RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
ORM: Schneebergland-Rallye Gerwald Grössing, Sigi Schwarz

Co-Pilot Sigi Schwarz im Porträt

Neben den offensichtlichen Fahrkünsten der Piloten bringt die exakte Ansage des Co-Piloten die Entscheidung zwischen Sieg und Niederlage.

Foto: G*S Rallye 1967

Im Cockpit des Lokalmatadors und Sieganwärters bei der Schneebergland-Rallye, Gerwald Grössing, hat der oberösterreichische Restaurantbesitzer Sigi Schwarz das Sagen. Obwohl er sich selbst schon zur alten Garde zählt, ist er nach wie vor im Spitzenfeld der österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft zu Hause. Seit den frühen 90er Jahren hat er als Co-Pilot bei unzähligen inländischen sowie internationalen Veranstaltungen für verschiedenste Fahrer aus dem "Gebetbuch" gelesen. Seit 2012 ist er der Stamm-Co-Pilot von Gerwald Grössing. Das erste Zusammentreffen der beiden spielte sich in eine Bar in Freistadt folgendermaßen ab: Der über die Stiegen zu Boden stürzende Sigi Schwarz stellte sich im Aufstehen dem verdutzten Gerwald Grössing mit den Worten "Hallo, ich bin der Sigi und nicht betrunken" vor. Die beiden verbindet neben der Leidenschaft zum Sport auch Geburtsjahr und Geburtsmonat: Mai 1967.

Schwarz: "Das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer ist eindeutig am wichtigsten. Dieses wird durch eine gleichartige Denkweise erleichtert, welche auch eine Altersfrage ist – mit Gerwald Grössing klappt es perfekt. Jungen Piloten – und Pilotinnen, diese Ehre habe und werde ich aber nicht mehr erleben – ziehe ich allerdings Erfahrung vor. Mit einem Fahrer der gleichen Generation kann ich neben dem Spaß während der Fahrt auch das Gesellige und Gesellschaftliche abseits genießen. Nur eine Fahrt mit Weltmeister Sébastien Ogier wäre ein Angebot, welches ich nicht ablehnen kann."

Außerdem kennt Schwarz die Geheimrezepte, um aus dem Piloten alles herauszuholen, ihn auch zu motivieren: "Gerwald muss ich immer so weit treiben, bis er wie ein röhrender Hirsch in Extase ist, erst dann ist es im Auto richtig lustig. Es geht am schnellsten, wenn er, wie bei der Jagd mit dem Zielfernrohr am Wild, bei der Rallye mit dem Fuß am (Gas-)Pedal bleibt. Das sage ich ihm auch so im Cockpit."

Mit der Schneebergland-Rallye verbindet Sigi Schwarz auch den langsamsten Überschlag seiner Karriere: "2014 sind wir schon am ersten Tag durch technischen Defekt am Ford Fiesta R5 ausgefallen, nach dem Restart am zweiten Tag hat die Aufholjagd aber ein Missgeschick in einer Linkskurve gestoppt: Ein zu enger Cut ließ unseren Boliden in Zeitlupe abrollen – obwohl kein großer Schaden entstand, war die Fahrt leider endgültig zu Ende." Trotzdem zählt die Veranstaltung zu seinen absoluten Lieblingsrallyes, vergleichbar mit der Rallye de Portugal in den Neunzigern: "Die Fahrt ist selbst mit Schotter nicht so langsam wie beispielweise in Zypern, und die Lage extrem spektakulär und anspruchsvoll. Wenn ein junger Fahrer unbedingt einen WM-Lauf fahren möchte, soll er die Schneebergland Rallye probieren. Vor allem die Sonderprüfungen Haraseben und Bieglhof sind der Weltmeisterschaft ebenbürtig."

Zum Privaten: Neben dem Rallyefahren und seiner Gastwirtschaft ist Sigi Schwarz auch mit einer "Golf & Ski"-Challenge aktiv. Seinem Innovationsgeist ist der Erfolg seines Betriebes trotz abgelegener Lage zu verdanken. Wenn besonders viele Veranstaltungen anstehen, kann die Umtriebigkeit aber auch zur Belastung werden und an der Substanz zehren; dann müssen ihn Freunde wie Gerwald Grössing einbremsen. Neben der angst- und schmerzlosen Seite im Rallyeauto kommt zu Hause eher der rührige, zart besaitete Sigi Schwarz zum Vorschein. Gesellig und zuvorkommend bewirtet er Freunde, genießt gleichzeitig die Zeit mit ihnen.

Für die aufstrebenden Jungen in der österreichischen Rallyeszene hat er noch folgende Tipps parat: "Jeder soll das Fahrzeug fahren, welches er sich leisten kann – ich bin in finanziell knappen Zeiten auch im historischen Mini Cooper, damals mit Kris Rosenberger, gestartet und hatte meinen Spaß – es muss nicht immer gleich das größte Gerät sein. Außerdem sollen Nachwuchsfahrer die Chance nützen und ihre Wünsche und Bedürfnisse zur Zukunftsgestaltung kundtun. Ein Team wie Gerwald und ich fährt nur, weil es uns Spaß macht."

Der sportliche Ehrgeiz, der unerwähnt bleibt, kann umso besser mit eigenen Augen ab dem 26. Juni in Rohr im Gebirge begutachtet werden, wenn Sigi Schwarz seinen Chauffeur Gerwald Grössing wieder mit Leibeskräften antreiben und zum Röhren bringen wird ...

News aus anderen Motorline-Channels:

ORM: Schneebergland-Rallye

- special features -

Weitere Artikel:

Jännerrallye: Bericht Stürmer

Ein Winter wie damals

Dank Horst Stürmer und Rene Zauner wurde auch bei der bisher 39. Jännerrallye dazu beigetragen, dass die zahlreichen Rallye-Besucher mit bester Quattro-Action auf Schnee beglückt wurden.

Simon Wagner und Hana Ostlender gewinnen die Jännerrallye vor Michael Lengauer und Mads Östberg. Martin Roßgatterer siegt auf Gesamtrang sieben in der ORM2, die ORM3 gewinnt Marcel Neulinger.

Die 39. LKW FRIENDS on the road Jännerrallye powered by WIMBERGER sieht nach sieben von insgesamt 18 Prüfungen Simon Wagner weiterhin in Führung / „Hausherr“ Michael Lengauer ist aber noch lange nicht geschlagen

Jännerrallye: Bericht RRA

Race Rent Austria auf dem Klassenpodium

Von acht gestarteten Race Rent Austria Teams sahen bei einer schwierigen Jännerrallye vier die Zielrampe. Der bestplatzierte Gerald Bachler lag auf Platz zwei der Klasse 8, als er durch Fahrfehler ausfiel - so sprang Alexander Baumgartner in die Presche und belegte den dritten Klassenrang.

Jännerrallye: Bericht Zellhofer

Viel Schnee war kein Vorteil

Christoph Zellhofer hatte mit dem SUZUKI Swift ZMX keine Chance - der PS-Vorteil wirkte gegen die leichteren Rally3-Autos nicht