EHRC/ORM/ARC, Weiz: Schlussbericht | 18.07.2026
Hermann VI. ist der König von Weiz
Hermann Neubauer gewann seine Lieblingsrallye zum sechsten Mal und ist plötzlich Topfavorit im Staatsmeister-Rennen / Marcel Neulinger verteidigte den Titel in ORM 3 und Junioren / Karl Wagner wurde Zweiter in der EHRC
Die heurige Rallye Weiz wurde wiederum zu einem der Höhepunkte im heimischen Rallyesport. Die Veranstaltung die insgesamt zum vierzehnten Mal als ORM-Lauf über die Bühne ging, zählte heuer als fünfter Lauf zur TEC7 Rallye Staatsmeisterschaft, zum siebenten Mal in Folge zur FIA European Historic Rallye Championship, zum vierten Mal zum ADAC Opel GSE Rallyecup und als fünfter Saisonlauf zur Austrian Rallye Challenge (ARC).
Das Veranstalter Duo Mario Klammer und Peter Eibisberger konnte nicht weniger als 80 Starter aus insgesamt 14 Nationen begrüßen. Um den vielen Teams aus dem In- und Ausland sehr gute Bedingungen zu bieten, wurde die Servicezone für die EHRC-Fahrzeuge wesentlich vergrößert, das Regrouping örtlich verlegt und am Donnerstag, 16. Juli 2026 die beliebte Opening Party am Abend in der Europaallee in Weiz wieder zum schon gewohnten Zeitpunkt vor vielen begeisterten Zuschauern durchgeführt. Dort konnten sich die Fans auch Autogramme von den Stars wie Jari Matti Latvala, Francois Delecour, Simon Wagner, Hermann Neubauer und Michael Lengauer abholen.
Der Wettergott hatte wie fast jedes Jahr neben strahlendem Sonnenschein auch wieder eine gehörige Portion Gewitter im Gepäck, das hinderte aber die vielen Tausenden Zuschauer nicht, zu den 11 Sonderprüfungen zu kommen.
Mit diesen positiven Aspekten konnten sowohl Mario Klammer als auch Peter Eibisberger eine positive Bilanz ziehen. „Als erstes wollen wir uns bei den vielen Tausenden Rallyefans für ihr Kommen bedanken. Sie waren dafür verantwortlich, dass man wieder von einem echten Publikums-Hit bei der Rallye Weiz sprechen konnte. Bedanken wollen wir uns bei den Sponsoren für ihre Bereitschaft, hier entscheidend mitzuwirken, der Dank geht auch an die Aktiven und die Teams und vor allem an unsere vielen freiwilligen Helfern, ohne deren wertvolle Arbeit so ein Groß-Event einfach nicht durchführbar wäre. Unser Dank geht auch an die Vertreter der Feuerwehren, der Polizei, der Rettung mit dem Notärzte-Team, natürlich auch den Anrainergemeinden, der Stadt Weiz und unserer internen Funktionärsmannschaft, die schon weit vor der Rallye ihre wichtige Arbeit begonnen hat.“
Zum sportlichen Verlauf
Die 14. Rallye Weiz zählte sicher zu den spektakulärsten ihrer Art. Nicht nur, dass sich der Salzburger Hermann Neubauer mit seinem (nach 2016, 2017, 2018, 2022 und 2024) sechsten Sieg zum erfolgreichsten Piloten auf Weizer Asphalt krönte, eröffnete er sich auch noch die beste Ausgangslage für seinen (nach 2016 und 2019) dritten Staatsmeistertitel bei der abschließenden 1000-Hüel-Rallye in Krumbach.
Ausschlaggebend dafür war freilich der unerwartete Ausfall des fünffachen österreichischen Champions Simon Wagner nach einem Unfall auf der heutigen SP 7 Thannhausen. Wann ihm so ein Missgeschick zuletzt bei einem heimischen Event passiert ist, daran konnte sich der Oberösterreicher selber nicht erinnern.
