RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
motorline.cc EXKLUSIV
raphaelsperrer.com

Raphael Sperrer im Exklusiv-Gespräch: „Elektro-Rallye? Nur mit Oberleitung!“

Der sechsfache Rallye-Staatsmeister spricht über Elektro-Rallye - Motto: Was keine Nachhaltigkeit haben würde, könne man dennoch positiv nützen....

Noir Trawniczek

Wenn man mit Raphael Sperrer spricht, merkt man sehr schnell, dass er die Gegenwart am liebsten ironiebereichert erlebt - der sechsfache Rallye-Staatsmeister, der im KTM X-Bow Cup als „Major Adolf Kottan“ immer wieder Siege einfuhr und dessen Tuning Firma Sperrer Motorsports auf ihrer Website „Zuverlässigen Schutz vor Tempomessungen aller Art“ anbietet, kann sich elektrischen Rallyesport durchaus vorstellen - aber „nur mit Oberleitung“.

Sperrer präzisiert: „Das hat keine Nachhhaltigkeit. Wenn ich viel Gewicht beschleunigen und bremsen muss, vernichte ich Energie. Die Energieträger sind noch nicht so weit, dass sie das lösen können.“ Sperrer zeigt aber auch Verständnis dafür, dass man es trotzdem tut: „Die Leute leben von Förderungen und politischen Zusagen.“ Laut Sperrer gibt es hier einen gewissen Nebengeschmack wie er krypitsch anmutend hinzufügt: „Diese Förderungen müssen verdient werden, damit es einer, der es nicht verdient, auch bekommt.“

Prinzipiell müsse man trennen zwischen indivudellem Verkehr und Sport: „Sport erzeugt immer Abgase. Man denke nur an die Heizung im Stadion. Ich spreche ganz bewusst vom Heizen – denn du musst immer alle wirtschaftlichen Aspekte einbeziehen, so zum Bespiel auch die Fabrikation...“

Endlich wieder Entwicklung für die Serie? „Blödsinn!“

Der Elektroantrieb stellt für Sperrer im Individualverkehr nur eine von mehreren Möglichkeiten dar: „Der Verbrennungsmotor ist ja noch nicht am Ende – mit neuen synthetischen Kraftstoffen kannst du ein Schadstoff-Minus von 70 bis 75 Prozent erreichen.“ Dass diese neuen Kraftstoffe teurer seien, ordnet Sperrer ins Reich der Märchen ein: „Ein Liter kostet in der Herstellung weniger als 30 Cent. Wenn du das um 90 Cent verkaufen würdest, würden jene, die an den Tankstellen fossile Kraftstoffe verkaufen, nichts mehr verdienen.“ Auch der Wasserstoff würde sich anbieten, so Sperrer. All das sei aber ohnehin eher Zukunftsmusik: „Stell dich auf die Autobahnbrücke und zähle die Autos, die alternativ angetríeben sind...“

Zurück zum Rallyesport - dass man mit Elektroantrieb endlich wieder für die Serie entwickeln würde, wischt Sperrer mit einer weit ausholenden Bewegung vom Thementisch: „Das ist doch ein Blödsinn! Die Automobilfirmen geben Milliarden aus für die Entwicklung.“ Aber sind nicht gewisse Details, die im Sport schneller entwickelt werden müssen, nützlich für die Serie? Sperrer sagt: „Nein. Diese großen Schritte gibt es nicht mehr. Es ist wie im Fußball – da spielen elf Burschen gegen elf Burschen. Es gibt keine revolutionären Aufgaben mehr.“

“Elektro-Rallye gut - denn alles hat sein Elektroauto“

Ganz am Schluss unseres Gesprächs findet Sperrer dann doch noch ein wenig Erbarmen für den Elektrorallyesport: „Man muss im Sport versuchen, den Bedürfnissen des Publikums nachzukommen. Daher finde ich es super, dass Stohl Racing und Baumschlager Rallye Racing hier die Fahne hochhalten – denn alles hat heute sein Elektroauto. Und schließlich gibt es viele unterschiedliche Publikumsinteressen – warum dann nicht alle bedienen? Ich finde es schade, wenn dann einer dem anderen ein Auge aushackt.“

Dass es in der Rallye-Community einen gar nicht kleinen Teil gibt, der grundlegend Ablehnung gegenüber elektrischen Rallyeautos zeigt, kann Sperrer nachvollziehen, er räumt aber auch ein: „Man musss das deutlich trennen. Jene Leute, die im Sport agieren, sind da weitaus mehr verständnisvoll.“

Und wie schaut es aus mit einem Rallye-Comeback? Die Antwort ist zugleich eine Absage an die ORM, denn Sperrer sagt: „Gib mir eine Million pro Jahr und einen Dreijahresvertrag plus einer weiteren Million Reserve und sage bitte ehrlich dazu, dass du das gerne bezahlst, dann gebe ich ein Comeback bei der Dakar.“

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

ET König Rallye: Bericht TEC7 HRM & ORC

Wagner siegt - Karlhofer mit Sensations-Comeback

Karl Wagner und Gerda Zauner gewinnen eine turbulent-großartige ET König Judenburg-Rallye - für Aufsehen sorgte Lancia-Spezialist Martin Karlhofer, der erstmals seit 2004 wieder bei einer Rallye an den Start ging und prompt mit einigen Bestzeiten aufhorchen ließ. Bei den Österreichischen Rallye Classics gewannen Alex Strobl und Cathy Schmidt.

ORF-Legende und motorline.cc-Kolumnist Peter Klein erinnert sich an die Akropolis Rallye 1976 und stellt Rudi Stohl die Frage: „1976 oder 2026?“

ET König Rallye: Bericht TEC7 ORM2

Hochspannung im Titelkampf

Jubeln durfte dieses Mal Christoph Zellhofer, der gemeinsam mit seiner deutschen Co-Pilotin Anna Maria Seidl im Suzuki Swift ZMX erstmals in dieser Saison die Nase vorne hatte. Günther Knobloch/Erik Fürst (Renault Clio Rally3) behielten mit Platz zwei die Meisterschaftsführung, während Roland Stengg/Rebeka Kobal (Renault Clio Rally3) nach starkem ersten Tag im Regen des zweiten Tages den Anschluss an die Spitze verloren, aber dennoch starke Dritte wurden.

ARC, ET König Rallye: Bericht Zellhofer

Christoph Zellhofer bremste seine Gegner aus

Der Niederösterreicher hielt mit einem Triumph bei der ET KÖNIG Rallye im Murtal seine Titelchance in der ORM 2 am Leben / Auf dem Stadtkurs durch Judenburg stellte er im Suzuki Swift ZMX die Weiche auf Sieg

TEC7 ORM Rallye Backstage - Podcast #4

Gespräch mit Manfred Stohl: Von heiter bis düster

Eine Stunde mit Manfred Stohl - Österreichs WM-Vierter 2006 und nunmehrige Betreiber der Stohl Group ist eines ganz sicher: Geradlinig - und oft auch recht heiter. Seine Prognosen für die Zukunft der Rallye-Weltmeisterschaft sind hingegen düster, seine Aussagen zu Österreichs aktuellen Rallye-Hoffnungen markig.