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‚ORM-Trophy‘ gibt Rätsel auf
Fotos: Harald Illmer

Was wurde aus dem „Masters Cup“?

Ein Masters Cup nach WM-Vorbild - die Einschreibgebühr ergeht direkt an die Junioren. Doch dann: Nur ein Teilnehmer! Warum? Wir haben nachgefragt.

Noir Trawniczek

Die Jännerrallye als Auftakt zur Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft (ORM), zugleich die erste Rallye unter dem neuen Promotor, der gemeinnützigen Rallye-Sport Promotor gGmbH, war ein kräftiges Ausrufezeichen. Der Live-Stream des Veranstalters und die Live-Übertragungen des ORF boten den Akteuren gehörige Medienpräsenz, die Zuschauerzahl bei dieser Ausgabe der Kultrallye hatte beinahe schon Monte-Kapazitäten. Hier kann man also nur von einem großen Erfolg, einem großartigen Saisonauftakt sprechen.

Ein Detail jedoch gibt Rätsel auf. Man könnte meinen, die Geschichte rund um einen geplanten Masters Cup für Piloten ab 50 Lebensjahren, nach Vorbild der Weltmeisterschaft, sei eine geradezu typisch österreichische Posse - mit sämtlichen Ingredenzien heimischer Streitkultur. Bestehend aus Existenzängsten, verletzten Eitelkeiten und natürlich der unvermeidlichen, geradezu reflexartigen „Wadelbeißerei“...

Weil motorline.cc im September in einem Artikel das Ansinnen von Raimund Baumschlager und Thomas Zeltner („Wir fahren mit Armin Kremer in der WRC2 Masters und ich sehe, welchen Spaß die Fahrer über 50 haben, da ist niemand mehr so verbissen. Und ich habe mit Leuten wie Kris Rosenberger oder Max Zellhofer gesprochen, die auch alle über 50 sind und das begrüßen würden. Sie wollen nicht mehr das letzte Risiko gehen und dennoch um etwas fahren - die Veranstalter würde es maximal drei Pokale kosten und ich denke, dass so der eine oder andere wieder fahren würde.“) aufgegriffen hatte, einen solchen Cup in Österreich abzuhalten, fühlen wir uns nun auch verpflichtet, darüber zu informieren, was aus diesem Projekt geworden ist.

Masters finanzieren Junioren

Zunächst wurde dieser Plan eingentlich noch verschönert: Denn die Einschreibgebühr für den Cup sollte direkt in die Nachwuchsförderung fließen. Sodass die Sieger der Junior ORM beispielsweise eine Rallye in einem rally4-Fahrzeug erhalten können. Dafür hat die AMF sogar auf die Einschreibgebühr eines meisterschaftsähnlichen Bewerbs verzichtet. Großartig, eigentlich...

Warum also gab es bei der Jännerrallye mit Rudolf Leitner nur einen einzigen Teilnehmer in diesem neuen Cup? Und warum heißt er nun „ORM Trophy“? Ein Name, der rein gar nichts mehr von jener Wertschätzung innehat, die man mit dem Namen „Masters Cup“ hätte vermitteln wollen? Schließlich gehört es auch zu den Zielen eines solchen Cups, frühere Meister zu motivieren, wieder ins Rallyecockpit zu steigen...

Masters, Gentlemen, noname

Wir haben bei Willi Singer, dem Vorsitzenden der AMF-Rallyekommission nachgefragt, er erklärt: „Der Name Masters Cup wurde in der Kommission nicht angenommen - man hatte Angst, dass man dann glauben würde, der Masters Cup sei wichtiger als die ORM selbst.“ So wurden die „Masters“ kurzerhand zu „Gentlemen“ - doch nicht lange: „Die AMF hat den Namen Gentlemens Cup abgelehnt, weil nicht mehr genderspezifisch agiert werden darf, es könnten ja auch weibliche Piloten teilnehmen.“ So wurde der Name „ORM Trophy“ aus der Taufe gehoben - den Grund erklärt Günter Knobloch von der Rallye-Sport Promotor gGmbH: „In Deutschland hat man ebenfalls einen solchen Cup und der heißt DRM Trophy, da wollten wir einfach gleichziehen, schließlich könnten ja auch Piloten aus Deutschland an dem Cup teilnehmen.“

Warum ohne Baumschlager?