„Das war kein gutes Wochenende für mich“, war Wagner natürlich enttäuscht. „Der Tag hat mit einem technischen Defekt begonnen, wodurch ich eineinhalb Minuten verloren habe und auf Platz vier zurückgefallen bin. Nach der Reparatur wollte ich natürlich Zeit gutmachen, um vielleicht noch Platz drei zu holen. Wenn du voll riskierst und dann die Ideallinie um einen Zentimeter verfehlst, bist du weg. Und das ist mir leider passiert. Natürlich wär’s im Nachhinein gesehen vielleicht besser gewesen, wenn ich mich mit dem vierten Platz zufriedengegeben hätte, aber ich bin Rennfahrer und peile eben immer das für mich noch möglich erscheinende Ziel an.“
Nutznießer, aber deswegen keineswegs unverdienter Sieger der Rallye Weiz 2026 war also Hermann Neubauer, der damit untermauerte, warum er den Lauf in der Oststeiermark als absolute Lieblingsrallye erachtet. Neubauer ging voll fokussiert in die Rallye. Schon seine Ankündigung „Alles andere als ein Sieg wäre eine Niederlage für mich“ unterschied sich diesmal von seinem üblichen „Ich will in erster Linie Spaß haben“. Spaß hatte er dann ja trotzdem. Vor allem die Tatsache, dass er seine Verfolger von Beginn an kontrollieren konnte, hob die Laune des Toyota-Piloten. Ohne Mühe wehrte er die Angriffe von Michael Lengauer oder Albert von Thurn und Taxis ab und ließ ihnen kein Erfolgserlebnis. 8 von 11 Sonderprüfungen beendete Neubauer als Schnellster, einmal war Simon Wagner vorn, zwei Mal (witterungsbedingt) der EHRC-Topstar Jari-Matti Latvala.
Die Stimmen der Podest-Piloten
1. Hermann Neubauer (Toyota Yaris Rally2): „Ich freue mich natürlich über den Sieg, der gar nicht so leicht war, wie es vielleicht ausgesehen hat. Die Wetterkapriolen haben die Reifenentscheidungen sehr schwierig gemacht, aber das Team hat das immer super gelöst. Für Simon tut es mir wirklich leid, ich hätte ihn gerne auf der Strecke besiegt, aber das gehört halt auch zu unserem Sport dazu, und das weiß Simon auch. Ich habe im Vorfeld der Rallye überlegt, ob ich beim Saisonfinale überhaupt starten werde. Ich denke, wenn ich jetzt nicht starte, bin ich selber schuld.“
2. Michael Lengauer (Citroen C3 Rally2): „Ich gratuliere Hermann zum Sieg. Weiz ist sein Wohnzimmer, und das hat man wieder gesehen. Wir hatten nie die Chance, ihn wirklich zu gefährden. Deshalb war es umso wichtiger, den zweiten Platz nach Simons Ausfall abzusichern. Jetzt haben wir ein großes Finale mit drei Titelkandidaten. Ich kann nur mit einem Sieg Meister werden, also werde ich alles versuchen, in Krumbach zu gewinnen. Für Luca Waldherr freut es mich, dass seine Rallye dadurch noch aufgewertet wird.“
3. Albert von Thurn und Taxis (Skoda Fabia Rally2): „Letztes Jahr ist es sich hier knapp nicht ausgegangen und wir sind nur Vierter geworden. Das haben wir heuer zum Glück wettmachen können. Deshalb sind meine Copilotin Jara Hein und ich überglücklich mit diesem dritten Platz bei einer wirklich schwierigen, aber umso tolleren Rallye. Es ist immer wieder schön für uns, in Österreich am Start zu sein.“
Der Rest der Rally2-Piloten erledigte die Rallye im Rahmen ihrer Möglichkeiten höchst zufriedenstellend. Peter Hopf wurde nach Problemen mit der Handbremse am ersten Tag heute guter Sechster. Und seinem steirischen Landsmann Andreas Höfler im gleichen Fabrikat gelang überhaupt ein Husarenstück. Nachdem ihn ein Reifenschaden gesterrn Abend nur auf Platz 48. übernachten ließ, arbeitete er sich heute mit einer tollen Performance auf den achten Gesamtrang vor.
