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Rallye-ÖM: Bosch-Rallye

Vorrang für den großen Bruder

Applaus gab es für die derzeit wohl markanteste Formation des heimischen historischen Rallyesports und ihre Sonderleistung bei der Bosch-Rallye.

Denn auch diesmal konnte der Tiroler wieder ein triumphales Ergebnis einfahren, der mit Christoph Friesenegger als Beifahrer und seinem Ford-Lotus Cortina eine kongeniale Einheit bildet. Und natürlich war der Weg dorthin mit reichlich Action gepflastert, wie gehabt mit Blick durch die Seitenscheiben in nahezu sämtlichen Kurven und so. Daß am Ende nicht Alois Nothdurfter, sondern sein Bruder vorne war, weil der Ölkreislauf an seinem Fahrzeug gestört war, damit können alle Beteiligten sehr gut leben. Das Auto hat durchgehalten, es war ein fairer und spannender Kampf bis zum Schluß, und es hat Spaß gemacht. Etwas Besseres kann man sich gar nicht wünschen.

Dabei hatte es gar nicht von Anfang an danach ausgesehen, als ob die Histo-Kings aus Tirol so weit nach vorne kommen könnten, aber für alle Fälle blieben Alois Nothdurfter und Sepp Gruber schon einmal dicht beisammen, von der ersten Prüfung an. Und es sollte sich lohnen, denn die anfänglich sehr zahlreiche Konkurrenz reduzierte sich während der Etappe gewaltig, und das brachte entscheidende Platzgewinne: Christian Rosner, der unter normalen Umständen unantastbar gewesen wäre, kam von der Strecke ab und hatte dabei nicht so viel Glück wie mancher andere, dem das Gleiche widerfahren ist.

Michael Stoschek erkrankte während der Rallye und stellte seinen Porsche nach einer heldenhaften Vorstellung ab, und Michael Brandner, bis dahin auch bei den Schnellsten, hatte einen Stau in der Benzinleitung. Sepp Pointinger kämpfte mit einem unwilligen Motor, der einige Minuten lang sogar völlig den Dienst verweigerte, und fiel am Samstag, ohnehin weit abgeschlagen, mit einer gebrochenen Antriebswelle aus. Gerhard Openauer schließlich verlor eine theoretisch mögliche Siegchance, weil er zu lange neben der Strecke war, und auch Johannes Huber konnte die Gunst der Stunde nicht nützen, da sein Porsche Schwächen an der Kupplung und am Ölsystem zeigte.

Aber Alois Nothdurfter und Sepp Gruber, denen war nichts passiert – fast jedenfalls. Sie konnten sich ungestört duellieren, und das taten sie zur Sicherheit schon, bevor sich die Reihen gelichtet hatten. Und als es schließlich so weit war, daß es für das Cortina-Team um den Sieg bei den Historischen ging, wurde das Sekundenduell fortgesetzt – wie gehabt mit der gleichen Vehemenz. Nicht nur die beteiligten Fahrzeuge, auch die sportliche Situation war klassisch: Zwei Jahrzehnte alte, natürlich heckgetriebene Rallye-Fords, meist kriminell quer, weil auf der letzten Rille bewegt – da könnten zwei World Rally Cars in den Händen von Sebastian Loeb und Marcus Grönholm nicht für mehr Stimmung sorgen.

Es blieb bis zum Schluß eng zwischen Alois Nothdurfter/Christoph Friesenegger mit dem Ford-Lotus Cortina und Sepp Gruber/Rudi Nothdurfter mit dem Ford Escort RS 2000, und man konnte bis unmittelbar vor dem Ende nicht voraussagen, wer gewinnen würde. Auf der letzten Pinggau-Prüfung gab es dann jedoch Schwierigkeiten mit der Motorleistung des Cortina, weil irgendwo im Ölkanal eine unerwünschte Veränderung stattgefunden hatte. Das wurde von Sepp Gruber, dem großen Bruder, sofort genützt, denn unter diesen Umständen halfen auch die 10 Sekunden Vorsprung, die Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger auf ihre Verfolger hatten, nichts mehr, und der sonst sehr wahrscheinliche Sieg war dahin.

Was soll’s, der zweite Platz bei den Historischen ist immer noch sehr schön, und der ganze Verlauf der Rallye war bedeutend erfreulicher als im vergangenen Jahr, wo ein Motorlagerschaden zum Ausfall geführt hatte. Und wenn man bedenkt, was andere für Pech hatten, so ist der leichte Schönheitsfehler, der zum Schluß beim Cortina-Team aufgetreten war, vergleichsweise leicht zu verkraften. Alles in allem einmal mehr eine sehr gelungene Rallye des Teams von Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger.

Wenn man so will, dann waren die Brüder Nothdurfter die „Men of the Race“ im Wechselland. „Men of the Year“ sind sie noch nicht, aber daran arbeiten sie noch.

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