Was am allermeisten verwundert, ist die Tatsache, dass sich mit Raimund Baumschlager ausgerechnet jener Pilot, der sich öffentlich für einen solchen Cup eingesetzt hat, nicht in den Cup eingeschrieben hat. Das wundert auch Willi Singer: „Raimund hat mich damals angerufen und sich für einen Masters Cup eingesetzt - er sagte damals auch: Wenn es einen solchen Cup geben würde, dann würden sich auch Leute wie ein Kris Rosenberger oder auch deutsche Altmeister einschreiben.“

Rosenberger sagt dazu: „Ich war niemals an der Teilnahme an einem solchen Cup interessiert, da ich keine ganze Saison fahren werde.“ Doch warum hat ausgerechnet der Initiator eines solchen Cups auf seine Teilnahme verzichtet?

Raimund Baumschlager erklärt gegenüber motorline.cc: „Es gab einige negative Kommentare, wie das in unserem Land üblich ist - doch ich will rallyefahren, weil es mir Freude bereitet. Und nicht, um mich ärgern zu müssen. Und es ging mir nicht darum, dass ich weitere Titel einfahren kann.“ Der Rekord-Staatsmeister hat Recht - es gab von Anfang an kritische, mitunter deftig hämische Kommentare wie jenen von Achim Mörtl: „Ich verstehe, dass Raimund einen solchen Cup möchte - denn so kann er weitere sechs Titel an Land ziehen.“ Weitere solcher Kommentare kann man in besagter Story nachlesen.

Dass es auch Kritiker eines Masters Cup gibt, wusste man also von Anfang an. Baumschlager fügt hinzu, dass es erst zwei Tage vor der Jännerrallye eine Ausschreibung für den nunmehr „ORM Trophy“ genannten Cup gab und dass er offensichtlich nicht begeistert war: „Ich hatte den Eindruck, dass es lediglich darum ging, dass die alten Herren einzahlen, dass wir nur Mittel zum Zweck sind. Am Ende des Jahres hätte es einen einzigen Pokal gegeben, doch wir sitzen bekanntlich zu zweit im Auto.“ Man könnte also zusammenfassen, dass Raimund Baumschlager eine gewisse Lieblosigkeit verspürt hat - tatsächlich wurde die ORM Trophy beim Saisonauftakt so gut wie gar nicht genannt, was wiederum bei einem einzigen Teilnehmer wenig verwunderlich ist...

16 potentielle Teilnehmer

Potentiell würde es in Österreich 16 Teilnehmer geben, die der Altersklasse ab 50 Lebensjahren entsprechen würden. Je nach Einschreibgebühr könnte hier also durchaus das Ziel, dem Junior-Staatsmeister eine Rallye im rally4-Auto zu finanzieren, locker umgesetzt werden. Das gefällt auch Willi Singer: „Die Tatsache, dass die Einschreibgebühr direkt in die Juniorenförderung fließt, ist doch großartig.So war es gedacht und ich verstehe auch nicht, warum sich dann nur ein einziger Teilnehmer eingeschrieben hat.“

Doch es besteht immer noch Hoffnung: Denn laut Singer und Knobloch kann man sich bei jedem ORM-Lauf in die ORM Trophy einschreiben. Günter Knobloch bittet um Verständnis: „Dieser Cup hatte rund um den arbeitsintensiven Saisonauftakt nicht die oberste Priorität.“ Knobloch verspricht jedoch: „Wir werden mit den potentiellen Teilnehmern Rücksprache halten und im Vorfeld der Rebenland-Rallye dazu weiteres kommunizieren.“ Es gilt also auch für diese gute Idee eines Master Cups mit direkter Juniorenförderung: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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