Wichtige Punkte im Kampf um den Titel in der ORM 2 sammelte Christoph Zellhofer (Suzuki Swift ZMX) mit seinem Sieg in Weiz. Dies vor allem deshalb, weil der bisherige Gesamtleader Günther Knobloch nach einem wilden Abflug auf SP 9 Gollersattel seinen Renault Clio Rally3 zerbeulte und sohin eine Nullnummer produzierte. Dabei hatte der Grazer schon die besseren Karten in der Hand, als sich Zellhofer heute in der Früh von der Strecke drehte, im Versuch den Rückwärtsgang einzulegen den Motor abwürgte und so eine mehr als halbe Minute an Knobloch verlor. Platz zwei holte sich dann der Birkfelder Fabian Zeiringer (Renault Clio Rally3) bei seinem kurzfristigen Comeback in der ORM 2.
Souverän wie heuer und auch schon im letzten Jahr agierte Marcel Neulinger in der ORM 3. Der junge Oberösterreicher im Lancia Ypsilon Rally2 wiederholte mit seinem fünften Saisonsieg den Staatsmeistertitel des Vorjahres. Sowohl in der Klasse der zweirad-getriebenen Fahrzeuge als auch in der RP Tools Junioren-Staatsmeisterschaft.
Mit Neugier war auch der Vergleich zwischen Elektro und Benzin erwartet worden. Weshalb man die Teilnehmer des ADAC Opel GSE Rally Cups mitten ins ORM-Starterfeld integrierte. Die Antwort lautet: Der Deutsche Timo Schulz belegte als bester Opel-Mokka-GSE-Pilot den letztendlich guten 13. Gesamtplatz. Bester Österreicher im Elektro-Sektor war Luca Pröglhöf auf Platz 20.
ARC-Sieger wurde Christoph Zellhofer.
Rallye Weiz 2026, Endstand TEC7 ORM nach 11 Sonderprüfungen:
Punktestände in der TEC7 ORM nach der Rallye Weiz
ORM: 1. Hermann Neubauer 112 Punkte, 2. Michael Lengauer 106, 3. Simon Wagner 101.
ORM 2: 1. Günther Knobloch 138 Punkte, 2. Christoph Zellhofer 126, 3. Roland Stengg 67.
ORM 3: 1. Marcel Neulinger 167 Punkte (Staatsmeister 2026), 2. Lukas Dirnberger 116, 3. Nico Neulinger 99.
ORM JUNIOR: 1. Marcel Neulinger 167 Punkte (Staatsmeister 2026), 2. Lukas Dirnberger 124, 3. Thomas Traußnig 106.
ORM-Finale Land der 1000 Hügel Rallye am 28./29. August in Krumbach/Wechsel.
EHRC: Starke Österreicher, noch stärkerer Pole
Das war wohl zu erwarten: Nach seinem gestrigen Missgeschick, als er auf SP 3 in einen Graben rutschte und von dort nicht mehr herauskam, litt der finnische Weltklasse-Pilot Jari-Matti Latvala am akuten Aufhol-Fieber. Der Toyota-Pilot fuhr heute in acht Prüfungen acht herausragende Bestzeiten und holte trotz zehnminütiger Strafzeit für die gestern nicht beendeten Sonderprüfung noch den siebenten Gesamtplatz.
Vorne tobte ein Porsche-Fight zwischen dem Polen Maciej Lubiak und Österreichs Historic-Aushängeschild Karl Wagner. Der Wiener kämpfte in der Früh mit Getriebeproblemen, verlor die Führung und konnte diese nicht mehr zurückholen. Lang mischte sich auch der sensationell schnelle Steirer Martin Karlhofer im Lancia Delta Integrale ins Geschehen um einen Podestplatz ein, lag kurzfristig sogar auf Platz zwei, ehe er am Ende doch noch von Karl Wagner und dem Italiener Renato Travaglia (BMW E30 M3) auf Platz vier verdrängt wurde.
In der EHCR PR2000 gewann der französische Topstar Francois Delecour (Peugeot 306 Maxi) überlegen mit 2:13,9 Minuten bzw. 2:35,0 Minuten vor den beiden Briten Colin Turkington und Earnie Graham (beide BMW E30 M3).
Rallye Weiz 2026, Endstand EHRC PRE 92 nach 11 Sonderprüfungen


















