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ORM: Jännerrallye 2018

Gerhard Aigner auf Platz 2:
Dreimal „scharf“ - zweimal Podium!

Zur „ORM-Spitze“ zählte Gerhard Aigner vor der Jännerrallye eigentlich nur wegen seiner Startnummer 3. Doch nach seinem sensationellen zweiten Platz und dem Sieg in der Powerstage wurde die scherzhafte Übertreibung zur Realität: Gerhard Aigner und Marco Hübler belegen in den Fahrerwertungen der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft nun tatsächlich den zweiten Platz...

Fotos: Daniel Fessl

„Man mietet so ein R5-Auto natürlich, um vorne mitspielen zu können“, sagt Gerhard Aigner. Dass er am Ende jedoch bei der äußerst selektiven Jännerrallye den großartigen zweiten Platz belegen könnte - das kam dem 43-jährigen Busunternehmer nicht in den Sinn: „Die Top 6 waren unser grobes Ziel. Natürlich profitieren wir von einigen Ausfällen, das ist schon klar.“ Nur: Gerade die Jännerrallye war schon immer ein Bewerb, bei dem nicht nur der reine Speed zählt, sondern auch jene Umsicht, die einen ins Ziel kommen lässt...

So gab es gleich auf der ersten Sonderprüfung in Pierbach spektakuläre Ausrutscher - der Hintergrund: Die sogenannten „Eisspione“, die am frühen Morgen die Strecken besichtigen, berichteten allesamt von einer eisfreien SP 1.

Aigner schmunzelt: „Dass es zweieinhalb Stunden später anzog, konnte man nicht wissen.So kam es bei den Pierbach-Kehren zu diesen vielen Unfällen, da gibt es ja zahlreiche youtube-Videos. Wir haben die Passage eigentlich recht gut gemeistert und konnten gleich eine drittbeste Zeit markieren. Wir hatten mit Willi Stengg und Richard Golatsch aber auch exzellente Berater - sie haben die Strecken besichtigt und vor dem Start noch gemeinsam mit meinem Copiloten Marco Hübler unseren Aufschrieb aktualisiert. Ich war in diesem Punkt also wirklich bestens beraten.“

Doch der gute Einstieg ließ den an sich umsichtigen Gerhard Aigner dann doch ein wenig übermütig werden: „Auf der dritten Prüfung war ich zu motiviert und so habe ich mir einen schweren Fehler erlaubt. Wir sind in einer an sich harmlosen Kurve abgeflogen und hernach 1,5 Minuten im Schnee stecken geblieben. Zuschauer waren keine vor Ort, so mussten wir uns durch Hin- und Herfschieben selbst befreien. Dann gab es noch das Problem, dass wir jenen Abhang, den wir hinunter gerutscht sind, nicht mehr hinauf kamen. Da war glücklicherweise dann doch ein Hausbesitzer, der die Rallye gemütlich vor seinem Haus stehend genossen hat und der uns den Weg zurück auf dieStrecke gezeigt hat, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.“

Was denkt man in einer solchermaßen herausfordernden, sicher nicht ganz stressfreien Situation? „Nicht viel, natürlich war ich verärgert über meinen Lapsus. Wir waren ja gut dabei! Aber: Ich habe ja schon ein paar Jännerrallyes absolviert und wusste daher, dass dieser Fehler noch lange kein Grund ist, aufzugeben - denn bei der Jännerrallye passiert vielen der eine oder andere Fehler.“

Einen solchen wollte Gerhard jedoch kein zweites Mal riskieren: „Daher haben wir im zweiten Durchgang etwas Tempo herausgenommen.“ Auf den abendlichen Freitags-Prüfungen wiederum konnte Aigner zweimal erneut die drittschnellste Zeit markieren: „Ich mag diese Prüfungen, da habe ich mich wohl gefühlt.“

Am Samstag wurde Gerhard Aigner, der sein pechschwarzes World Rally Car, mit dem er im Vorjahr zwei ORM-Rallyes absolvierte im Internet fand, genau von diesem Medium ein wenig enttäuscht: „Ich habe mir in Ungarn 18 Zoll-Räder bestellt, doch diese Reifen dürften schon länger gelagert worden sein und waren daher nicht mehr erste Wahl.“

