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Herbstrallye: Bericht Race Rent Austria
Fotos: Harald Illmer

Race Rent Austria: Nach der Rallye ist vor der Rallye...

Dominik Kreisel wird sein Debüt bei der Rallye W4 nachholen - ausgerechnet die Elektronik ließ ihn in Dobersberg schon vor SP1 in Stich. Marco Aubrunner beginnt fulminant, fällt aber wie einige andere nach Unfall aus. Rudolf Leitner als bestplatzierter RRA-Pilot mit dem Proto vertraut, Manuel Wurm bejubelt problemloses Wettbewerbsdebüt seines Toyota Yaris M1. Michael Denk hingegen ist weniger gut zu sprechen - auf Michael Denk. Race Rent Austria im „heißen Rallyeherbst“: Vorfreude auf Rallye W4, Cesky Krumlov und Rallysprint Santa Domenica!

Neun Fahrzeuge wurden beim Saisonfinale der Austrian Rallye Challenge (ARC), im Rahmen der von zahlreichen Fans gefeierten Herbstrallye Dobersberg von Race Rent Austria betreut.

Zwei Mitsubishi Lancer Evo nahmen die Rallye als Vorausauto in Angriff - in jenem von Andreas Schart (Copilot Rolf Offner) wurde im Vorfeld der Rallye ein neues Getriebe eingebaut. Race Rent Austria-Teamchef Wolfgang Schmollngruber erklärt: „Wir haben hier an verschiedenen Setup-Einstellungen gearbeitet - Andreas kam sehr gut zurecht. Er wollte mit diesem Vorausautoeinsatz ohne jeden Erwartungsdruck zu seiner alten Form zurückfinden und ich denke, dass dieses Vorhaben den richtigen Weg findet.“

Ganz und gar nicht glücklich verlief dafür das Rallyedebüt von Dominik Kreisel und Sebastian Krupka im Mitsubishi Lancer Evo IX - der Neffe von Philipp Kreisel musste schon vor der ersten Sonderprüfung wegen eines Elektronik-Defekts abstellen. Wolfgang Schmollngruber nickt: „Das war das einzige Auto in unserem Stall, das noch mit einer Fremdelektronik ausgerüstet war - diese werden wir nun gegenn eine neue Elektronik eintauschen und schon am Freitag damit einen Test vornehmen. Für Dominik und Sebastian tut es mir leid - die beiden werden natürlich ihr verpasstes Debüt nachholen, und zwar bei der Rallye W4.“

Die Startnummer 46 war das Markenzeichen und oft auch Glücksbringer für Motorrad-Superstar Valentino Rossi, der am vergangenen Wochenende seinen Abschied aus der MotoGP zelebrierte -- für Marco Aubrunner und Christoph Fischer war die 46, wie es scheint, motivierend. „Schmolli“ erklärt: „Marco ist sehr gut in die Rallye gestartet und lag nach zwei Sonderprüfungen auf dem tollen fünften Gesamtrang. Doch dann hat er auf SP3 bei einem Abzweig einen Drift hingelegt und dabei mit dem Heck einen Begrenzungsstein erwischt. Die Hinterachse wurde herausgerissen und somit war die Rallye für Marco und Christoph leider schon wieder zu Ende...“

Keine Zielrampe sahen auch Martin Attwenger und Linda Stummer im Peugeot 208 R2 respektive rally4. Ohne Ergebnis blieben auch Stefan Müller und Alexander Turecek im Ford Fiesta WRC Proto, der RRA-Teamchef klärt auf: „Es gab einen Heckdifferenzialschaden - doch Stefan wird schon bei der Rallye W4 mit einem nagelneuen Diff zurückkehren.“ Müller/Turecek konnten sich bis zu ihrem Ausfall kontinuierlich steigern und auf der dritten Prüfung Platz 14 im Gesamtklassement belegen.

Leitner/Matusch: Von „tastig“ bis fantastisch - endlich „protovertraut“

Auf der gleichen Prüfung gelang auch Rudolf Leitner/Roland Matusch im zweiten Ford Fiesta Proto des Race Rent Austria Teams ihre beste Tagesleistung - eine außerordentlich gute neunte Gesamtzeit, mit lediglich 24,7 Sekunden Rückstand auf die mit einem World Rally Car herausgefahrene Bestzeit von Rallyesieger Gerald Rigler. Entsprechend happy ist Rudolf Leitner: „Das gibt uns natürlich weitere Motivation und Selbstsicherheit. Am Morgen war ich noch tastig unterwegs.“ Unter „tastig“ versteht man in Leitners Heimat Oberösterreich, dass „man noch recht unsicher ist, man noch relativ wenig Selbstvertrauen hat“, wie Rudolf erklärt. Das sei aber auch kein Wunder: „Schließlich sind wir mit diesem Auto auch noch nie richtig auf ‚Slickreifen‘ gefahren.“

Nach der fantastischen SP3 kam es auf SP4 zu einem Dämpfer: „Ich wollte in einer Kehre in den zweiten Gang hochschalten - da hab ich den Schalthebel in der Hand gehabt.“ Mit der defekten Schaltumlenkung konnte Leitner nur mit dem ersten Gang weiterfahren: „Das waren noch acht Kilometer auf dieser Prüfung - zum Glück hatten wir danach ein Service.“ Gekostet habe das Malheur rund 1,5 Minuten, so schätzen Fahrer und Team - womit sogar ein Top 15-Gesamtresultat möglich gewesen wäre...

