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Jännerrallye:  Bericht
Foto: Daniel Fessl

Simon Wagner feiert Premierensieg in Freistadt

Staatsmeister Simon Wagner gewann mit der LKW FRIENDS on the road Jännerrallye powered by WIMBERGER endlich jene Rallye, die für ihn schon fast zum Fluch geworden war / Lokalmatador Martin Rossgatterer holte sich die ORM 2 / Marcel Neulinger siegte in der ORM 3

Bereits zum 39. Mal wurde die heimische Motorsportlandschaft mit dem absoluten Rallyeklassiker der LKW FRIENDS on the road Jännerrallye powered by WIMBERGER mit Start und Ziel im oberösterreichischen Freistadt eröffnet.

Auch heuer pilgerten wieder unzählige Rallyefans ins Mühlviertel, um den Rallyeartisten bei ihrer Arbeit genau zuzuschauen. Ersten Schätzungen zufolge haben sich entlang der 18 sehr selektiven Sonderprüfungen rund 100.000 Zuschauer eingefunden und waren von den gebotenen Leistungen mehr als begeistert.

So wie in den Jahren zuvor waren die Veranstalter der Rallyeclub Mühlviertel gemeinsam mit der Jännerrallye Freistadt gGmbH dafür verantwortlich. Die beiden Speerspitzen dafür waren der Obmann des Rallyeclubs Mühlviertel bzw. der Geschäftsführer der gGmbH, Christian Birklbauer und Georg Höfer. So wie schon in der Vergangenheit haben sie ihre Aufgaben ehrenamtlich übernommen und wurden durch ein sehr erfolgreiches Team von freiwilligen Helfern tatkräftig unterstützt.

Auch heuer war man im Vorfeld dieses absoluten Rallyeklassikers bemüht, wieder einige Premieren in den Ablauf einzubauen. So wurde die Liveberichterstattung weiter verbessert, außerdem hat man die Sendung in vier Sprachen präsentiert, wobei im englischen Teil Hollie MacRae, die bildhübsche Tochter des englischen Rallyekings Colin McRae, für die Präsentation sorgte. Weiters wurde ein Welcome Center in der benachbarten WKO eingebaut, um die hochkarätigen Gäste und auch teilweise Sponsoren und Unterstützer empfangen zu können.

Weiter ausgebaut wurde ebenfalls die Berichterstattung mit dem ORF TV und dem eigenen Livestream, wobei man hier von jeder Sonderprüfung informiert wurde. Dies geschah durch die Firma Streamers an der Spitze mit Claudio Sunk mit dem Moderatoren Team von Thomas Hölzl (ORF), Peter Bauregger als absoluter Rallye-Insider, diesmal mit Unterstützung von Barbara Aigner, der Frau des früheren heimischen Spitzenpiloten Andreas Aigner. Im Team auch sehr wesentlich vertreten war der kongeniale Steirer Peter Greither.

Hauptthema im Vorfeld der Rallye war natürlich wieder die Wettersituation. Kommt die weiße Pracht rechtzeitig vom Himmel, oder wird es diesmal trockene Streckenbedingungen geben. Pünktlich so wie im Vorjahr setzte aber zuerst leichtes Schneetreiben ein, ab dem zweiten Tag schneite es dann ausgiebig, so dass alle Fans die Aktiven und die Teams von einer echten Winterrallye begeistert sein durften.

Zu erwähnen ist auch noch die Anwesenheit von zwei Vertretern der FIA, die mit Argusaugen das Geschehen bei der heurigen Rallye beobachteten und ihre Wahrnehmungen nach Paris schicken werden. Dies war einerseits Miikka Anttila, der finnische Ex-Beifahrer von Jari-Matti Latvala und andererseits der Deutsche Benjamin Schmidt, in seiner Eigenschaft als FIA Safety Delegate..

Tätig für die Veranstalter waren auch wieder viele befreundende Motorsportclubs, die mit ihren Mitgliedern freiwillig zum Gelingen der Rallye beigetragen haben. Dieser Dank geht natürlich auch an die Sponsoren, an die Medienpartner und auch an die vielen kleineren Unterstützer ohne deren Hilfe wäre die Durchführung einer solchen Großveranstaltung überhaupt nicht möglich.

