Nach Unfallserie in Finnland | 08.08.2026
Neuville fordert langsamere Rallye
Nach einer ungewöhnlichen Unfallserie kritisiert Thierry Neuville das hohe Tempo der Rallye Finnland: Die Konkurrenz sieht die Ursachen anders
Thierry Neuville ist der Meinung, dass die Rallye Finnland am vergangenen Wochenende "zu schnell" war. Vorausgegangen war eine ungewöhnlich hohe Anzahl schwerer Unfälle bei dem schnellen Schotterlauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC).
"Die Rallye sollte langsamer werden. Das war die schnellste Rallye Finnland, die ich je gefahren bin", sagt der Hyundai-Pilot im Gespräch mit der englischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com.
Finnland ist berühmt für seine extrem schnellen Schotterprüfungen. Die diesjährige Ausgabe ging als zweitschnellste in die WRC-Geschichte ein - mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 128,2 km/h schrammte man nur knapp am Rekord aus dem Vorjahr vorbei.
Nur der Regen verhindert neuen Temporekord
Neuville hatte bereits im Vorfeld vorhergesagt, dass die Rallye die schnellste in der Geschichte hätte werden könnte, da die Route zu 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr verändert wurde und auf virtuelle Schikanen verzichtet wurde. Der Rekord wäre wohl gefallen, hätte der Regen am Freitag nicht eingesetzt.
Der Weltmeister von 2024 war einer von vielen Fahrern, die während der Rallye in Schwierigkeiten gerieten. Bei der fünften Wertungsprüfung kam er von der Straße ab und beschädigte sich die vordere linke Radaufhängung.
Im Vergleich zu einigen seiner Rally1-Rivalen kam er jedoch glimpflich davon: Sebastien Ogier, Elfyn Evans, Martins Sesks und Esapekka Lappi überschlugen sich allesamt. Für Ogier und Lappi war die Rallye nach ihren schweren Abflügen vorzeitig beendet.
Warum Schikanen keine Sicherheit bringen
Auf die Herausforderungen des Events und das enorme Drama angesprochen, erklärt Neuville: "Es ist das Tempo. Es ist super, super schnell und ehrlich gesagt war es zu schnell. Wir haben Durchschnittsgeschwindigkeiten von 145 oder 147 km/h. In einigen Abschnitten ist es einfach drüber und die Straßen waren zu gerade."
Während Neuville aus seiner Meinung über das von den Crews geforderte Tempo kein Geheimnis machte, teilte die Konkurrenz seine Ansicht keineswegs. "Wenn du sagst, die Rallye ist zu schnell, stellen sie einfach Schikanen auf - und das ändert überhaupt nichts", entgegnet der WM-Spitzenreiter Evans.
"Ich glaube nicht, dass es [einen speziellen Grund für die Unfälle] gibt. Ich denke, jeder pusht einfach bis ans Limit, das gehört heute im Sport dazu. Weil die Autos kaum noch driften, glauben die Leute manchmal, wir wären gar nicht so schnell unterwegs. Aber ich kann garantieren: Wir sind es."
Nur drei Autos kommen unbeschadet durch die Rallye
Evans ergänzt: "Die Abstände sind minimal und das Potenzial dieser Autos ist fantastisch. Du musst absolut am Limit fahren, um einen Unterschied zu machen. Da ist das Fenster natürlich extrem klein und es kann schnell was passieren."
Neuvilles Teamkollege Adrien Fourmaux reagiert mit einem Augenzwinkern auf die Kritik: "Die Rallye wird dann zu schnell, wenn man zu alt wird." Allerdings erklärt der Franzose auch, dass wechselhafter Grip zu den vielen schweren Unfällen beigetragen hat.
"Es gab dieses Wochenende nur drei Autos ohne Schaden", so Fourmaux weiter. "Das sind Sami [Pajari], Oliver [Solberg] und ich. Alle anderen sind mit ihrem Auto in die Bäume gefahren oder haben sich überschlagen. Jeder hatte seine Schreckmomente, das ist klar. Der Grip war dieses Jahr viel unbeständiger als im Vorjahr. Er hat sich ständig verändert, der Belag war viel fester und für die Reifen war es schwer, sich reinzubeißen."
Müssen die Fahrer zu sehr ans Limit gehenS
M-Sport-Ford-Pilot Jon Armstrong sieht die Ursache eher im extremen Wettbewerb an der Spitze. Die Fahrer seien schlicht gezwungen, mehr Risiko einzugehen, um noch Zeit herauszuholen.
"Es gab extrem viele Unfälle", so Armstrong, "Durch Rally TV können wir alle sehen, was die anderen machen. Wie gesagt: Man kann sich vorbereiten und genau analysieren, wie sehr man anfangen muss zu fliegen."
"Das bedeutet aber auch, dass alle von der Performance her extrem nah beieinander liegen. Man muss also an immer mehr Stellen mehr Risiko eingehen und versuchen, in Abschnitten noch schneller zu sein, wo man es normalerweise gar nicht versuchen würde", so der Ire.


















