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ORM: Jännerrallye 2020

Rückschlag und Sieg in einer Rallye

Mit der Zielankunft im Mühlviertel samt Gesamtsieg befreite sich Hermann Neubauer vom „Jännerrallye-Fluch“.

Foto: Daniel Fessl

Ein besseres Ende beim Auftakt zur österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft 2020 hätten sich Hermann Neubauer, Co-Pilot Bernhard Ettel und das Team von ZM-Motorsport rund um Teamchef Max Zellhofer wahrlich nicht wünschen können: Gleich zu Beginn des Jahres eroberte der regierende Staatsmeister mit seinem Ford Fiesta R5 den nächsten Sieg! Der Weg zu diesem Triumph war dieses Mal allerdings mehr als außergewöhnlich und fesselte zehntausende Rallye-Fans vor Ort beziehungsweise am Live-Timing im Internet.

Mit konservativer Reifenwahl waren Neubauer/Ettel am Samstag in die bis dahin ungewöhnlich schneefreie 35. Jännerrallye gestartet, und so lag das Duo nach fünf gefahrenen Sonderprüfungen zwar gut 14 Sekunden hinter dem Führenden auf Platz drei, war aber perfekt im Plan für den weiteren Verlauf der Rallye, wo laut Vorhersage Schnee und Eis warten würden. Doch dann schlug einmal mehr Neubauers „Jännerrallye-Fluch“ zu: Nach einem Dreher sprang der heiße Motor mehr als eine Minute lang nicht mehr an, im Ziel der SP6 lag man schlussendlich mehr als eineinhalb Minuten zurück, die Siegchance schien dahin.

Doch im Rallyesport – und besonders bei den unberechenbaren Wetterverhältnissen im Mühlviertel – herrschen eigene Gesetze. Neubauer/Ettel gaben nichts verloren, blieben fokussiert beziehungsweise konzentriert. Bei einsetzender Dunkelheit kam der Schnee und die Verhältnisse wurden brutal schwierig, das Gesamtklassement wurde wild durcheinandergewirbelt. Hauptkonkurrent Julian Wagner erwischte es dabei am Schlimmsten, er verlor auf SP7 fast 13 Minuten, während Hermann Neubauer am Ende dieses ersten Tages plötzlich wieder auf Platz zwei lag.

„Ich war wirklich heilfroh, im Ziel zu sein. Das, was sich auf der letzten Sonderprüfung abgespielt hat, war das Schlimmste, was ich im Rallyesport je erlebt habe. Ich habe zum Teil auf der Geraden gebremst, so arg waren die Verhältnisse“, so Hermann Neubauer, der froh war, überhaupt im Ziel der ersten Etappe zu sein. Für den zweiten Tag waren dann ebenfalls Schnee, Eis und kältere Temperaturen angesagt – worauf das Team den Ford Fiesta R5 im Schlussservice entsprechend umbaute. Eine gute Entscheidung, die, gemeinsam mit der richtigen Reifenwahl, den Grundstein zum späteren Sieg legen sollte.

Der Führende nach Tag 1, Simon Wagner, hatte sein Auto für die zweite Etappe nicht umgebaut, worauf Hermann Neubauer mit zwei zweitschnellsten Zeiten auf den ersten beiden Sonderprüfungen des Sonntags die Führung übernehmen konnte. Dank taktisch perfekter Reifenwahl und kluger Fahrt konnten Hermann Neubauer und Bernhard Ettel ihren Vorsprung schließlich auf über 50 Sekunden ausbauen und gaben die Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Womit der Ford-Pilot seinen „Jännerrallye-Fluch“ – er war bis dato noch kein einziges Mal im Ziel der Rallye angekommen – endlich eindrucksvoll ablegen konnte.

„Dieser Sieg ist etwas ganz Besonders“, jubelte Hermann Neubauer dann beim Überfahren der Zielrampe in Freistadt: „Ich bin extrem stolz auf die gesamte Crew, vor allem auch auf meine Eisspione. Wir haben die eine oder andere konservative Entscheidung getroffen, aber die waren goldrichtig. Das alles noch dazu mit sehr wenig Erfahrung, denn wirklich viel bin ich bei der Jännerrallye bislang ja noch nicht gefahren. Das war die letzte Rallye in der österreichischen Meisterschaft, die ich noch nicht gewonnen hatte, umso größer ist nun die Freude. Auch, dass ich den Fluch endlich abschütteln konnte. Die PowerStage hat mich am Schluss überhaupt nicht mehr interessiert, ich wollte einfach ins Ziel kommen und die Rallye gewinnen. Schließlich ist es wesentlich besser, die Saison mit 25 Punkten zu starten, als mit 0!“

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