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Traumstart für das Rallyeteam Schindelegger

Das Rallyejahr 2023 startet direkt mit einem Highlight: Die Jännerrallye gilt als die schwerste und längste Rallye des Jahres. Vor 140.000 Fans feiert das Rallyeteam Schindelegger nach 3 Rallyetagen den Gesamtsieg in der HRM.

Die österreichische Rallyesaison 2023 startete bei der Jännerrallye letzten Donnerstag mit einer Nachtsonderprüfung. Es standen über 700 km - davon 170 km auf Zeit - auf dem Plan. Nicht nur tausende Fans waren schon zuvor zum Shakedown gepilgert und belagerten jetzt die Strecke der ersten Sonderprüfung, sondern auch der ORF übertrug die ersten 30 Fahrzeuge live in ORF Sport plus. Und das erste Auto der Rallye war der Ford Escort des Rallyeteams Schindelegger, denn die Rallyeleitung hatte sich entschieden, die 30 interessantesten Teams in der Zeit der Fernsehübertragung zu starten.

Die Ehre, so eine große und besondere Rallye zu eröffnen, bekommen nicht viele Fahrer, doch Lukas und Helmut bedankten sich und konnten so zumindest die ersten 8 der 170 Sonderprüfungskilometer auf nasser, aber zumindest sauberer Strecke zurücklegen. Den Großteil der Rallye konnte man - dank fehlendem Schnee - getrost als Gatschpartie bezeichnen. Enge, schnelle, nasse und extrem verschmutzte Strecken stellten an alle Teilnehmer extreme Herausforderungen und die Länge der Rallye forderte noch mehr von allen ab.

Doch nichts hielt die Mühlviertler davon ab, die 3 Tage zu einem Rallye-Fest allererster Güte zu machen. Egal ob am feucht-kalten Freitag, oder dem traumhaft sonnigen Samstag, die Fans pilgerten zu Tausenden an die Strecken und feuerten jeden Teilnehmer frenetisch an. Riesige Fahnen, Tröten und das ein oder andere Feuerwerk säumten die Strecke. Eine bessere Kulisse für den Rallyesport, als diese 140.000 Menschen, die den Weg in die Freistätter Umgebung gefunden hatten, könnte man sich nicht wünschen.

Für das Rallyeteam Schindelegger startete die Rallye mit einem klaren Ziel: Ankommen, ohne grobe Fehler! Denn diese Strecke und diese Bedingungen forderten Fehler und technische Gebrechen geradezu heraus. Das zeigte sich gleich in der ersten Prüfung, wo Lukas den Escort in einer Spitzkehre nicht komplett eindrehen konnte und kurz den Rückwärtsgang bemühen musste. Mit Platz 3 und keinen 3 Sekunden Rückstand war aber nichts verloren und die erste Nachtruhe konnte entspannt angegangen werden. Zumindest konnten die Zuseher des ORFs beim erwähnten Stillstand die tollen Sponsoren des Teams eingehend betrachten, bevor die beiden in der Dunkelheit verschwanden.

In Sonderprüfung 2 am Freitag Morgen dann gleich der erste Schock: Markenkollege Andreas Hulak musste abstellen und in Sonderprüfung 3 markierten die Schindeleggers die historische Bestzeit trotz Drehers und waren nur 9 Sekunden hinter dem Audi Quattro der Gaubingers. Es zeigte sich die ganze Rallye über: Jeder Fahrer zollte mit kleinen Fehlern den Bedingungen Tribut, es galt aber gröbere Schnitzer zu vermeiden, denn die Strecke konnte auch sehr böse zurückbeißen. Überhaupt war das historische Starterfeld nicht besonders groß. Nur 3 Starter in der Klasse 6.2 und der erwähnte Quattro in der Klasse 6.3 stellten sich dem Abenteuer Jännerrallye. Ein weiterer guter Grund, die erwähnte sichere Taktik zu verfolgen, ergab sich in Sonderprüfung 5, in der das Team Gaubinger wegen Getriebeschaden abstellen musste.

