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Manfred Stohl im Interview, Teil 1
Fotos: STARD

„Lang ersehnten Traum verwirklicht“

Manfred Stohl im großen zweiteiligen Interview. Teil 1 handelt vom Erwerb des Fahrtechnikzentrums Pachfurth und stellt die Frage, warum die großen Talente Lichtenegger und Neulinger von Partner WMS zu BRR abgewandert sind…

Noir Trawniczek

Für Manfred Stohl war es wohl Weihnachten, Geburtstag und alles andere zusammen - denn der WM-Vierte des Jahres 2006, mittlerweile Betreiber der internationalen Entwicklungsfirma STARD konnte sich mit dem Erwerb des Fahrtechnikzentrums Pachfurth einen Lebenswunsch erfüllen: Eine eigene Teststrecke auf dem Firmengelände. Wir haben gratuliert und auch gleich aktuelle Fragen gestellt…

Gratulation Manfred - mit dem Erwerb des Fahrtechnikzentrums Pachfurth hast du dir wohl einen Lebenstraum verwirklicht…

Danke, das kann man durchaus so sagen. Pachfurth war schon immer unsere Teststrecke, wo wir unsere Rollouts durchgeführt haben. Das war immer das Naheliegendste - und man darf das nicht nur motorsportlich sehen, wir haben da auch einige unserer anderen Entwicklungs-Tests durchgeführt. Und irgendwann hat sich die Idee entwickelt, in Pachfurth unser neues Firmen Headquarter zu errichten.

Ihr werdet also komplett nach Pachfurth übersiedeln?

Ja, das wurde bereits zu einem Großteil vollzogen, in Großenzersdorf gibt es nur noch eine Art Journaldienst. Ich habe mir da wirklich einen lang ersehnten Traum verwirklicht. Wir können neue Entwicklungen umgehend auf der eigenen Teststrecke ausprobieren - besser kann es nicht sein.

Wenn man die Luftaufnahmen dieses Fahrtechnikzentrums betrachtet, könnte man auch auf die Idee kommen, dort auch Motorsport-Veranstaltungen abzuhalten. Wird es so etwas geben?

Da habe ich aktuell noch keine Pläne. Aber es gibt natürlich Veranstaltungen, die in der Vergangenheit dort abgehalten wurden, zum Beispiel ein Slalom vom regionalen Motorsportverein - so etwas wird es sicher weiter geben, aber wir haben derzeit keine Pläne, weitere Veranstaltungen abzuhalten. Man muss dazusagen, dass wir ja das gesamte Fahrtechnikzentrum samt Mitarbeiter übernommen haben und dass wir den Betrieb als Fahrtechnikzentrum unverändert fortführen werden.

Du hast im Laufe des Jahres zwei Fahrer als große Talente bezeichnet. Maximilian Lichtenegger und Marcel Neulinger. Beide waren bei deinem Kooperations-Partner Waldherr Motor Sport (der sich zum Zeitpunkt des Interviews auf Weihnachtsurlaub befand, Anmerkung)- beide sind nun bei Baumschlager Rallye Racing gelandet.

Bei Lichtenegger war es ja schon länger bekannt, dass er zunächst zu Gassner und jetzt zu BRR gewechselt ist. Bei Neulinger ist es ganz offensichtlich so, dass er sich bei BRR wohler fühlt bzw. ihm das so nahegelegt wurde. Ich denke, dass seine Berater glauben, dass es dort besser ist als bei WMS. Das ist aber jetzt nichts Schlimmes. Es ist schade um den Marcel Neulinger - also schade für Luca und sein Team, denn ich glaube, dass Sie gut zusammengearbeitet haben. Aber so ist das Business. Für mich ändert das aber nichts daran, dass ich der Meinung bin, dass Marcel Neulinger wahrscheinlich die einzige Nachwuchshoffnung ist, die wir momentan haben. Und natürlich auch Lichtenegger - das sind zurzeit die einzigen beiden Jungpiloten, die über ein Potential und Budget verfügen. Ob sich Lichtenegger mit dem permanenten Teamwechsel etwas Gutes tut - er war zuerst bei WMS, dann ging er zu Gassner, zwischendurch noch in Slowenien und jetzt ist er bei BRR gelandet - bezweifle ich schon sehr.

Ist Maximilian Lichtenegger eine rastlose Seele?

Das weiß ich nicht. Lass es mich so ausdrücken: Ich habe wenig mit diesen Geschäften zu tun und das ist auch nicht mein Thema. Es betrifft auch nicht meine Kooperation mit Luca Waldherr. Weil das in den meisten Fällen sein eigener Geschäftsbereich ist. Mein Geschäftsbereich betrifft Bereiche wie die Europameisterschaft und auch den Opel E-Cup im Auftrag von Opel Motorsport sowie diverse Tests und Events in den USA. Und dass ich in diesem Zusammenhang Aufträge an Waldherr Motor Sport weitergebe, die er für uns abwickeln kann. Das betrifft kaum Neulinger noch Lichtenegger in einer tieferen Form. Aber lass es mich so ausdrücken: Das Rallye-Geschäft ist momentan sicher ein sehr schwieriges.

Von außen betrachtet könnte man aber auch den Eindruck erhalten, dass es einen Aufwind gibt. Dass Marcel Neulinger mit BWT einen Sponsor an Land gezogen hat, den man aus Formel 1 und DTM kennt - ist das nicht großartig für den heimischen Rallyesport?

Für den heimischen Rallyesport, in der heutzutage schwierigen Zeit, ist das, was Marcel Neulinger da gelungen ist, natürlich mega, mega, mega. Es ist ein Lichtblick, dass hier wieder eine neue Farbe im Rallyesport auftaucht. Da muss man sehr, sehr froh sein darüber.

Im zweiten Teil des Manfred Stohl-Interviews werfen wir einen Blick auf die Rallye-Weltmeisterschaft, auf das ab 2027 geltende Reglement. Gibt es hier einen Aufwärtstrend? Oder drohen andere Dinge, die bisher wenig bedacht werden? Und: Wie geht es weiter mit den elektrischen Rallyeautos? Teil 2 des interessanten Gesprächs mit Manfred Stohl finden Sie ab Montagmittag auf motorline.cc

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