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Rallye: Portrait

Molly wer?

Das dachten sich viele, die die Rallye-Korsika mitverfolgt haben. Die junge Australierin sorgte beim ERC-Lauf mit einem zweiten Platz der 2WD für Aufsehen.

Michael Hintermayer

In der Formel Eins ist man bemüht eine konkurrenzfähige Frau für ein Cockpit zu finden. Zwar gibt es einige Anwärterinnen auf ein Cockpit in der höchsten Motorsportserie wie Susie Wollf, Beitske Visser oder die schnelle Österreicherin Corinna Kamper, bisher war die Suche leider vergeblich. In der Rallyewelt sind Frauen, vor allem als Copilot mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Vor allem in Österreich gehören die Ladies in flammhemmender Kleidung zum Alltag jeder Rallye.

Egal ob Gabriele Husar, die mit ihrem Porsche 911 in den Achtzigern die angebliche Männerdomäne aus den Fugen brachte, eine Michele Mouton, die es fast schaffte die Weltmeisterschaft zu gewinnen, bis heute sind Frauen im Rallyesport nicht mehr wegzudenken.

Und im Spitzenfeld des Rallyesports sind Frauen auch heute noch präsent. Österreichs einziger WM-Fixstarter ist ebenfalls ein Starterin. Ilka Minor sagt momentan dem Russen Evgeny Novikov, wo es langgeht. Tina Maria Monego findet man bei Kris Rosenberger am heißen Sitz und auch zahlreiche andere nicht zimperliche Damen bereichern bei ÖM-Läufen regelmäßig das Starterfeld sowie das Podium.

Beim jüngsten Lauf der ERC sorgte wieder eine Frau für Schlagzeilen. Molly Taylor aus Australien zeigte ihren männlichen Kollegen „wo der Bartl den Most herholt“ und beendete die Rallye als zweite der 2WD-Wertung. Grund genug einen genaueren Blick auf die schnelle Lady aus „Down Under“ zu werfen.

Molly Taylor ist gerade einmal 25 Jahre alt, wuchs in der Umgebung von Sydney auf und bekam den Motorsport, wie viele andere, in die Wiege gelegt. Molly´s Mutter war die Copilotin des vierfachen australischen Rallyemeisters Neal Bates, so wurde Molly schon früh vom Rallyevirus infiziert.

Es war ein Freund, der ihr erstmals die Gelegenheit gab, bei einer Motorsportveranstaltung teilzunehmen. Er lieh ihr seinen Wagen und Molly beendete ihren erstes Rennen auf dem neunten Platz. Gleich danach beschloss sie, die Schule hinzuschmeißen und sich voll und ganz auf den Motorsport zu konzentrieren. Ein bis heute mutiger Schritt.

Bald darauf war Molly in ihrem eigenen Rallyeauto unterwegs und konnte sich prompt für ein Nachwuchsförderprogramm qualifizieren. Sie verkaufte sogar ihr heiß geliebtes Pferd um sich einen stärkeren, konkurrenzfähigeren Wagen anzuschaffen. Ihre erste Rallye mit dem neuen Wagen konnte sie sofort mit einem Vorsprung von über fünf Minuten gewinnen, ein Jahr später startete sie in der australischen Rallyemeisterschaft und gewann die Klasse, in der sie an den Start ging haushoch.

2009 ging sie nach England um den Suzuki Swift Cup zu bestreite. Sie gewann dort drei von sechs Läufen, doch beim letzten Lauf verließ sie ihr Glück. Ein technischer Defekt warf sie aus dem Rennen und kostete ihr den Titel. Trotzdem gewann sie den Preis der besten britischen Rallyepilotin.

Im darauffolgenden Jahr bestritt sie abermals die britische Meisterschaft am Steuer eines Citroen C2 und wurde Dritte. Ein Einstieg in das M-Sport Rallyeteam war die Folge, wo sie im Vertrieb der Rallyeschmiede einen Job ergattern konnte.

Im Jahr 2011 nahm sie am Pirelli Star Driver Shootout teil, mit ihrer Mutter am Beifahrersitz. Auch dort konnte sie ihre Schnelligkeit unter Beweis stellen und konnte an mehreren WM-Läufen teilnehmen. Sie startete bei den WM-Läufen in Deutschland, Portugal, Italien, Finnland, Frankreich und der Rallye Großbritannien. Eine Sonderprüfungs-Bestzeit bei der Großbritannien-Rallye in ihrer Klasse war das bisherige Highlight ihrer Karriere. 2012 nahm sie in einem in einem Citroen DS3 R3 an ausgesuchten Europameisterschafts- und Weltmeisterschaftsläufen teil.

So kann man sagen, dass der zweite Platz in der 2WD-Wertung bei der Tour de Corse kein Einzel- oder Glücksfall war, sondern ein weiterer Schritt in Richtung der WRC. Nun bleibt uns nur noch zu hoffen, dass „unsere Ilka“ bald weibliche Gesellschaft in der Rallye-Weltmeisterschaft bekommt. Molly Taylor hat diesen Kurs eingeschlagen und ist momentan auf dem besten Weg, dies auch zu schaffen.

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