Rallye

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Rallye-WM: Interview

Langstrecken-SP: Todt rudert zurück

FIA-Präsident Jean Todt ist zur Einsicht gelangt, dass die Läufe der Rallye-WM auch weiterhin Langstreckenelemente enthalten dürfen.

Über das richtige Format von Rallye-WM-Läufen streiten viele Parteien seit langem. Während vonseiten der Hersteller kompaktere Rallyes mit kürzeren, TV-tauglichen Prüfungen gefordert werden, trauert FIA-Präsident Jean Todt mittlerweile ein wenig seinen aktiven Zeiten als Beifahrer hinterher, als WM-Rallyes in den 70er und 80er Jahren noch echte Marathonveranstaltungen waren.

Damals waren Prüfungen von über 50 Kilometern Länge, mit denen die Crews auch am vergangenen Wochenende bei der Korsika-Rallye konfrontiert waren, nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Für Todt gehören solche Prüfungen mit mehr als einer halben Stunde Fahrzeit zum Rallyesport dazu.

"Für mich ist der Rallyesport kein Sprint, sondern sollte eine Langstreckendisziplin sein", sagte Todt. "Ganz persönlich würde ich mir Nachtprüfungen wünschen. Ich fände es gut, wenn die Leute mitten in der Nacht bei Rallyes zuschauen könnten. Ich würde mir auch mehr Servicezonen wünschen." Er gab aber zu: "Ich verstehe, dass das eher die Vergangenheit des Rallyesports als seine Zukunft ist."

Todt ist mit dieser Kehrtwende im Vergleich zur bisherigen Position der FIA einer der wenigen, die in der Rallye-WM noch ein Ausdauerelement sehen wollen. Im vergangenen Dezember hatte der mittlerweile zurückgetretene FIA-Rallyedirektor Mahonen ein kürzeres Standardformat für WM-Rallyes vorgeschlagen; auch Hersteller präferieren in der Regel wie erwähnt Rallyes mit kürzeren Prüfungen.

"Einige Teams sträuben sich vehement gegen längere Etappen, und im vergangenen Jahr hatte man das Gefühl, dass sie damit in Paris und Genf [bei der FIA; Anm.] offene Türen einrennen", sagte ein Rallyeveranstalter. Auch Toyota-Teamchef Tommi Mäkinen ist der Meinung, moderne WRCs seien nicht für die Langstrecke gebaut, und plädiert daher für kürzere Prüfungen.

Todt hingegen findet, dass die Rallye-WM durch längere Prüfungen spannender würde. "Ich fand die erste Prüfung auf Korsika toll, weil es dort mehr Unwägbarkeiten gibt. Sie bekommen während der Prüfung keine Informationen, daher machen wirklich die Fahrer den Unterschied aus", so der FIA-Präsident.

"Wissen Sie, was eines meiner Probleme mit dem heutigen Motorsport ist? Die Autos sind zu zuverlässig", fuhr Todt fort. "Schauen Sie sich die Formel-1-WM an. Dort ist alles effizient, es wird unglaublich viel mit Simulatoren gearbeitet, die Autos fallen kaum noch aus. Das ist meiner Meinung nach nicht gut für den Sport. Ich mag es lieber, wenn alles etwas unvorhersehbar ist, so muss Rennsport sein."

Eine weniger hohe Zuverlässigkeit könne man nach Todts Meinung aber auch durch Regeländerungen erreichen: "Vielleicht sollten wir weniger Motoren, Kraftübertragungen oder Getriebe pro Saison zulassen, dann würde es günstiger." In Wahrheit haben solche Haltbarkeitsnormen (siehe Formel-1-WM) stets zu HÖHEREN Kosten geführt, weil die Entwicklung zuverlässigerer Technik teurer kommt als weniger komplexe Teile bei Defekt einfach auszutauschen. Dennoch habe Todt den neuen FIA-Rallyedirektor Yves Matton damit beauftragt, mit den Teams darüber zu reden und dann Vorschläge machen.

Mahonen fordert Sprint-SP Mahonen fordert Sprint-SP Straffung der Zeitpläne? Straffung der Zeitpläne?

Ähnliche Themen:

Rallye-WM: Interview

Weitere Artikel

Die Waldrodung für das Tesla-Werk geht weiter

Urteil: Tesla darf bauen

Der US-Elektroautobauer darf auf dem künftigen Firmengelände in Grünheide (Oder-Spree) weiterhin Bäume fällen. Das hat jetzt das OVG Berlin-Brandenburg entschieden.

Denny Hamlin gewinnt den Nascar-Klassiker im Fotofinish vor Ryan Blaney, Ryan Newman zeitgleich nach einem Überschlag im Krankenhaus.

Wilder Kerl mit Macho-Aura

Harley Davidson Low Rider S – erster Test

Für 2020 betreibt Harley-Davidson Modellpflege; packt elektronische Helfer in die Tourer-Modelle und bringt in der Softtail-Familie die Low Rider S neu auf die Straße. Wir sind sie testgefahren.

Unimog im Höhenrausch

Mit einem Unimog auf den Vulkan

Ein zehnköpfiges Expeditionsteam hat unter der Führung von Matthias Jeschke den Vulkan Ojos de Salado in Chile erklommen - stilecht am Steuer zweier Unimog.