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Rudi Stohl ist 75 - Exklusiv-Interview
Foto: Archiv Peter Klein

Rudi Stohl 75 - Jubiläums-Interview Teil 1

Geburtstagsverweigerer Rudi Stohl im großen Geburtstags-Jubiläums-Interview - Teil 1 ist quasi das „Warm Up“: Warum Ochsen rallyevirusbefreit sind und wie Rudi dennoch infiziert wurde...

Noir Trawniczek

Eigentlich hätte es ein kurzes, knackiges, kompaktes, dem „Geist der Zeit“ entsprechendes Interview werden sollen mit „7 Fragen an Rudi Stohl“ - doch so etwas ist mit unserem großen Rallye-Abenteurer ganz einfach nicht möglich. Oder sagen wir es gleich, wie es ist: Wer so etwas schon einmal zustandebrachte, steht im Verdacht, herzlos oder vom „Rallyevirus“ völlig verschont worden zu sein. Wir haben zwar auch gekürzt, aber nicht im geplanten rigorosen Ausmaß. Und das ist gut so. Es wäre schlicht schade gewesen um diese, zum Teil flapsig hingeworfenen Antworten (und den darauf folgenden Anekdoten), die einen gerade deshalb die damalige Zeit als eine wunderschöne Selbstverständlichkeit nachfühlen lassen, die viele wieder herbeisehnen und die es trotzdem leider nie wieder geben wird...

Noch intensiver eintauchen in diese alte schöne Rallyezeit können Sie in den „Erinnerungen eines Sportreporters“ von ORF-Legende Peter Klein. Dass er Rudi Stohl bereits einige seiner Kolumnen gewidmet hat, versteht sich von selbst (hier die bislang letzte Rudi Stohl-Geschichte aus dem Jänner - in der Navigation rechts finden Sie viele wertvolle Erinnerungs-Schätze mehr und nicht nur über und mit Rudi Stohl) und es könnten - so hoffen wir - noch sehr viele mehr werden - hier unser Telefoninterview mit Geburtstagskind Rudi Stohl, geführt am Ehrentag, dem 21. April NACH 21 Uhr...

Gratuliere zum 75. Geburtstag Rudi - ich höre gar keine Gäste, ist die Party schon vorbei?

Danke, ich sitze alleine zuhause und es gibt keine Party. Ich frage mich immer, warum man das feiern soll, wenn man ein Jahr älter wird - wenn man ein Jahr jünger werden würde, würd ich es mir einreden lassen...

Eigentlich findet man in deinem Lebenslauf lange keine Infektion mit dem Motorsportvirus - erst als du als KFZ-Mechaniker einen Auftrag erhalten hast, ein Auto rallyemäßig umzubauen, ging das bei dir los...

Ja, es kamen zwei Herrenfahrer, die einen Moskwitsch rallyemäßig adaptieren ließen - die beiden waren nicht sonderlich erfolgreich. Ich wurde aber schon davor vom Motorsport beschädigt - zum Beispiel als ich in Aspern den Start der 1000 Minuten Rallye gesehen habe...

Du hast dir dann selbst einen Moskwitsch als Rallyeauto aufgebaut - warum ausgerechnet Moskwitsch?

Ich habe ja in der Werksstatt, in der ich war, an diesen Autos geschraubt. Die Teile, die wir auf Garantie bei diesen Autos ausgetauscht haben, habe ich verwendet. Das Auto, das ich auserkoren habe, war ein Totalschaden - anders hätte ich mir das gar nicht leisten können. Ich hatte ja keinen Vater, der ein Auto in der Garage stehen hatte, das ich mir schnell mal ‚ausleihen‘ hätte können - mein Vater war noch mit Ochsen unterwegs, er hatte kein Auto...

Jetzt veräppelst du mich aber oder?

Nein, das war so!

Okay, ich glaube es. Wann bist du zum ersten Mal mit einem Auto gefahren?

Mit 16 oder 17 als Mechanikerlehrling - da bin ich quasi am Werksgelände der Werkstatt mit den Autos probegefahren. Ich habe mir dann mit einem solchen Auto den Führerschein bei der Polizei abgeholt.

Und da hat sich niemand aufgeregt?

Nein, das war damals noch ganz anders, als es heute der Fall ist. Da ging vieles, was heute nicht mehr geht...

Mit dem Moskwitsch hast du recht bald erfahren, dass man damit wenig ausrichten kann. Du bist dann auch öfter als Beifahrer angetreten - war das eine bewusste Entscheidung, um dir als Fahrer von anderen noch ein paar Dinge abzuschauen?

Nein. Wir waren damals eine Partie von Freunden, die in der Nacht gemeinsam Rallyeautos zusammengeschraubt haben. Damals hat sich noch jeder Mechaniker allles selbst bezahlt - und fast jeder aus der Partie ist mal als Beifahrer gefahren und zum Teil auch selbst gefahren. 1972 sind wir mit dem Ford Transit und einem Porsche zur Akropolis Rallye gefahren, geschlafen haben wir auf dem Campingplatz von Athen und nach dem Motorschaden haben wir den Porsche am Seil heimgeschleppt - das würde heute auf der Autobahn gar nicht mehr möglich sein.

Du bist auch mit Franz Wittmann und Franz Wurz als Copilot gefahren - wie kam es dazu?

Auch das hat sich wie von selbst ergeben - wir kannten uns alle und bei Wurz war es so, dass er sagte: ‚Ich habe gehört du hast ein Auto, ich hätte Sponsoren‘.

War dann wohl oft so, dass du das Auto hattest oder?

(überlegt) Ja, das war meistens so. Wir waren Freunde und es zählte das Miteinander.

Auch mit Gabi Husar bist du gefahren - sie als Copilotin. Wie kam es dazu?

Wir sind zwei WM-Läufe gemeinsam gefahren - Portugal 1977 und Akropolis 1981. Ich wusste, dass sie eine gute Pilotin ist und sie fuhr ab 1979 Lada und da habe ich ihr ein Bisschen geholfen. Zur Portugal-Rallye - damals zählte jeder WRC- und auch ERC-Lauf zur Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft, die Veranstalter haben sich damals noch erkenntlich gezeigt, wenn man bei ihnen gestartet ist. Bei der Portugal-Rallye hat man 200 Liter Benzin und einen Bungalow für eine Woche bekommen. Ab zehn Österreichern am Start gab es einen Mulitplikator bei den Punkten - das war einmal recht knapp, da habe ich einfach die Mechaniker in einer weiteren Lada genannt, die fuhren nur über die Startrampe und bogen dann ab, um ganz normal als unsere Mechaniker zu arbeiten - doch so waren zehn Teams am Start und es gab viermal so viele Punkte.

Also gab es damals bereits gewisse „taktische Spielchen“?

Naja, auf die Geldbörse musstest du schauen. Es gab internationale Rallyes - da sind bis zu 20 österreichische Teams am Start gewesen. Und damals konnte jeder ein Fernsehteam mitnehmen und es filmen lassen - das ist heute gar nicht mehr möglich....

Wie es dazu kommen konnte, dass Rudi Stohl eine mögliche Mehrfach-Rallye-Weltmeisterin namens Sabine Stohl verhindern musste, wo er den Hebel ansetzen würde, um wieder mehr Marken-Vielfalt und auch mehr Chancengleichheit vorzufinden, wie er die Zukunft des Rallyesports sieht und so einiges mehr lesen Sie in Teil 2 am Sonntag auf motorline.cc

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