Beide ausgefallenen Teams kündigten für den letzten Tag der Rallye den Restart an, was natürlich mit enormem Zeitverlust verbunden ist, aber immerhin ein paar Punkte in der Meisterschaft möglich macht.

Damit verblieb das Team Schindelegger in Führung liegend vor dem Golf des Teams Wagner/Zacharias. Die kamen aber im Laufe des Nachmittags immer besser in Schwung und konnten dem Team Schindelegger am Abend des Freitags die Gesamtführung der Historischen abnehmen. Und trotzdem: Lukas und Helmut gingen glücklich und zufrieden in die zweite Nachtruhe. Denn auch die beiden wurden nicht vom Fehlerteufel verschont und im Service musste Mike Schwingenschlögl gleich zweimal den Wasserkühler des Escorts tauschen. Der eigens angeschaffte Ersatzkühler wurde beschädigt angeliefert und trotz Nacharbeit beim Spezialisten hielt dieser nicht einmal 2 Minuten das Kühlwasser bei sich. Also blieb nur konstantes Auffüllen und die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer werden würde. Auch eine geniale Improvisation von Helmut am Überlauf des Systems konnte den Wasserverlust eindämmen. Extrem ärgerlich, wenn man hilflos von Zulieferteilen geringer Qualität abhängig ist.

Am dritten und letzten Tag waren die Konkurrenten Hulak und Gaubinger wieder am Start und zeigten großartige Zeiten, aber 30 Minuten Rückstand durch den Restart kann niemand ohne Fremdhilfe gut machen. So konnten Lukas und Helmut die Prüfungen etwas entspannter angehen und wieder Risiken vermeiden. Nach wie vor lauerten, trotz Traumwetters, in jeder Kurve Schlamm, Steine und knapp daneben Bäume oder Schneestecken, und die Geschwindigkeit der Prüfungen war durch den fehlenden Schnee enorm hoch. Welcher Faktor genau Peter Wagner dann in SP 13 zum Verhängnis werden sollte, ist unbekannt, doch ein Mast beendete dessen Fahrt abrupt und das Team Schindelegger „erbte“ die historische Gesamtführung.

Über 30 Minuten Vorsprung waren auch in den verbleibenden 4 Sonderprüfungen nicht zu verlieren und so durften - nach erneuter technischer Schlusskontrolle - Lukas und Helmut vor den 6.500 jubelnden Fans in der Messehalle den Ford Escort RS2000 auf der Bühne präsentieren und den Pokal für den HRM Sieg in Empfang nehmen. Für das Team bleiben die glückliche Erschöpfung nach drei harten Rallyetagen und die erneute Bestätigung, dass die enorme Vorbereitungsarbeit sich auszahlt.

Einen großen Dank möchte das Team an die von der Polizei geschätzten 140.000 Fans entlang der Strecke richten. Die Stimmung in Freistadt sucht in Österreich seinesgleichen und die Qualität der Organisation ist ebenfalls traumhaft. Ein weiterer Dank geht an den Ruhepol und Mechaniker des Teams - Mike Schwingenschlögl. Selbst ohne Rallye Erfahrung den Escort in unter 20 Minuten auf weitere 3 brutale Sonderprüfungen vorzubereiten, stellt keine einfache Aufgabe dar. Und natürlich gilt der Dank auch den Sponsoren, ohne deren finanzielle Unterstützung ein solcher Einsatz nicht möglich wäre.

Für das Rallyeteam Schindelegger geht es jetzt in eine kurze Pause, bis zur Fortsetzung der Staatsmeisterschaft im Rebenland am 17./18. März. Bis dahin wird sich Helmut zweifellos wieder in der Garage in mühsamer Kleinarbeit der perfekten Vorbereitung des Autos widmen.

Bis dahin dürfen sich die Fans des Teams auf die Onboard-Videos der Jännerrallye freuen, die in nächster Zeit veröffentlicht werden.

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