 und 204 PS, auch die Batterien wären unterschiedlich groß gewesen, nämlich 39 und 64 kWh.

Österreichs Hyundai-Importeur Denzel entschied sich schlussendlich aber dafür, nur die starke Variante mit der großen Batterie und das Ganze auch noch in gehobener Ausstattung anzubieten. Denn seien wir ehrlich: Auch wenn Elektro-Autos irgendwann einmal zu Massenprodukten werden sollten, derzeit sind sie einfach ein Thema für gehobene Schichten.

Typische Elektroauto-Käufer wohnen nicht im Gemeindebau, sondern besitzen eine Garage mit eigener Lademöglichkeit und zumindest ein weiteres Auto mit Verbrennungsmotor. Dafür schauen sie nicht zu sehr aufs Geld - sie wollen die volle Ausstattung und ordentlich Punch beim Beschleunigen.

Und den bietet der 204 PS starke Kona Elektro: 7,6 Sekunden reichen ihm für den Sprint von 0-100 km/h, das Getriebe benötigt nur einen Gang. Gleich vom Stand weg katapultiert sich der Koreaner eindrucksvoll davon, dank seines bei jeder Drehzahl anstehenden Drehmoments von fetten 395 Newtonmetern. Elektro-typisch laut-, mühe- und gnadenlos.

Was Elektroauto-Käufer ebenfalls wollen, ist Reichweite - und auch mit dieser geizt der Hyundai Kona Elektro nicht. Seine ansehnliche Batterie-Kapazität bringt laut WLTP-Norm 449 Kilometer bei einem Durchschnittsverbrauch von 15,4 kWh.

Fast ging sich das in unserem Test tatsächlich aus, wir kamen auf einen sehr günstigen Realverbrauch von 15,9 kWh, was immer noch für mehr als 400 Kilometer reicht. Über 400 Kilometer Reichweite: im Elektroauto-Bereich ist das derzeit die Königsklasse.

Bei winterlichen Minusgraden schrumpft die Reichweite natürlich, beim Kona aber nicht zu sehr, weil seine Batterie über eine sparsame Wärmepumpe beheizt wird. Die kostet zwar auch Energie, aber deutlich weniger, als ein frierender Akku an Kapazität verlieren würde.

Ja, so ein Stromspeicher ist eben eine Diva, damit muss man sich als Elektroauto-Fahrer abfinden. Und selbst eine große Batterie hat relativ wenig Kapazität.

Zum Vergleich: Ein Liter Diesel speichert zehn kWh, der Hyundai-Akku entspricht also einem Dieseltank von 6,4 Litern. Zum Glück kommt der Elektromotor aber mit virtuellen 1,5 bis 1,7 Litern "Diesel" durch, wodurch er eben eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern möglich macht.

Sehr angenehm: Die Rekuperation des Motors - also die Rückladung von Strom in die Batterie, wenn man vom "Gaspedal" geht, was mit einem gewissen Fahrwiderstand verbunden ist -, lässt sich in vier Stufen via Paddels am Lenkrad einstellen. In der ersten Stufe gibt es gar keine Rekuperation, man rollt also sehr lang, in der vierten Stufe ist der Widerstand hoch und entspricht einer mittleren Bremsung.

Nach kurzer Eingewöhnung agiert man virtuos an den Paddels und freut sich jedesmal, wenn man die Bremse wieder nicht betätigen musste. Den Bremsbelägen kann man auf diese Art ein sehr langes Leben voraussagen.

Der Lithium-Ionen-Akku setzt sich aus Pouch-Zellen in Polymer-Hülle zusammen, die eine flexiblere Form und geringeres Gewicht als zylindrische Zellen mit sich bringen. Deshalb verliert der Kona Elektro gegenüber den ebenfalls angebotenen Verbrenner-Varianten nur 30 Liter an Ladevolumen und bleibt ein durch und durch praktisches Auto.

Knapp 40 Minuten dauert es, um die Stromspeicher an 100-kW-Schnellladestationen, wie sie sich noch nicht sehr zahlreich entlang der Autobahnen finden, zu 90 Prozent aufzuladen. Nützt man eine der deutlich häufigeren 50-kW-Stationen, nimmt der Ladevorgang 1:20 Stunden in Anspruch.

Die einzige erhältliche Ausstattung nennt sich "Level 5", was nach Hyundais bis 6 reichendem Level-System eine sehr komplette Ausstattung bedeutet. Tatsächlich sind eine Menge an Assistenzsystemen, Navigation, LED-Scheinwerfer, Head-up-Display, Lenkrad- und Sitzheizung, Stoff-Leder-Sitze und vieles mehr serienmäßig an Bord.

Im Gegenzug ist der Hyundai Kona Elektro mit 47.790 Euro vor Abzug der Förderungen naturgemäß relativ teuer, was für Interessenten von Elektroautos (wie weiter oben erklärt) aber kein Kaufhindernis darstellt, wenn das Gesamtpaket stimmig ist. Und das ist es beim Kona Elektro definitiv.

Fünftüriges Kompakt-SUV, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.180/1.800/1.570/2.600 mm, Wendekreis: 10,6 m; Leergewicht: 1.743 kg, Zuladung: 427 kg, Kofferraumvolumen: 332-1.114 l.
Antrieb: Permanentmagnet-Synchronelektromotor, vorne eingebaut; Leistung: 150 kW/204 PS, Drehmoment: 395 Nm, Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h, 0-100 km/h: 7,6 Sekunden, Frontantrieb, Akku-Kapazität: 64 kWh, Mix-Verbrauch: 15,2 kWh/100 km, Testverbrauch: 15,9 kWh/100 km, Reichweite nach WLTP: 482 km.
Österreich-Preis: 47.790 Euro

Drucken

Ähnliche Themen:

06.05.2019
Stern unter Strom

Rollt in Bremen vom Band und ist ab sofort bestellbar: der 400 PS starke Strom-Allradler Mercedes EQC als erstes Elektroauto mit Stern.

26.04.2019
Urgewalt

Die SR/F ist ein nochmals aufgepowerter Streetfighter von Zero, der alle Erwartungen an Agilität und Performance mehr als erfüllt. Im Test.

19.04.2019
So schön kann klein sein

Hyundai-Nobeltochter Genesis zeigt auf der New York Auto Show den elektrisch angetriebenen City-Zweisitzer Mint - kompakt und ziemlich chic.

Nobler Abschluss Gran Coupé komplettiert BMW 8er-Reihe

BMW schickt das viertürige 8er Gran Coupé ins Rennen. Gemeinsam mit 8er Coupé und 8er Cabriolet ist die Topmodell-Serie nun komplettiert.

GP von Frankreich Hamilton siegt auch in Frankreich

Mercedes hat der Großen Preis von Frankreich ungefährdet für sich entschieden und seine Siegesserie damit auf neun Rennen ausgebaut.

Formel E: Bern Vergne gewinnt Chaos-ePrix

Jean-Eric Vergne hat den Bern ePrix gewonnen und damit einen großen Schritt in Richtung Titelgewinn gemacht.

Rallye-WM: News Nationale Rallyes statt Testfahrten?

Wenn WM-Piloten mit ihren WRCs bei nationalen Läufen starten, sollten diese nach Ansicht von Citroën als Testfahrten gezählt werden.