Weiters zu bedanken haben sich die Veranstalter bei den Behörden, den Rallyegemeinden mit den verantwortlichen Bürgermeistern, bei der Polizei, bei der Rettung, bei den Feuerwehren und vor allem bei den vielen freiwilligen Helfern und Freunden, die rund um die Uhr für die Rallye 2026 im Einsatz waren.

Zum sportlichen Verlauf

In Simon Wagners imaginärem persönlichen Siegesalbum der momentan bestehenden österreichischen Rallyes fehlte bislang ein einziges Pickerl. Ausgerechnet die Seite seiner oberösterreichischen Heimrallye „zierte“ ein weißer Fleck. Fünf Staatsmeistertitel hat der Unterweitersdorfer in den letzten fünf Jahren eingeheimst, alles, was es national zu gewinnen gibt, hat er schon doppelt und sogar öfter gewonnen. Einzig ein Triumph bei der Jännerrallye im Mühlviertel blieb ihm verwehrt. Bis heute. Denn bei der 39. Ausgabe des Klassikers hat Simon Wagner endlich das fehlende Pickerl erstanden, um sein rotweißrotes Sammelwerk komplettieren zu können. Dazu benötigte er neben seiner zuverlässigen deutschen Copilotin Hanna Ostlender 18 Prüfungen lang höchste Konzentration, fahrerische Spitzenklasse, ein Top-Auto, ein wenig Glück und ein professionell arbeitendes Team im Hintergrund. Das alles hatte er!

Obwohl internationale Klassepiloten wie der Este Romet Jürgensen oder der norwegische WM-Pilot Mads Østberg im Aufgebot standen, war bei der Jännerrallye 2026 schnell klar: Der diesjährige Sieg konnte nur entweder über den Gewinner der letzten beiden Jahre Michael Lengauer oder über den endlich danach heischenden Simon Wagner führen. Es entwickelte sich ein Sekunden-Thriller, in dem Wagner jedoch immer die Regie führte. Denn die Führung gab der österreichische Champion von Anfang an nie aus der Hand. Höchste Gefahr drohte ihm nach SP 8, als ihm ein völlig enthemmter Lengauer in Sportarena Liebenau plötzlich acht Sekunden abnahm und er Gefahr lief, die Spitzenposition vor der Übernachtung zum Entscheidungstag noch zu verlieren. Doch Simon Wagner blieb trotz seiner mitgebrachten Verkühlung cool und rettete sieben Sekunden Vorsprung in den letzten Tag.

Dort brachte schon die erste Sonderprüfung in St. Oswald das vorentscheidende Schockerlebnis für Michael Lengauer, der sich zum Ziel gesetzt hatte, dem Spitzenreiter Simon Wagner mit einer morgendlichen Fabelzeit wenigstens einen Ansatz von Nervosität einzuhauchen. Doch schon kurz nach dem Start bremste ein Knall jäh die Bestrebungen des Verfolgers. Vom linken Vorderreifen seines Skoda Fabia hingen nur noch Fetzen an der Felge. Tragisches Fazit: Eineinhalb Minuten Rückstand auf Simon Wagner, der das erreichte, was Lengauer eigentlich wollte – die erste Bestzeit des Tages. Und weil ihm dann sein allererster Jännerrallye-Sieg verständlicherweise weit wichtiger war als das Entertainment, brachte Simon Wagner diesen relativ humorlos ins Ziel.

Weit mehr Stress hatte dann Michael Lengauer, der plötzlich mit Mads Østberg und Hermann Neubauer zwei Konkurrenten in seiner Nähe hatte, die noch Lust auf seinen zweiten Platz verspürten. Lengauer konterte jedoch alle Angriffe mit Bravour, womit der dritte Platz an Mads Østberg ging, weil dieser Neubauer hinter sich lassen konnte.

