RALLYE

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Reportage: Red Stag Rallye Extreme
Foto: privat

Als Copilot auf der legendären SP „Haraseben“

Mit Gerwald Grössing und Kris Rosenberger auf den schlammig-rutschigen Prüfungen des „Red Stag Rallye Extreme“...

Noir Trawniczek

„Einfach klopfen“, antwortet Gerwald Grössing auf die Frage, was man tun könne, wenn einem die Fahrt dann doch zu steil werden sollte - denn eine Intercom zwischen Fahrer und Beifahrer gibt es heute nicht. Es ist der 24. Juni 2023 - Grössing lud zum „Red Stag Rallye Extreme“, einer Art „Freiem Fahren“ oder wie es Gerwald beschreibt: „Ein Happening, ein Treffen unter Freunden, bei dem die Freude am Fahren im Vordergrund steht...“

Gefahren wird nicht irgendwo, sondern auf jenen archaisch-mächtigen Schotter-Prüfungen wie „Haraseben“, welche durch die frühere Schneebergland-Rallye in ganz Europa Bekanntheit erlangt haben. Selbst „ausgekochte“ Rallyepiloten sprechen voller Ehrfurcht von diesen Strecken in den Gutensteiner Alpen - es sind Forstwege, die das Herz jedes Rallyepiloten höher schlagen lassen: Enge Kurven, schmale Vollgaspassagen, steil emporragende Felswände, Sprünge und „Knautschzonen“, die aus Bäumen oder bedrohlich wirkenden Abhängen bestehen. „Abfliegen“ will man hier lieber nicht...

Selbst der Hausherr, der hier als Forstwirt lebt, machte 2018, nach einem epischen Sekundenkampf gegen Niki Mayr-Melnhof um den möglichen Heimsieg eine schmerzhafte Erfahrung: Abgerissenes Kreuzbein, Ohnmacht, schwere Schädelprellung, Abtransport mit dem Rettungshubschrauber, Intensivstation, Ende der Schneebergland-Rallye, Ende der aktiven Rallye-Karriere, die Gerwald Grössing einen ORM-Sieg und den Vizestaatsmeister 2013 einbrachte. 2021 noch ein umstrittenes Veranstalter-Comeback - seither genießt Grössing nur noch die Freude am Speed, betreibt eine Enduro Strecke...

„Eine schöne Zeit unter Freunden“

Rallyegefahren wird nur noch just for fun - beim neuen „Red Stag Rallye Extreme“. Hier geht es nicht um den Kampf gegen die Stoppuhr, sondern um die pure Fahrfreude - wenngleich die Sicherheit der Teilnehmer groß geschrieben wird: „Es sind zwei Prüfungen mit acht Kilometern Länge - wir haben alle 500 Meter einen Streckenposten, wir haben Rettung und Feuerwehr im Einsatz. Die Helfer sind allesamt Freunde - denn wir sind eine große Familie. Wenn wir hier fahren, dann ist das für mich Partytime, einfach eine schöne Zeit unter Freunden.“

An diesem Samstag hat der „Wettergott“ für verschärfte Bedingungen gesorgt - Regen macht aus dem staubigen Schotter eine schlammige Rutschpartie, die auch die hier fahrenden Profis als „wirklich schwierig“ bezeichnen.

Ritt auf der Rasierklinge

Der mausgraue, ein wenig in die Jahre gekommene Mitsubishi von Gerwald Grössing setzt ohne Restriktor satte 420 PS frei - der Allrad-Muskelprotz beschleunigt entsprechend brachial. Grössing genießt es sichtlich, den Wagen über seine Hausstrecke zu jagen. Es ist der bekannte „Ritt auf der Rasierklinge“ - seitlich runterschauen sollte man tunlichst nicht, denn hier lauern echte Abgründe. Doch genau das macht auch den Kick aus. Auch die Bremswirkung ist kaum zu glauben - trotz Nässe und Schlamm kann es Grössing auch dort noch „stehen lassen“, wo man selbst längst in die Eisen gestiegen wäre...

Kaum zurück, dürfen wir zu Kris Rosenberger umsteigen .- er pilotiert einen modernen VW Polo GTI R5. Auffällig ist die wesentlich tiefere Sitzposition - man wundert sich, wie Copilot*innen aus dem „Aufschrieb“ vorlesen können, wo man doch kaum etwas von der Strecke sieht. Dieses Auto mit seinem modernen Fahrwerk verlangt eine andere Fahrweise - Rosenberger fährt „runder“, zirkelt den Polo geradezu elegant über die Strecken. Wo sich Grössing im Mitubishi mit einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal aus den engen Kurven herauskatapultiert, setzt Rosenberger darauf, dank des exakten Fahrwerks möglichst viel Speed in die Kurven mitzunehmen....

Unbändige Lebensfreude

Egal ob der „betagte“, doch kräftigere Mitsubishi oder der Hightech-R5 (eigentlich rally2, also die höchste in Österreich erlaubte Fahrzeugkategorie) - auf dem „heißen Sitz“ überkommt einen diese unbändige Lebensfreude, die wohl auch dem Adrenalin geschuldet ist, das der Körper gut und gerne ausschüttet. Immer wieder muss man zu lachen beginnen - eigentlich die schönste Form von Lachen: jenes aus purer Freude am gerade Erlebten...

Dieser Freude möchte Gerwald Grössing künftig regelmäßig Zeit und Raum geben - eine „echte“ Rallye möchte er nicht mehr veranstalten, doch das neue „Red Stag Rallye Extreme“ soll ein fixer Bestandteil im Kalender jener Pilot*innen und Copilot*innen werden, welche die wunderschönen Schneebergland-Strecken einfach nur genießen wollen...

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