Mit diesen Reifen musste Aigner jedoch den gesamten, aus drei Prüfungen bestehenden Vormittagsdurchgang bestreiten. Aigner sagt: „Bei normalen PKW-Reifen hat man eine Produktionskennzahl, sodass man weiß, wann diese Pneus produziert und wie lange sie also gelagert wurden. Das könnte man durchaus auch bei Racingreifen einführen, schließlich zahlen wir auch dafür.“

Zwei Bestzeiten in Folge

Für den abschließenden zweiten Durchgang wechselte Aigner wieder auf die alten, schon am Vortag benützten Reifen - und sie haben gepasst. Vortrefflich nämlich: Die Ausbeute waren zwei Bestzeiten am Stück, eine davon, die abschlieende Powerstage brachte gar drei zusätzliche ORM-Punkte. Gerhard schüttelt den Kopf: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mehr am Limit bin als ich es zuvor gewesen bin. Ich bin ganz einfach nur mein Tempo gefahren und die Bestzeiten haben mich dann schon ein bisschen überrascht.“

Im Ziel hätte Aigner eigentlich mit Platz drei gerechnet, doch durch den Ausfall von Rallyeleader Simon Wagner auf dem Weg in den Parc Ferme wurde es ein großartiger zweiter Platz hinter dem Sieger Johannes Keferböck. Aigner gesteht: „Es war schon extrem anstrengend. Vor allem am ersten Tag, als man nicht gewusst hat, wo glatte Stellen kommen, es war einfach der Grip extrem unterschiedlich. Am zweiten Tag war es relativ eisfrei, das war dann etwas leichter.“

„Vollgas führt nicht immer ins Ziel“

Aigner fügt hinzu: „Man muss bei der Jännerrallye von Anfang an mit Hirn fahren und sich immer einen kleinen Polster lassen. Eigentlich darf man hier nicht so fahren, wie man eigentlich will - man würde am liebsten Vollgas geben, doch wie man anhand der vielen Ausfälle gesehen hat, führt das nicht immer ins Ziel.“

Dass er nun mit vier Punkten Rückstand in der Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft den zweiten Gesamtrang belegt, erfreut Gerhard Aigner naturgemäß. Und er sagt: „Ich habe im Vorjahr und heuer dreimal ein scharfes Auto angemietet und habe dabei zweimal einen Podiumsplatz errungen - mit dieser Bilanz können mein ausgezeichneter Copilot Marco Hübler und ich mehr als zufrieden sein. Ihm und meinen Sponsoren möchte ich meinen Dank aussprechen - und natürlich auch unserem Einsatzteam HK Racing, denn unser Auto hat im Gegensatz zu einigen anderen gehalten und lief tadellos.“

Wieder WRC? Die Hoffnung lebt...

Bleibt noch offen, wie es - als ORM-Zweiter rein theoretisch auf „Vizemeisterkurs“ - nun weitergeht. So mancher Jungpilot hat in der Vergangenheit in einer solchen Situation die sprichwörtliche „Großmutter verkauft“, um die aussichtsreiche Position in der Meisterschaft nutzen zu können. Gerhard Aigner lacht: „Also die Großmutter wird ganz sicher nicht verkauft, aber ich werde einige wichtige Sponsorengespräche führen - für Sponsoren sind solche Platzierungen natürlich gut, auch weil wir so in den Medien gut vertreten sind.“

Die nächste ORM-Veranstaltung ist die Rebenlandrallye von 16. bis 17. März im Raum Leutschach. Dürfen die Fans darauf hoffen, dass Gerhard wieder ein World Rally Car zünden wird? Aigner sagt: „Hier in Freistadt wäre ein WRC zu viel des Guten gewesen - bei diesen Bedingungen war der R5 ideal, weil seine Leistungsentfaltung nicht so brachial ist, das ist dann doch einfacher zu fahren. Aber im Rebenland könnte ein WRC natürlich hilfreich sein und natürlich besteht die Hoffnung auf ein WRC. Wie gesagt: Wir werden jetzt die anstehenden Gespräche führen und dann schauen wir, wie es weitergeht. An der Motivation scheitert es jedenfalls ganz sicher nicht.“

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