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Klausner gesperrt: „Verstehe es!“
Daniel Fessl

Christof Klausner gesperrt: „Verstehe die Entscheidung!“

Christof Klausner wurde wegen seines Unfalls als Vorausauto bei der Jännerrallye von der AMF gesperrt - rund um den „Fall“ gibt es auch berechtigte Sorgen....

Michael Noir Trawniczek

ABC-Fahrzeuge fahren im Vorausfeld einer Rallye - doch sie sind keine Vorausfahrzeuge im eigentlichen Sinne. Vorausautos mit den Startnummern 000, 00 und 0 sind dafür da, die Sicherheit an den Sonderprüfungen zu kontrollieren - sprich: zu sehen, ob Zuschauer an gefährlichen Stellen stehen und dergleichen. Fahrzeuge mit den Startnummern A, B, C, D, E sind eher „Showfahrzeuge“ - oft werden mit diesen Startnummern neue Autos getestet oder aber Piloten an den Start geschickt, welche das Publikum mit genialem Driftwinkel auf die folgenden Spitzenpiloten einstimmen sollen....

Gerhard Leeb, langjähriger Veranstalter der Lavanttal-Rallye, profunder Rallye- und Rundstrecken-Kenner und Koryphäe im Veranstaltungswesen, eigentlich wegen seiner 70 Lebensjahre auf dem Rückzug aber immer noch als schwer gefragter Berater tätig, erklärt gegenüber motorline.cc: „Grundsätzlich sind ABC-Fahrzeuge ein Graubereich und rein rechtlich betrachtet sollten sie eigentlich gar nicht an den Start gehen. Zumal es hier doch gewisse Probleme gibt, zum Beispiel mit dem Versicherungsschutz. Doch Fahrer wie ein Christof Klausner ziehen eine Menge an Fans an - solche Lenkradakrobaten wollen die Fans einfach sehen. Und es obliegt dem jeweiligen Veranstalter, ob und wen er als ABC-Fahrzeug verpflichtet. Aber es ist doch klar, dass Veranstalter den Fans ein Maximum an Show bieten wollen.“ Doch nicht immer verlaufen solche Show-Auftritte völlig problemlos...

Der Unfall von Publikumsliebling und Audi quattro-„Quertreiber“ Christof Klausner beim Shakedown zur Jännerrallye (siehe Video unten), als A-Fahrzeug im Vorausfeld, hat nun schwerwiegende Folgen. In einer Mail von Michael Fehlmann, dem neuen Generalsekretär von Austria Motorsport (AMF) an die Verantwortlichen der Jännerrallye heißt es: „Zum Unfall des A-Fahrzeuges gesteuert von Herrn Klausner, der auch in den Medien große Resonanz ausgelöst hat, siehe Entscheidung aus dem Protokoll der letzten Sitzung des Plenums der AMF vom 11.11. 2019: ‚Ereignet sich künftig ein Unfall mit einem ABC Fahrzeug, sind diese ab der darauffolgenden Veranstaltung nicht mehr zuzulassen.‘ In Umsetzung dieser Entscheidung ist bei der Jännerrallye 2021 ein Einsatz von ABC Fahrzeugen nicht zulässig. Der betroffene Fahrer wird im Auftrag des Präsidenten der AMF in einer gesonderten Nachricht entsprechend informiert. Bitte um Kenntnisnahme und entsprechende Umsetzung.“

Klausner ein Jahr gesperrt

Doch auch Christof Klausner selbst ist gesperrt, gegenüber motorline.cc zeigt sich der Lenkradvirtuose, der bei der Rallylegend San Marino von Fans umzingelt wird wie sonst nur ein Walter Röhrl, mehr als nur einsichtig: „Ich kann meine Sperre verstehen! Ich fahre eben am Limit, um den Fans eine bestmögliche Show zu garantieren - da kann schon mal etwas passieren und daher werde ich gegen die Entscheidung nicht protestieren.“ Kleiner Schönheitsfehler - die Frage, wie lange er eigentlich gesperrt ist (als Fahrer eines ABC-Fahrzeugs), beantwortet Klausner mit einem Achselzucken: „Das wurde mir nicht mitgeteilt.“

Auf Nachfrage von motorline.cc bei Willi Singer, dem Vorsitzenden der AMF-Rallyekommission, antwortet dieser: „Klausner ist für ein Jahr als ABC-Fahrer gesperrt.“ Klausner zeigt sich diesbezüglich wie erwähnt einsichtig - doch dass dafür auch der Veranstalter der Jännerrallye bestraft wird, sieht er ganz und gar nicht ein: „Das verstehe ich nicht! Das ist doch völlig übertrieben!“ Zumal im Vorjahr auch Rudi Stohl als Vorausauto einen Unfall hatte - und die Fahrkünste von Stohl senior sind unbestritten! Wäre dessen Unfall 2020 passiert, dürfte der betreffende Veranstalter künftig keine ABC-Autos mehr einsetzen. Eine sinnvolle Lösung der AMF? Und wie kam es überhaupt dazu?

