RALLYE

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Jännerrallye 2023: Bericht Hulak
Rainer Binder

Unhappy birthday, happy finish

„Nur nicht aufgeben!“, war das Motto von Andreas Hulak und Jennifer Hofstädter bei ihrem ersten Antreten beim legendären Klassiker im Mühlviertel, der auch diesmal seinem Ruf gerecht wurde, einer der stilistisch hochwertigsten, spektakulärsten und fahrerisch anspruchsvollsten Bewerbe seiner Art in Mitteleuropa zu sein. Ein technisches Gebrechen in der Benzinaufbereitung sorgte für eine vorübergehende, vollständige Sendepause des beherzten Escort-Teams. Aber dafür dann …

Es versteht sich von selbst, dass Andy Hulak mit einem enormen Ehrgeiz und einer gespannten Erwartungshaltung zum Start bei der Jännerrallye ins Mühlviertel angereist war, gilt diese doch als eine der prestigeträchtigsten und bestbesuchten Motorsport-Veranstaltungen in Mitteleuropa. Was die erreichte Punkteausbeute betrifft, war es ein gut geglückter Saisonbeginn. Allerdings gab es in technischer Hinsicht zwischenzeitlich einige arg störende Aussetzer, weswegen Andy Hulak und seine nicht minder professionell engagierte Copilotin Jenny Hofstädter während der Freitagesetappe ebenfalls aussetzen mussten.

Schon kurz, bevor es losging, kündigte sich ein etwas schwieriger und nervenaufreibender Einstieg ins offizielle Rallye-Geschehen an: Als es des frühen Donnerstag-Abends Zeit wurde, zur Arena Lasberg anzurollen, wo plangemäß das Wettbewerbsgeschehen fulminant eröffnet wurde, zeigte sich der Motor-Anlasser des Escort völlig unwillig, seiner Aufgabe nachzukommen und das Zwei-Liter-Triebwerk in Gang zu setzen. Somit blieb nur noch die Möglichkeit, den Wagen schiebend zum Laufen zu bringen, was auch getan wurde. Damit gelang es immerhin, den SP-Start nahe Lasberg einigermaßen problemlos zu erreichen.

Dort ging jedoch das Leiden weiter: Eine etwas längere Standzeit bis zum offiziellen Startsignal und das dadurch entstandene „Anfetten“ des Ansaugtraktes hatte wohl mit verursacht, dass von den vier Zylindern des Wagens nur drei, manchmal auch zwei in Betrieb waren und das Triebwerk einen eher lahmen Eindruck machte. Dafür wurde Fahrer Andreas umso unruhiger, angesichts der Umstände nur allzu verständlich. Nach erfolgtem Start in die Wertungsprüfung normalisierten sich die Verhältnisse aber recht schnell, das Duell gegen das zweite, im Wettbewerb befindliche Escort-Team (Sohn und Vater Schindelegger), ging um 2,9 Sekunden zugunsten der Mitbewerber aus dem Bezirk Baden aus.

In diesem Stil hätte Andy Hulak auf der großen Freitags-Etappe zweifellos gerne weitergemacht, die trotz fehlender Schnee- oder Eisglätte ganz den unverwechselbaren Charakter der Jännerrallye repräsentierte. Überdies wäre es eine tolle Geburtstagsparty für den Fahrer geworden, nach Hulak-Art eben. Im Gedanken an einen möglichen denkwürdigen, dem Anlass entsprechenden Auftritt hatte sich das Team, allen voran die Technik-Athleten Michael Rauscher und Andreas Hubmer, schon am Donnerstag-Abend mächtig „hineingeworfen“, um alle Störelemente möglichst gründlich zu beseitigen. Zudem kam der gute Wille von Mario Klopf zu Hilfe, der selbst vor Jahren als Escort-Drifter mit viel Herz die Jännerrallye bereicherte und sich nun bereit erklärt hatte, den Anlasser von seinem Wagen zur Verfügung zu stellen.

Nachdem der Tausch des Anlassers am Freitag-Morgen vollzogen wurde, weil die Servicezeit am Donnerstag zu knapp dafür war, ging es zielstrebig in Richtung Pierbach, wo die zweite Etappe gestartet wurde. Aber nur solange, bis der Wagen erneut aussetzte und regungslos am Wegesrand liegen blieb, ohne Chance auf ein Weiterkommen. Der zweite Rallye-Tag musste somit gestrichen werden, aber es blieb noch die Möglichkeit, dem Leiden auf den Grund zu gehen, um sich eventuell mithilfe eines Restarts am Samstag noch der Partie der Driftakrobaten anzuschließen. Nach einer Reinigung des Vergasers von Metallspänen, die sich dort durch ein an der Gehäusewand streifendes Turbinenrad der Benzinpumpe angesammelt hatten, konnte zumindest diese Aktion noch verwirklicht werden. Hier hatte sich auch Markus Wagner helfend beteiligt, ein ehemaliger Copilot des Meisterdrifters.

Letztendlich gelang es Andreas Hulak und Jennifer Hofstädter auf den Samstags-Prüfungen, sich zeitenmäßig im Mittelfeld einzureihen und jedenfalls regelmäßig schnellere Zeiten zu schaffen als das in der HRM-Wertung uneinholbar führende Escort-Team Lukas und Helmut Schindelegger. Auch gegen das in der gleichen Kategorie gewertete Audi-Team Patrik und Verena Gaubinger konnte man sich zumeist durchsetzen. Aufgrund der durch den Restart zugewiesenen Zeiten war es zwar in der Gesamtwertung nicht mehr möglich, vom letzten Platz wegzukommen, als drittes verbliebenes Team der HRM und zweitplatzierte Teilnehmer der Kategorie 6.2 durften sich Andy und Jenny jedoch über billige Punkte und einen tollen Pokalsegen freuen. Einmal mehr erhielt die Copilotin von ihrem Fahrer unmissverständliche Komplimente: „Wirklich super, ich habe mich um nichts kümmern müssen. Manchmal habe ich beim Besichtigen nicht einmal gewusst, auf welcher SP wir waren.“ Ein Zeichen für geradezu uneingeschränktes Vertrauen.

Letztendlich: Eine tolle Stimmung, eine tolle Kulisse – geradezu genial für einen Könner wie Andreas Hulak und seine ebenso sympathischen Begleiter. Dass hier auch das Ergebnis einer hervorragenden Veranstalter-Arbeit sichtbar wurde, maßgeblich bestimmt durch den Einsatz des Organisationsleiters Georg Höfer, wollte das Team ebenso wenig unerwähnt lassen.

Nach diesem letztendlich aus sportlicher Sicht doch noch recht gelungenen Streich ist der Blick fest auf die nächste Station in der ÖRM gerichtet. Und die heißt Rebenland-Rallye.

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