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ORM: Wechselland-Rallye

Niki Mayr-Melnhof: "Ein Traum geht in Erfüllung"

Der neue Staatsmeister Niki Mayr-Melnhof blickt zurück auf die Wechselland-Rallye, erinnert sich an den ersten Test im R5 und verrät, welche Herausforderung ihn nun reizen würde...

Fotos: Daniel Fessl

Es ist vollbracht! Mit dem vierten Sieg, jeweils mit der maximalen Punkteanzahl inklusive der maximalen Powerstage-Punkte krönten sich Niki Mayr-Melnhof und Leopold „Poldi“ Welsersheimb bei der Wechselland-Rallye zu den Rallye-Staatsmeistern 2018. Für das Drift Company Rallyeteam rund um Beppo Harrach ein weiterer Erfolg nach dessen Staatsmeistertitel im Jahr 2011.

Auch damals hieß einer der großen Gegner Raimund Baumschlager. Diesen wollte Niki Mayr-Melnhof im Wechselland unbedingt aus eigener Kraft heraus schlagen: „Wir haben hart attackiert, denn mir war dieser Kampf wichtig!“ Nach dem ersten Tag lagen Mayr-Melnhof/Welsersheimb 8,6 Sekunden vor dem Rekord-Staatsmeister. Dann kam der Samstag - und mit ihm das berühmte, wechselhafte Wetter bei der Wechselland-Rallye.

“Hätte Raimund gerne besiegt“

Niki Mayr-Melnhof erzählt: „Wir haben im ersten ‚Ringerl‘ alles riskiert und Intermediate-Reifen gewählt - prompt hat es am Start der SP9 Dechantskirchen zu regnen begonnen, wir konnten dennoch Bestzeit fahren und den Vorsprung leicht ausbauen. Für die direkt darauf folgende Prüfung SP10 Baumgarten haben wir vorne die mitgeführten Regenreifen montiert, doch das hat im starken Regen nicht gereicht, Raimund konnte seinen Rückstand auf 6,5 Sekunden reduzieren. Im zweiten Durchgang wollten wir auf der SP11 Dechantskirchen unbedingt zurückschlagen und konnten uns um 3,2 Sekunden steigern - doch da hatte Raimund seinen technischen Ausfall. Was ich bedaure, denn er ist schließlich eine Benchmark, er sitzt in einem Werksauto, hat damit die offiziellen Tests absolviert - wir hatten ihn gut im Griff und ich hätte ihn gerne auch am Ende der Rallye geschlagen.“

Als dann auf dem Hauptplatz der kleinen Gemeinde Friedberg der Zielbogen durchfahren wurde, fiel Niki Mayr-Melnhof „ein Riesenstein vom Herzen“. Sein Dank galt zunächst jenem Mann, der neben ihm saß - Copilot Poldi Welsersheimb: „Es ist ein Traum, mit ihm zu arbeiten. Wir haben uns vor jedem SP-Start gegenseitig die Marschrichtung vorgegeben, Poldi hat mich dann immer wieder auf eine gute Art und Weise daran erinnert, dass wir konzentriert bleiben müssen und wir nicht das Letzte riskieren sollten. Für mich hat sich ein Traum erfüllt! Ich bin so dankbar, in einem solchen Team sein zu dürfen.“

Welsersheimb: „Niki hat unsere Inputs perfekt umgesetzt“

Poldi Welsersheimb kann die Blumen nur zurückstreuen: „Niki hat eine sensationelle Leistung abgeliefert - er hat die Inputs, die von Beppo, dem Team und mir kamen, perfekt umgesetzt. Sicher auch dank seiner Professionalität, die er bereits in seiner Rundstreckenkarriere an den Tag gelegt hat.“

Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg leistete natürlich das Drift Company Rallyeteam, geleitet von Beppo Harrach, dem Staatsmeister 2011. Niki Mayr-Melnhof erinnert sich zurück an jene Tage im Jahr 2015, als er zum ersten Test mit dem Ford Fiesta R5 antrat: „Ich fuhr viermal den Berg hoch und wieder runter und beim vierten Mal wieder runterfahren, lagen wir bereits am Dach. Die haben damals sicher gedacht: ‚Der wird noch vier bis fünf Autos ruinieren!‘ Doch das ist dann glücklicherweise nicht geschehen.“

Poldi Welsersheimb muss lachen: „Ich kann mich noch gut an das vierte Mal runterfahren erinnnern. Ich hab damals nach drei Kurven gedacht: ‚Wenn wir unten sind, muss ich ihn zurechtstutzen, denn so geht das nicht!‘ Doch wir sind nie unten angekommen. Dann gab es ein Gespräch mit Beppo, in dem wir ernsthaft festgestellt haben: Niki hat einen enormen Grundspeed, doch wir müssen davon ausgehen, dass wir ein paar Mal hochkant in den Wald fliegen werden. Warum ich damals trotz dieser schmerzvollen Aussicht dabei geblieben bin, weiß ich nicht, schließlich ist Rallye kein Kindergeburtstag - doch ich hatte einfach ein gewisses Grundvertrauen in Niki. Und wie man gesehen hat: Es hat sich ausgezahlt und es gab auch keine schlimmen Unfälle.“

“Beppo war der Schlüssel zum Erfolg“

Profitieren konnten Mayr-Melnhof/Welsersheimb vom großen Erfahrungsschatz des Beppo Harrach und seinem gut eingespielten Team: „Beppo war der Schlüssel zum Erfolg. Sein Knowhow und die perfekten Leute um ihn herum! Wir hatten in diesem Jahr nur einen technischen Ausfall - und das war ein 10 Euro-Bauteil, der vom Hersteller fehlerhaft geliefert wurde. Ansonsten hatte ich immer ein perfektes Auto zur Verfügung. Dazu kommt: Beppo verfügt über eine Datensammlung sämtlicher Reifenentscheidungen der letzten Jahre. Fast jede Reifenentscheidung, die wir getroffen haben, war perfekt!“

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet auch Andreas Schindlbacher, der frühere Copilot von Beppo Harrach: „Diese Leute wie eben ein Andreas Schindelbacher stehen auf den Prüfungen und sagen uns, wo das Wasser steht, leisten einen wichtigen Beitrag auch bei der Reifenwahl. Erst diese Gewissheit lässt einen jenen Speed fahren ,den wir heuer fahren konnten.“

Die nächste Herausforderung

Was denkt ein Hochleistungssportler nach dem Titelgewinn? Richtig - er sucht eine weitere Challenge! Und die heißt bei Niki Mayr-Melnhof Rallye-Europameisterschaft (ERC). Mayr-Melnhof nickt: „Ich würde gerne noch heuer die Lettland-Rallye fahren. Aber bitte nicht so verstehen, dass ich jetzt glaube, wir seien so superschnell und wollen jetzt den ERC-Piloten den Hintern versohlen. Ganz im Gegenteil: Wir würden da wohl eher eine auf den Deckel kriegen...“

Was Niki nicht dazusagt, aber wohl denkt: Zunächst! „Eine auf den Deckel kriegen“ als Motivation für eine ERC-Teilnahme 2019? Niki lacht: „Naja, klar such ich die Herausforderung...“

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