EHRC Gravel, Lahti: Bericht Schindelegger | 28.08.2026
Schindeleggers mit Top-Platzierung in EHRC
Das Rallyeteam Schindelegger spielt seine bisherigen Finnland Erfahrung komplett aus und sichert sich trotz starker Konkurrenz viele Punkte für die Meisterschaftswertung.
Finnland, das Mutterland der Rallyeszene, ist nicht umsonst berühmt und berüchtigt. Auf den breiten Schotterstrecken finden sich unzählige Kuppen und Kurven. Doch beides legt sich in einer Manier in die Landschaft, die den Fahrern nur “Vollgas!” zurufen möchte.
Bei der diesjährigen Historic Lahti Rally stellten sich 87 Teams an den Start und davon 14 Fahrzeuge in der Klasse 3B, darunter auch das Rallyeteam Schindelegger in dem eigentlich unterlegenen Gruppe 2 Escort, denn auch die Gruppe 4 Escorts mit dem BDA Motor finden sich in dieser Klasse wieder. Der Unterschied, wie so oft beschrieben, lässt sich mit knapp 100 PS und einem anderen Fahrwerk am Besten zusammenfassen.
Also ein Nachteil, der eigentlich kaum wettzumachen ist, vor allem auf den Strecken durch die finnischen Wälder, die Schnittgeschwindigkeiten auf Schotter von deutlich über 100 km/h ermöglichen. Doch diese Mitteilung scheinen Lukas und Helmut Schindelegger nicht bekommen zu haben, oder sie haben sie gekonnt ignoriert. Denn schon von Prüfung 1 an fanden sich die Beiden mitten unter den Gruppe 4 Escorts in der Klasse und setzten die Konkurrenz dermaßen unter Druck, dass sich einige für einen spontanen Ausflug in die Szenerie entschieden.
Vollkommen problemlos verhielt sich der Escort des Teams in technischer Hinsicht wieder einmal. Öl nachschauen, Sprit nachfüllen und Reifen durchwechseln. Das wars für das Rallyeteam Schindelegger, denn es war nicht mehr zu tun im Service. Sogar die Pirelli Schotterreifen zeigten nur an der Hinterachse Verschleiß und damit reichten dem Team 4 Reifen für die gesamte Rallye. Der Gesamtsieger Latala benötigte hier eher 16 Stück.
Wie schmal der Grat auf den finnischen Strecken ist beschreibt Lukas so: “Man fliegt mit weit über 100 km/h über Kuppen, verliert komplett den Bodenkontakt und die Straßen sehen zwar breit aus, man muss aber zwingend die Linie der Fahrzeuge voraus treffen, sonst ist gar kein Grip mehr da und man fliegt unweigerlich ab.”
Der perfekte Schrieb, die makellose Leistung beim Vorlesen von Helmut und das blinde Vertrauen im Schindelegger Cockpit, sorgten eben bei dieser Rallye wieder dafür, dass die Linien getroffen wurden und der Escort mit dem Driftwinkel der gerade eben benötigt wurde um die Kurven geprügelt wurde. Gerade diese schnörkellose Linie zeichnet Lukas aus. Sie ist zwar nicht besonders spektakulär, doch der so wichtige Schwung wird mitgenommen und die Zeiten zeigen eindrücklich, wie effizient diese Fahrweise ist.
“Wir sind die gesamte Rallye so kontrolliert gefahren, dass wir nie einen Moment hatten, wo ein Abflug gedroht hätte. Und trotzdem ist es vor jeder Kuppe ein innerer Kampf zwischen der Vernunft und dem, was im Schrieb steht.”
Das Vertrauen in den Schrieb gewann, das Tempo und der Schwung wurde mitgenommen und so platzierte sich das Rallyeteam Schindelegger auf Platz 5 der Klasse 3B. Vor den schwedischen BDA Stars Hedlund/Svennson und vielen anderen.
Durch 2 Gaststarter, die vor den Schindeleggers in das malerische Zielgelände des Lahti Hafens einrollten, bekamen Lukas und Helmut sogar Punkte in der Europameisterschaft für Platz 3.
Das sorgt vor der East Sweden Rally, die schon dieses Wochenende stattfindet, für ein sensationelles Zwischenergebnis für das Rallyeteam Schindelegger. Lukas und Helmut befinden sich zur Stunde auf Platz 2 (zusammen mit Nico Mazza) der 2WD Wertung und ebenfalls Platz 2 der EHRC Schotter Europameisterschaft Kategorie 3!
Wie gut die beiden diese unglaubliche Platzierung verteidigen können, ist offen, denn in die Wertungen gehen nur 3 der 5 Rallyes ein und durch die konstante Punkte der Schindeleggers, sind hier keine “Streicher” zu finden.
Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie die Situation nach der East Sweden Rally aussehen wird. Lukas und Helmut blicken schon mit großer Vorfreude auf das für sie unbekannte Event. Nur so viel zu den Strecken: Sie sind zwar nicht so schnell wie Finnland, doch könnte die beschriebene saubere Linie der Waldviertler den Strecken entgegenkommen.
Das Rallyeteam Schindelegger ist auf jeden Fall gerüstet. In den zwei Tagen, die nicht mit Rallye-Programm gefüllt waren, tauschten Lukas und Helmut auf der Einfahrt vor der Unterkunft in Schweden einige Fahrwerksteile, die den Dienst quittierten. Auch nicht alltäglich, aber eine Schraubereinheit, die den beiden sicherlich lange im Gedächtnis bleibt.


















