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„Eine Hochschaubahn der Gefühle“

Die zweite Rallye des Hansjörg Matzer war ein Abenteuer mit Höhen und Tiefen. Nach dem Ehrgeiz kam der Abflug – ein Fangzaun wollte den Renault Clio nicht mehr hergeben, zwei Prüfungen vor dem Ziel war Schluss…

Fotos: Daniel Kocher, Topspeed Racing

Die mediale Aufmerksamkeit war Hansjörg Matzer schon bei seiner ersten Rallye im Vorjahr sicher – bei seinem zweiten Auftritt in der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft war es ebenso: Als Hansjörg Matzer bei der Pressekonferenz zur Rebenland-Rallye 2016 über seine Teilnahme erzählt, wie er mittels einer alternativen Therapie den Krebs besiegen konnte und aus dieser Krankheit seine Lehren zog („Arbeit ist nicht alles im Leben“) und er sich also einen seiner Bubenträume, den des Rallyefahrens, verwirklichen wollte, saß ein Redakteur der Kleinen Zeitung neben ihm – prompt kam dort ein doppelseitiger Bericht im Vorfeld der Rallye, und zwar nicht auf den Sportseiten der Tageszeitung, diese wurden damit nicht „blockiert“…

„Karin war die Chefin im Auto“

Schon bei der Besichtigung der Sonderprüfungen zeigte sich Hansjörg Matzer begeistert von der professionellen Arbeit seiner Copilotin Karin Cerny, der 25-jährigen Tochter seines vorjährigen Copiloten Manfred Cerny. Hansjörg erzählt begeistert: „Mit Karin haben wir einen 1a-Aufschrieb erarbeitet, der war wirklich perfekt – und der ist unheimlich wichtig in diesem Sport. Karin war die ganze Zeit cool und straight – sie war die Chefin im Auto und hat mir stets gesagt, was ich zu tun habe. Was ich gut finde – denn ich hätte wohl ewig mit Leuten geplaudert, wenn sie mich nicht an unseren Zeitplan erinnert hätte. Außerdem sehe ich Karin als die ‚mutigste Frau Österreichs‘ an – weil sie sich mit mir mitfahren traute.“

Wenn der Ehrgeiz kommt…

Die Rallye selbst sei dann eine „Hochschaubahn der Gefühle“ geworden, erzählt Hansjörg. „Von himmelhochjauchzend bis zum Tode betrübt war alles vertreten“, gibt der Steirer offen zu. Zunächst sei man „richtig euphorisch“ gewesen, denn: „Es ist uns so gut gegangen!“

Zwar habe man sich nicht konstant gesteigert, dennoch war eine sportliche Mehrleistung erkennbar: „Die Prüfung Panoramastraße haben wir bei der zweiten Durchfahrt ganz bewusst langsamer in Angriff genommen, da hier der erste Durchgang schon so rutschig war. Aber ansonsten haben wir uns oft gesteigert, man schaut unweigerlich auf die Zeiten.

Am Ende waren wir ziemlich nahe dran an Johann Derler im BMW M3 E36 und Anton Reisenhofer im Opel Ascona B.“ Vor der vorletzten Prüfung lagen Matzer/Cerny auf Gesamtrang 46, bei 54 gewerteten Teams – und tatsächlich konnte das Duo Matzer/Cerny auf SP 14 sogar einen Tick schneller als die beiden fahren, was wohl den Ehrgeiz angestachelt hat…

„Grenzen dicht“ – Ende im Fangzaun

Zerknirscht erzählt Hansjörg Matzer: „Ja, natürlich entwickelt man einen Ehrgeiz – doch in einer schnellen Rechtskurve war ich einfach zu schnell unterwegs. Ich habe nicht gedacht, dass diese Stelle uns zur Gefahr werden könnte. Aber wir sind abgeflogen und das Auto hat sich in einen Zaun gewickelt. Zum Glück stand dort kein Baum, sonst wäre es vielleicht nicht so glimpflich ausgegangen, wir blieben beide völlig unverletzt. Auch das Auto selbst ist nicht sonderlich in Mitleidenschaft geraten, doch der Zaun war hartnäckig und gab uns einfach nicht mehr frei.“ Matzer hat sich also selbst eingezäunt…

Lachend fügt Matzer hinzu: „Ein richtiger Fangzaun war das. Einige Fans haben versucht, uns raus zu helfen, doch das hat leider nichts gebracht. Erst am Ende der Prüfung, als der Schlusswagen bereits durchgefahren ist, kam die Feuerwehr, die haben das Auto professionell geborgen, es wurde an den Felgen hochgezogen, damit ja nichts beschädigt wird.“

Rallye als „Schule des Lebens“

Große Augen machte Hansjörg, als der an die Unfallstelle geeilte Mechaniker des Rennteams von Daniel Ziesler mit den Worten „Da ist nicht viel kaputt gegangen“ in den geborgenen Renault Clio RS stieg, diesen zündete und damit in den Servicepark fuhr. Matzer sagt: „Das ist die Ironie des Schicksals – hätte uns der Zaun nicht festgehalten, hätten wir weiterfahren können. Doch zu dem Zeitpunkt habe ich bereits realisiert, dass es aus ist. Rallye ist auch eine Schule des Lebens, man erfährt auch, dass die Bäume nicht in den Himmel hinauf wachsen.“

Umso mehr konnte sich Hansjörg Matzer für den Sieger der Rallye, den jungen Salzburger Hermann Neubauer freuen: „Ich habe ja auf seinen Sieg getippt – und ich vergönne ihm diesen Triumph von ganzem Herzen! Ich habe ja mitbekommen, wie viele Rückschläge er einstecken musste und wie hart er darum gekämpft hat, sein großes Ziel zu erreichen.“

Alles in allem zieht Hansjörg Matzer eine positive Schlussbilanz seines zweiten Rallye-Abenteuers: „Die Rebenland-Rallye war eine unglaublich tolle Veranstaltung, das Wetter war frühlinghaft schön und an den Strecken waren unfassbar viele Fans. Insgesamt habe ich also ein positives Gefühl, wenn ich an das Wochenende zurückdenke – ich hatte die ganze Zeit über einen Grinser im Gesicht, es war einfach nur schön! Jetzt werde ich mich für die Lavanttal-Rallye wieder als Fotograf akkreditieren – denn jetzt möchte ich mir das Ganze wieder von der anderen Seite ansehen. Danach dann sehen wir weiter…“

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