Ursula Gassner im Staatsmeister-Interview | 03.09.2026
Ursula Gassner: "Es tut sich was...“
Ursula Gassner spricht im großen Staatsmeister-Interview über ihren ersten Titel, an der Seite von Hermann Neubauer. Über ihre Karriere. Und wie es um die Meisterschaft steht…
Noir Trawniczek
Während Hermann Neubauer am vergangenen Wochenende nach drei Siegen in Folge seinen dritten Staatsmeistertitel nach 2016 und 2019 einfahren konnte, ist es für Ursula Gassner der erste Titel.
Seit 2004, als die Tochter von Hobbypilot Ernst Baumschlager (nicht verwandt mit dem Rekord-Staatsmeister) ihre ersten Rallyes fuhr, saß Ursula Gassner (vormals Baumschlager, Mayrhofer) bei den Schnellsten auf dem „heißen Sitz“: Manfred Pfeiffenberger, Mario Saibel, Julian und Simon Wagner, Tamara Molinaro, Dominik Dinkel, Hermann Neubauer oder bei ihrem nunmehrigen Ehemann Hermann Gassner junior, um nur ein paar zu nennen…
Verdient hätte die 42-jährige Oberösterreicherin diesen Titel schon lange - jetzt ist er endlich da. Wir gratulieren herzlich und haben Ursula zu diesem Interview eingeladen - zumal motorline.cc nicht völlig unbeteiligt an ihrer Erfolgskarriere ist….
Gratulation zum Staatsmeistertitel - deine Karriere hat ja in gewisser Weise mit motorline.cc ihren Ausgang genommen…
Ja genau - als ich damals beschlossen habe, Copilotin werden zu wollen und keinerlei Vitamin-B Möglichkeiten hatte, habe ich ja einfach mittels Motorline-Anzeige die Suche nach einem Cockpit gestartet. Tatsächlich hat so dann der Weg begonnen und ich bin unendlich dankbar für diese Möglichkeit via Motorline und dass sich damals mit Franz Hofstätter, sowie Doris Kniewasser und danach mit Manfred Degelsegger so tolle Menschen gefunden haben, die mir sozusagen die „ersten Schritte“ im Rallye-Sport erklärt/ermöglicht haben.
Hättest du dir damals vorstellen können, dass du irgendwann bei den besten PilotInnen landen wirst?
Anfangs hätte ich mir das bestimmt nicht vorstellen können bzw. habe ich eigentlich nie soweit gedacht. Aber anscheinend mach ich meine Arbeit nicht so schlecht - und ich habe die Chancen immer gut genützt um mein Wissens-Spektrum (timing, technisch, fahrdynamisch, Umgang mit verschiedenen Charakteren,…) stetig zu erweitern … dies klappte aber auch nur durch meine tollen Piloten, die mich stets in alle Themen mit eingebunden haben und mir so wahnsinnig viel Wissen vermittelt haben….
Wir haben im Frühling für den TEC7 ORM Rallye BackStage Podcast über Copilotinnen gesprochen - da hast du gesagt, dass der damals noch ausstehende Titel schön, aber nicht so wichtig wäre. Jetzt ist er da - ist er nicht doch auch eine willkommene Wertschätzung deines Könnens?
Stimmt, im Frühling hätte ich nicht mal auch nur daran gedacht, dass der Meistertitel heuer überhaupt zur Debatte stehen würde - aber ja klar, ich nehme diese Wertschätzung gerne und voller Freude entgegen. Immerhin ist es echt nicht selbstverständlich und eigentlich ein Privileg, Motorsport auf solchem Niveau ausüben zu dürfen.
Wenn du auf deine 22-jährige Karriere zurückblickst - was waren die Höhen und Tiefen, welche PilotInnen haben dich besonders beeindruckt?
Puh. Gute Frage….. es gab bestimmt ausreichend Tiefen. Doch wer mich kennt weiß, dass ich stets eher das Positive sehe und dass ich gelernt habe, Dinge so hinzunehmen wie sie sind, um das Beste draus zu machen… daher pfeifen wir auf die Tiefen…
Höhen: Ach - da gibt es sooooooo viele unvergessliche tolle Momente, die kann man gar nicht alle erwähnen….
Nur eine kleine Auswahl: Meistertitel 2WD mit Hermann Gassner jr. mit einem unterlegenen Auto (Toyota GT86 R3 Heckantrieb), einige ERC Läufe mit Tamara Molinaro, Vizemeister in Deutschland mit dem Hyundai i20 R5, Sieg im Mitropa Rally Cup mit einem Rally3 Auto - natürlich der Titel jetzt u.v.m.