Genau diese Frage bringt weitere Rätsel ans Tageslicht. Denn eigentlich müssten Entschlüsse des AMF-Plenums zuvor von der Rallye-Kommission eingebracht werden. Doch in den motorline.cc vorliegenden relevanten Sitzungsprotokollen der Kommission wird ein solcher Beschluss mit keinem Wort erwähnt.

Helmut Schöpf, seines Zeichens ARC-Koordinator, Niederösterreich Rallye-Veranstalter (langjähriger „Mister Waldviertel Rallye“) und auch sonst einer jener Zampanos der Szene, die den Rallyesport zu modernisieren versuchen, gibt gegenüber motorline.cc offen zu: „Eine solche Regelung zu den ABC-Fahrzeugen wurde nie bei den letzten Sitzungen besprochen.“

Wie also kam das Thema ins übergeordnete Plenum der AMF? Auch Willi Singer hat auf diese Frage keine Antwort - doch dafür kann er wesentlche Gründe nennen, warum diese ABC-Fahrzeuge ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen und mitunter den gesamten Rallyesport in Gefahr bringen könnten. Singer erklärt: „Mich stören dieABC-Fahrzeuge, weil sie dem Sport schaden könnten - so gerne ich Fahrer wie Klausner zusehe. Nur: Sie starten zwischen dem 00er und dem 0er-Fahrzeug - wo oft noch gar keine Rettung oder kein Notarzt an der Strecke ist und wo die Zuschauer mitunter noch über die Prüfungen wandern. Wenn hier etwas passiert, gibt es nicht einmal einen richtigen Versicherungsschutz. Das Ganze muss viel professionelller aufgezogen werden. Fahrer wie Klausner können erwießenermaßen fahren - aber derzeit liegt es allein im Ermessen des Veranstalters, welche Autos und welche Fahrer als ABC-Fahrzeuge eingesetzt werden.“

Eigene Showtruppe?

So könnte also ein völlig unbedarfter Hobbybastler sich im stillen Kämmerlein (oder Hällchen) einen Quattro nach Gruppe B zusammenschrauben und damit als ABC-Fahrzeug antreten. Zwar versichern Veranstalter wie Gerhard Leeb, dass sie Bewerber für das Vorausfeld sehr wohl danach fragen, ob sie schon einmal eine Rallye gefahren sind, doch verpflichtend ist das nicht. Selbst das renommierte deutsche Eifel Rallye Festival musste im Vorjahr eine mehr als nur bittere Erfahrung machen: Ein wenig erfahrener Audi quattro-Pilot geriet in das Publikum und es gab sechs verletzte Zuschauer.

Willi Singer ist überzeugt: „So etwas kann dem Sport den Todesstoß geben.“ Ein schrecklicher Unfall beim Bergrennen im oberösterreichischen St. Agatha im Jahr 2009, bei dem eine halbe Familie getötet wurde, der nachweislich ohne Schuld des Fahrers oder der Veranstalter passierte und einfach eine schreckliche Ereigniskette darstellte, hatte bereits im Bundesland Oberösterreich drastische Folgen auch für den Rallyesport, unter welchen auch die Jännnerrallye litt, indem sie ein Jahr gar nicht mehr stattfinden konnte. So etwas möchte Singer verhindern: „Wir müssen für diese Grauzone eine Lösung finden.“ Die Regelung, wonach also der Veranstalter bei einem Unfall eines ABC-Fahrzeugs im darauffolgenden Jahr solche nicht mehr einsetzen darf, sei demnach nur eine „schnelle Lösung“ gewesen, um „mehr Bewusstsein für diese Problematik zu erzeugen“, wie Singer erklärt.

Dass diese Sorge berechtigt ist, bestätigt auch Christof Klausner: „Ich habe schon eine Rallye erlebt, bei der ich als ABC-Fahrzeug startete und am Ende als 0er-Auto fahren musste, weil alle anderen Vorausautos, also ABC- und 00er-Autos ausgefallen sind.“

Das Absurde an dieser Problematik: Jeder Bastler kann sich ein Fahrzeug nach Gruppe B zusammenstellen oder kaufen - Geschoße also mit 500 PS und mehr, mit welchen man selbst den Profis früher wegen zu großer Gefahr den Stecker zog. Dass solche „Raketen“ von Laien im Vorausfeld - einer heiklen Phase einer Rallye - pilotiert werden können, ist nicht nur Singer ein Dorn im Auge. Diese Tatsache müsste eigentlich bei jedem Freund dieses Sports Alarm auslösen. Auch Christof Klausner kann da nur zustimmen. Überlegt werden Schulungen oder auch das Bilden einer eigenen, speziell ausgebildeten Showtruppe beispielsweise rund um Klausner,welche vor dem Feld der Spitzenpiloten den Fans einheizen. Singer sagt dazu: „Eigentlich möchte ich richtigen Rallyesport - schließlich sind wir die Österreichische Rallye Staatsmeisterschaft und nicht die Rallylegend San Marino. Aber: Für so etwas wie eine gut ausgebildete Showtruppe wäre ich offen. Ich bin nicht gegen Show! Ganz im Gegenteil. Und ich weiß die Qualitäten von Christof Klausner zu schätzen. Aber es muss einen rechtlich und sicherheitstechnisch korrekten Rahmen haben.“

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