Die Stimmen der Podestpiloten:

Sieger Simon Wagner (Hyundai i20 Rally2): „Ich bin schon so oft drauf angesprochen worden, dass ich diese Rallye noch nicht gewonnen habe. Das hört jetzt endlich auf. Innerlich habe ich immer gewusst, dass ich sie hätte gewinnen können, aber irgendwie ist es sich dann doch nicht ausgegangen. Jeder, der hier schon gewonnen hat, weiß, dass das etwas ganz Spezielles ist. Dass ich nun endlich auch dieses Gefühl genießen kann, ist einfach nur schön und ich bedanke mich bei allen, die dazu beigetragen haben!“

Zweiter Michael Lengauer (Skoda Fabia Rally2): „Die Jännerrallye gewinnt man nur, wenn man fehlerfrei bleibt. Das war ich heuer leider nicht. Zudem ist Simon wirklich einen sehr hohen Speed gegangen und hat sich den Sieg damit sehr, sehr verdient. Ich war nach dem Pech heute in der Früh natürlich kurz enttäuscht, aber andererseits bin ich hier Zweiter vor einem internationalen Toppiloten namens Mads Østberg, also das muss man dann schon auch richtig einzuordnen wissen.“

Dritter Mads Østberg (Citroen C3 Rally2): „Ich bin wirklich happy über den dritten Platz. Nachdem wir in der allerersten Sonderprüfung gestern durch einen Reifenschaden gleich einmal eine Minute verloren haben, sind wir ganz schwer in die Rallye reingekommen. Wir haben uns dann aber sehr gut zurückgekämpft und sind immer gut vorne dabei gewesen. Dass es sich am Ende doch noch mit dem Podest ausgegangen ist, freut uns schon sehr.“

Unheimlich stark präsentierten sich einige Piloten der TEC7 ORM 2 Staatsmeisterschaft. Sie überboten mit ihren leistungsschwächeren Rally3-Boliden so manchen Routinier in einem Rally2-Gefährt. So schien z. B. Lokalmatador Martin Rossgatterer in allen 18 Sonderprüfungen unter den besten Zehn auf. So holte der höchst auffällige Kärntner Youngster Maximilian Lichtenegger am Freitagabend eine drittbeste Zeit inmitten der allerstärksten Fahrzeuge, hatte also nur noch die Dominatoren Michael Lengauer und Simon Wagner vor sich. Mit teils schnellen Zeiten fielen auch noch der Tscheche Petr Kacirek, Günther Knobloch oder auch Christoph Zellhofer auf. Der Jännerrallye-Sieg in der ORM 2 ging an Martin Rossgatterer vor Petr Kacirek und Günther Knobloch.

In der zweirad-getriebenen TEC7 ORM 3 ließ sich Titelverteidiger Marcel Neulinger nicht die Butter vom Brot nehmen. Er diktierte von Beginn weg das Geschehen und fuhr damit ?nicht nur den Sieg in dieser Staatsmeisterschafts-Kategorie, sondern dank seiner Jugend auch in der ORM Junior ein. – Zweiter in der ORM 3 wurde der Norweger Martin Stenberg vor Nico Neulinger. – Bei den Junioren gingen Platz zwei und drei an Martin Stenberg und Lukas Dirnberger.

Den Jännerrallye-Sieg in der Historischen Staatsmeisterschaft holte sich wie im Vorjahr Günther Königseder. Zweiter wurde Patrik Gaubinger vor Horst Stürmer.

In der TEC7 ORM Trophy, also den Piloten über 50 Jahre, ging der Sieg an Local Hero Martin Fischerlehner vor dem Deutschen Hermann Gassner und Johannes Keferböck.

Gefahren wurde in Freistadt wie jedes Jahr auch um den Sieg im Mühlviertel Cup, an dem nur reine Mühlviertler Duos in den Autos teilnahmeberechtigt waren. Platz eins ging hier Martin Rossgatterer / Andreas Thauerböck vor Philipp Kreisel / Daniel Foissner und Simon Seiberl / Florian Haderer.

Jännerrallye 2026, Endstand nach 18 Sonderprüfungen
SP-Bestzeiten: Wagner und Østberg je 5, Lengauer und Jürgenson je 3, Neubauer und Koltun je 1

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