Angeblich soll es da draußen immer noch Menschen geben, die meinen, der/die CopilotIn würde einfach nur neben dem Fahrer sitzen und ein Bisschen aus dem Gebetsbuch lesen - kannst du uns in Stichworten eine komplette Jobbeschreibung geben?
In Stichworten - schwierig. Aber grundsätzlich ist man alles in einer Person: Organisator/Koordinator (Zimmer, Teaminfo, Abläufe vor der Rallye, während dem Recce, vor Ort im Zuge der Veranstaltung mit dem Fahrer/Team/Veranstalter, etc.)
Copilot (Erfassen, Lesen, Korrigieren der Pacenotes, Lesen des Roadbook für Verbindungsetappen, Zeitliche Koordination, um immer pünktlich am richtigen Ort zu sein, Zusammenfassen der Erfahrungen während der Rallye und Aufbereitung danach)
Ruhepol
Mentaler Support
Bindeglied zwischen allen Betroffenen
Kurz gesagt: Du hast vor der Rallye einen Haufen zu tun, gehst während der Rallye meist als Letzter ins Bett und stehst so ziemlich als Erster wieder auf…
Wie schwer war es, sich in diesem doch von Männern dominierten Sport durchzusetzen und wie hat sich das Frauenbild in dem Sport in den letzten Jahrzehnten verändert?
Grundsätzlich ist es als Frau schon deutlich schwerer, sich durchzusetzen, denke ich. Da du einfach mit Können und Einsatz beweisen musst, dass du den Männern in nichts nachstehst. Aber genau das finde ich cool – denn ich möchte in dieser Männer-Domäne keine Sonderbehandlung erhalten. Und wer mich im Cockpit haben möchte, der weiß wie ich bin und arbeite.
Früher gab es die Aussage, dass wir ein Plätzchen bekommen, weil wir meistens leichter sind - doch durch das geforderte Mindestgewicht von Fahrer und Beifahrer zählt dieses Argument fix nicht mehr!
Deine Kollegin Claudia Maier hat bei der Mühlstein Rallye auch als Pilotin glänzen können - hast du diesbezügliche Pläne? Und: Werden wir künftig mehr Pilotinnen im Rallyesport haben?
Es wäre bestimmt lässig und ich glaube, dass ich vermutlich auch nicht so langsam wäre…. aber nein, meinerseits gibt’s da keine Pläne. Ich bleibe bei dem, was ich wohl wirklich gut kann. Ich hab meinen Spaß ab und an mal auf Schnee/Eis wo genug Platz rundum ist…
Erhalten CopilotInnen medial jene Wertschätzung, die ihnen zusteht?
Nein, das bestimmt nicht. Aber mich persönlich stört es nicht, da es in unserem Sport immer schon so war. Und ich bin kein Mensch, der unbedingt im Rampenlicht stehen muss.
Wir haben mit Ilka Minor eine Profi-Copilotin, die über Jahrzehnte in der Weltmeisterschaft anerkannt war und ist - ist es in Österreich möglich, von diesem Sport zu leben?
Es gibt vielleicht die/den einen oder anderen, die/der das kann. Aber das stand für mich nie zur Debatte. Rallye ist mein Hobby – auch wenn es sehr zeitintensiv ist. Mein täglich Brot verdiene ich in einem regulären Job.
Es gibt den Seriensponsor TEC7. Bei Simon Wagner ist Hyundai Österreich an Bord, bei Hermann Neubauer Toyota Keusch - besteht die Hoffnung, dass sich der heimische Rallyesport gerade in einem Aufwind befindet?
Ich denke, dass das heurige Jahr gezeigt hat, dass sich in der ORM wieder einiges tut. Denn mit TEC7 hat man einen echt tollen Seriensponsor und wie man sieht ist nicht nur in der ORM sondern zum Beispiel auch in der TEC7 ORM2 wieder viel neuer Wind dazu gekommen. Allgemein würde ich somit sagen: Ja, ich denke es geht tendenziell ein wenig bergauf.
Wie geht es jetzt weiter? Werdet ihr 2027 euren Titel verteidigen?
Das ist eine gute Frage. Aktuell laufen die Gespräche für nächstes Jahr. Mal sehen was sich da alles ergibt. Aber ich würde mir auf alle Fälle für uns wünschen, dass wir den Titel 2027 verteidigen dürfen. Es heißt somit: Zuwarten & stay tuned!


















