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Rallye: Kommentar
Foto: Daniel Fessl

Der „grade Manfred“ & sein Comeback

Erstmals seit 2012 startet Manfred Stohl wieder bei einer heimischen Rallye - Noir Trawniczek blickt zurück auf seine erste Begegnung mit einem der großen Charakterköpfe dieses Sports.

Kommentar von Noir Trawniczek

Dezember 2005. Bei Motorline bin ich zuständig für die Formel 1 - doch dann ein Anruf aus der Redaktion: „Kannst du auch Rallye?“ Ich gestehe offen, dass ich Rallye bislang nur am Rande verfolgt habe. Und so eile ich in die Redaktion, wo ich Grundsätzliches erklärt bekomme. Von „Was ist eine Sonderprüfung?“ über das Selbststudium der für mich großteils neuen Motorsportart geht es dann direkt weiter zur Berichterstattung über die Rallye Monte Carlo 2006…

2006 war jene Saison, in der Manfred Stohl und Ilka Minor in einem Kronos Peugeot de facto an der Weltspitze schnuppern konnten. Bei einer Pressekonferenz in Wien, im Vorfeld der Akropolis Rallye, treffe ich erstmals auf Manfred Stohl. Aus der Formel 1 gewöhnt an PR-Schönsprech-Worthülsen, werde ich bei dieser PK angenehm überrascht: „Stohlito“ versprüht Wiener Charme, redet nicht um den heißen Brei herum und liefert großartige „Sager“ Als Journalist spürt man sofort: Dieser Mann weiß genau, welchen Stoff wir brauchen - um dann die Begeisterung in die Wohnzimmer zu tragen. Von nichts kommt nichts -doch bei Manfred kommt viel.

Im Anschluss an die PK spreche ich mit Manfred - der erste Kontakt, quasi. Irgendwie lässt er in mir das Gefühl aufkommen, als würden wir uns bereits ewig kennen. Da werde ich hellhörig, immer!. Denn oft ist diese „Vertrautheit“ nichts anderes als eine gekünstelte, beliebig abrufbare Pseudo-Verbundenheit - darauf fokussiert, mich als Journalist zu „nutzen“, mich in eine bestimmte Richtung zu biegen. Einseitig, ein Geben und Nehmen gibt es nicht.

Doch wie sich in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten schon recht bald erweisen sollte, ist es bei Manfred Stohl anders. Mit ihm sind es selten Interviews, sondern meistens echte Gespräche. Und : Manfred trennt scharf zwischen On- und Off-Record. Wenn man sich daran hält, bekommt man viel. Natürlich darf man keinesfalls etwas schreiben, was nicht dafür gedacht war. Doch wenn man das einhält, erhält man von Manfred viele Infos - und natürlich haben auch die einen „Zweck“. Doch der ist egal, wenn die Infos richtig sind, und das sind sie. Und: Man erhält von Stohl auch Kritik direkt ins Gesicht oder in den Hörer gesagt. Etwas überaus Wertvolles - in einer Zeit, in der Kritik meist nur hinten herum daher kommt, über Dritte und Vierte.

Manfred Stohl ist ein Charakterkopf - seine „Sager“ sind prägnant, unterhaltsam, manchmal auch verstörend, wenn er verbal seine Finger in die Wunden dieses Sports legt. Und er hat auch verschiedene Gesichter. Der höchst konzentrierte, fokussierte Manfred Stohl während einer Rallye ist sogar ein Bisschen „gefürchtet“ im Servicepark, zumindest war das 2006 der Fall. Der Autor dieser Zeilen erlebte in dieser Saison mit großem inneren Vergnügen hautnah, wie die damalige Marketing-Abteilung des Teams den Fehler beging, Stohl in der Mittagspause einer WM-Rallye für ein „Meet & Greet“ einzuteilen. Mit eiserner Mine, wortlos, saß Stohl einer Frau gegenüber, die ein Autogramm auf einem auf dem Tisch liegenden T-Shirt wollte. Ohne aufzublicken sagte Stohl, mit einem Filzstift in der Hand, nur ein Wort, im Befehlston: „Strecken!“ Die verdutzte Dame meinte : „Wie bitte?“ Stohl sagte: „Das T-Shirt - strecken!!!“ Die Dame tat, wie ihr geheißen. So konnte Stohl dann auf das gestreckte T-Shirt seine Unterschrift kritzeln. In Wahrheit war er in dem Moment ganz woanders - nämlich in einer Rallye, die von Bedeutung war.

Dass Stohl ganz woanders ist, als man ihn vermutet, gilt vor allem auch auf Geschäfts-Ebene. Die wirklich großen Deals hängt er nicht an die „große Glocke“. Immer wieder wird man überrascht, in welche Projekte sein Konstruktionsbüro STARD involviert ist. Weltweit. Und es sind nicht nur Motorsport-Projekte. Als ich vor einigen Jahren einmal im Spaß meinte, er sei wohl auch bei den damals angedachten einsitzigen Taxi-Hubschraubern des Infrastruktur-Ministeriums involviert, reagierte er mit einem reflexartigen: „Woher weißt du das?“ Ob diese Reaktion auch von seiner Seite ein Scherz war, blieb freilich offen…

Jetzt gibt Manfred Stohl gemeinsam mit Peter Müller, mit dem er 2000 Gruppe N-Weltmeister wurde, bei der kommenden ARC Rallye Triestingtal (27 & 28. Februar) ein Comeback in Österreich. Erste echte Rallye-Teilnahme in der Heimat seit 2012! Und obwohl dieser Einsatz in erster Linie eine Würdigung des Peter Müller und im Grunde auch seines Nachfolgers als Veranstalter der Triestingtal-Rallye, Georg Gschwandner ist, sind die Reaktionen auf diesen Start von großer Dimension. Zugriffszahlen, die sonst lediglich Nachrufen vorbehalten bleiben. Abhandlungen, als würde Stohl in die Weltmeisterschaft zurückkehren. Und: Die „Kronen Zeitung“ wird dem Comeback eine Doppelseite widmen.

Es ist, als würde ganz Rallye-Österreich hoffen, dass die „guten alten Zeiten“ endlich doch noch zurückkehren. Wobei man 2006 freilich nicht wusste, welche Zeiten noch kommen werden…

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