RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
WRC-Reglement 2027 Wird der Unterschied zwischen Rally2 und der Top-Klasse 2027 zu gering?
Motorsport Images

WRC-Reglement 2027: Ist der Rückschritt zu groß?

Das WRC-Reglement 2027 stößt bei Fahrern und Teams auf Skepsis: Wird der Unterschied zwischen Rally2 und der Königsklasse zu klein?

Weltmeister Thierry Neuville reagiert zurückhaltend auf das in dieser Woche vom Motorsport-Weltrat des Automobil-Weltverbandes FIA verabschiedete Technische Reglement für die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2027. Der Belgier kritisiert zum einen die mangelnde Einbindung der Fahrer in technische Belange sowie die Tatsache, dass sich die WRC in technischer Hinsicht zu weit von der Serie entfernen würde.

Außerdem befürchtet Neuville, dass der Unterschied zwischen den Fahrzeugen der WRC-Spitzenklasse und den Rally2-Autos in Zukunft deutlich geringer sein wird. "Die Basis für das, was sie schaffen wollen, ist interessant, aber ich bin wirklich besorgt, dass die Rally2-Autos so schnell sein werden wie die neuen Rally1-Autos", sagte Neuville, als er von Autosport, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, während einer Medienrunde bei der Rallye Monza zu den neuen Regeln befragt wurde.

Eine Sorge, die auch Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala teilt: "Die FIA will sie [Rally1 und Rally2] einander annähern, um jungen Fahrern den Einstieg in den Sport zu erleichtern. Aber natürlich muss es einen Unterschied geben", so der Finne. "Für mich muss Rally1 mindestens eine Sekunde pro Kilometer schneller sein als Rally2."

Andernfalls würde das Ziel, mehr Teilnehmer für die Königsklasse zu finden, verfehlt. "Wir müssen aufpassen, dass der Unterschied zwischen den Autos erhalten bleibt. Wenn sie zu nahe beieinander liegen, warum sollte sich jemand ein Rally1-Auto kaufen, wenn das Rally2-Auto schon so schnell ist", fragt sich Latvala. "Dann wird es keine Privatfahrer für die Rally1-Autos geben."

Neuville ist zudem frustriert darüber, dass die Fahrer in der technischen Arbeitsgruppe der FIA nicht vertreten sind. "Wir sind nicht glücklich, denn wir haben vorgeschlagen, einen Fahrer in die technische Arbeitsgruppe zu entsenden, aber das wurde von der FIA nicht akzeptiert. Ich denke, wir haben auch viele interessante Beiträge, aber sie wollten sie einfach nicht", zeigt sich der amtierende Weltmeister enttäuscht.

Chance zur Entwicklung neuer Technologien verpasst

Neuville glaubt auch, dass die FIA eine Chance verpasst hat, die Rallye-Weltmeisterschaft als Plattform für die Hersteller zu nutzen, um neue Technologien zu entwickeln, die auch in Straßenautos zum Einsatz kommen könnten. "Wir [bei Hyundai] entwickeln Brake-by-Wire- und Steer-by-Wire-Lösungen und arbeiten an einer aktiven Radaufhängung, die bald in allen [Straßen-]Autos zu finden sein wird."

"Warum nutzen wir nicht die Chance, gemeinsam mit den Herstellern Technologien zu entwickeln und den Ingenieuren beizubringen, wie man diese Dinge unter echten Wettbewerbsbedingungen entwickelt? Im Moment machen wir genau das Gegenteil", sieht Neuville die Entwicklung des Reglements als Rückschritt.

"In Japan hatten wir ein Treffen mit 45 Ingenieuren aus dem Forschungs- und Entwicklungszentrum von Hyundai, die uns einige Fragen stellten, aber wir sagten ihnen, dass wir ihnen nicht helfen können, weil wir keine dieser Technologien in unseren Autos haben", berichtet Neuville. "Das ist frustrierend. Es muss nicht teuer sein, ein aktives Fahrwerk zu entwickeln."

Motorsport-Total.com

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

TEC7 ORM2, Lavanttal Rallye: Bericht

Lokalmatador Lichtenegger holt ORM2-Sieg

Am Ende einer angesichts der wechselnden Witterungsbedingungen schwierigen Rallye gab’s den Premieresieg des jungen Kärntner Lokalmatadors Maximilian Lichtenegger, der gemeinsam mit seinem routinierten Copiloten Bernhard Ettel im Renault Clio Rally3 triumphierte.

Achim Mörtl Kolumne: Rückblick Lavanttal

Achim Mörtl: "Lengauer schneller als er kann"

"Simon Wagner fährt so schnell wie er muss, Michael Lengauer fuhr schneller als er kann" - so lautet die Analyse unseres motorline.cc-Kolumnisten, Ex-Staatsmeister Achim Mörtl.

ARC, Lavanttal Rallye: Bericht

Gerolf Schuller ist der neue ARC-Leader!

Bei der selektiven, turbulenten Lavanttal Rallye konnte der 53-jährige Quereinsteiger Gerolf Schuller die ARC-Führung übernehmen. Dahinter lauern Jungpilot Jan Dolzer und Christian Rosner im historischen Porsche.

WRC Kroatien: Bericht K4 Rally Team

Tabellenführung im WRC Masters Cup zurückerobert!

Mit einem klaren Sieg im WRC Masters Cup konnten Johannes Keferböck und Ilka Minor bei der WM-Rallye in Kroatien die Tabellenführung zurückerobern. Schon in zwei Wochen soll ein weiterer Masters-Sieg eingefahren werden. Johannes ist top motiviert: „Auf Gran Canaria volle Attacke!“

ARC, Lavanttal: Bericht Gschwandner

Rallyefahrende Fahrschullehrer mit „Bildungsauftrag“

Der Obmann der Austrian Rallye Challenge und des MCL 68 fuhr nach siebenjähriger Pause wieder eine gezeitete Rallye. Traditionelle Rallye als Bühne für wichtiges Verkehrssicherheitsprojekt.

Alpenfahrt Revival 2026

Weitere Rallyegrößen haben genannt

Herbert Grünsteidl, Josef Pointinger, Gabi Husar u. Günther Janger sind dabei - Rallye-Weltmeister Stig Blomqvist wird auf Saab 96 einer der Starter sein. Plus: Ehrengast Rauno Aaltonen.