Doch Rudolf Leitner ist eines besonders wichtig: „Wir hatten mit dem Proto bisher immer irgendwelche Wehwehchen - ich sehe daher diese Rallye als erste vollwertige Rallye im Proto. Und ganz ehrlich: Nach dem Bruch der Schaltumlenkung sind wir nicht mehr auf der letzten Rille gefahren. Denn wir haben ja noch einiges vor in diesem Jahr.“

Zunächst steht die Rallye W4 auf dem Programm, die am 5. und 6. November abgehalten wird - nur eine Woche später wird die Rallye Cesky Krumlov absolviert, wie viele andere Oberösterreicher haben Leitner/Matusch bei der Jännerrallye für den sogenannten „Regional Rally Cup (RRC)“, einem Doppel-Event mit der Cesky Krumlov zugestimmt, die tschechische Rallye findet bei vielen im Feld großen Gefallen, für Race Rent Austria ist es ein heißer Rallye-Herbst, schließlich müssen einige Fahrwerke vo Asphalt auf Schotter (W4) und wieder auf Asphalt ( Krumlov) umgebaut werden. Schließlich bildet die kultige Rally Santa Domenica für RRA den Abschluss der Saison...

Wurm/Hackl: Neuer Toyota Yaris M1 im Bewerb völlig problemlos

Die Rally Cesky Krumlov haben auch Manuel Wurm und Stefan Hackl als Fixpunkt in ihrem Terminkalender eingetragen - bei ihrem ersten Antreten mit dem Toyota Yaris M1 im Bewerb verlief „alles völlig problemlos“, wie Manuel Wurm erfreut bestätigt. In der M1 belegten die beiden damit den dritten Platz . doch auch in der Klasse 7.1 landete man auf dieser Platzierung. Manuel Wurm schmunzelt: „Wenn man bedenkt, dass in dieser Klasse die Konkurrenz rund 300 PS zur Verfügung hat, brauchen wir uns mit unseren 282 PS nicht zu verstecken.“

Hier dürfte wohl auch die fahrerische Qualität eine Rolle gespielt haben, Manuel lacht: „Ja, es funktioniert super mit diesem Auto und mit ein wenig Herzblut kann man einiges wettmachen, wie ja auch ein Michael Lengauer regelmäßig zeigt.“

Dabei mussten Wurm/Hackl auf SP3 einen Plattfuß hinnehmen: „Das hat uns sicher viel Zeit gekostet, denn wir mussten rund acht Kilometer mit dem ‚Patschen‘ weiterfahren - doch was mich positiv stimmt: Der Yaris wurde nicht beschädigt, es wurde dabei nichts heruntergerissen.“

Umso größer die Aufmerksamkeit, die dem neuen Boliden im Servicepark entgegengebracht wird: „Es kommen Fahrer, um sich das Auto ganz genau anzusehen, die Medien zeigen vermehrt Interesse. Das freut mich und meine das Projekt unterstützenden Patner selbstverständlich...“ Manuel Wurm und Stefan Hackl werden den brandneuen Toyota Yaris M1 bei der Rally Cesky Krumlov wieder zünden...

Denk/Stein: Nasse Wiese, saure Miene! Oder: Nie mehr Retourgang!

Während Rudolf Leitner und Manuel Wurm im „hohen Norden“ rund um die Gemeinde Dobersberg mit ihren Arbeitsgeräten eine Symbiose bilden konnten, haben Michael Denk (Copilotin Anne Katharina Stein) und der Retourgang seines Mitsubishi das Waldviertel nicht unbedingt als beste Freunde verlassen. Was mit der Technik so gut wie gar nichts zu tun hat - wie Michael zähneknirschend zugibt: „Auf der ersten Prüfung bin ich auf nasser Wiese zu weit rausgekommen und musste zum ersten Mal den Retourgang einlegen .- doch damit nicht genug: beim Rausfahren aus dieser Wiese musste ich gleich nochmal den Retourgang einlegen...“

Nun könnte man von einer verpatzten ersten Sonderprüfung sprechen - doch leider blieb es auch dabei nicht, im Tonfall eines sich selbst anklagenden Staatsanwalts berichtet Michael Denk: „Auf der zweiten Prüfung bin ich auf einem Linksabzweig nach einer Kuppe nicht abgebogen - eine Kurve, die ich sicher schon zehnmal in meinem Leben gefahren bin. Als ich merkte, dass es wohl knapp wird, wollte ich einfach nicht schon wieder den Retourgang verwenden müssen und habe versucht, die Kurve noch irgendwie zu schaffen.“

Die „Schmach des Retourgangs“ konnte sich Michael tatsächlich ersparen - allerdings landete der Mitsubishi in einem Graben, aus dem man erst sehr viel später wieder herauskam., sodass die Rallye für Denk und Anne Katharina Stein ein sehr frühes Ende nahm, obwohl der Evo so gut wie keinen Kratzer hatte. Michael: „Ich habe bei der Rallyeleitung gefragt, ob wir die Fahrt eventuell als Vorausauto fortsetzen können, doch das war leider nicht möglich.“

Michael Denk, in der Race Rent Austria-Family geliebt für seine markigen, immer aber geradlinigen Sprüche, macht keinen Hehl daraus: „Ich bin jetzt einfach nur angfressen - ich bin mächtig sauer auf mich selbst! Wir werden heuer wie geplant keine Rallye mehr fahren, ich werde vielleicht da oder dort als Zuschauer auftauchen. Im Rallyeauto werde ich wohl eher erst wieder bei der Blaufränkischland-Rallye 2022 sitzen...“ Bis dahin hätte Michael ausreichend Zeit, um den Groll auf sich selbst abzukühlen - doch man kann getrost damit rechnen, dass der Familienvater und Hundefreund nicht allzu lange dem Ärger fröhnen sondern sich vielmehr den schönen Seiten des Lebens widmen wird.

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