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Halbwegs Hybrid

Wer über Land Rover spricht, ist schnell bei Querfeldeinfahrten durch Wald und Wiese. Ab sofort wildert der Große auch im Hybrid-Revier.

mid/fw

Grün und umweltfreundlich sind die Modelle der britischen Traditionsmarke deshalb aber nicht wirklich. Noch bei den Neuzulassungen des KBA im vergangenen Jahr zählten die englischen SUV durch die Bank mit einem Durchschnittswert von 199,5 Gramm CO2 pro Kilometer hinter Chrysler/Jeep und Porsche zu den größten Luftverpestern im Land. Höchste Zeit also, das Image aufzupolieren und den Flottenverbrauch zumindest halbwegs in Richtung des von der EU für 2020 avisierten Wert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken.

Den Anfang machen im März 2014 der Range Rover Hybrid und der Range Rover Sport Hybrid. Es sind die ersten Modelle der Marke, die Land Rover mit elektrifiziertem Doppelantrieb auf den deutschen Markt bringt. Die Kombination aus einem V6-Turbodiesel mit 215 kW/292 PS und einem 34 kW/48 PS starken Elektromotor sollen "die Fahrleistungen eines Achtzylinders mit dem Verbrauch eines Vierzylinders" ermöglichen, wie die Briten stolz verkünden.

Tatsächlich entfacht der insgesamt 250 kW/340 PS starke Zwitter mit kombinierten 700 Newtonmeter maximalem Drehmoment einen beeindruckenden Schub. Ein Tritt aufs Pedal und der 2,4 Tonen schwere Nobel-SUV stürmt aus dem Stand in 6,9 Sekunden auf Tempo 100.

Einen deutlich sensibleren Gasfuß braucht es allerdings, um rein elektrisch zu fahren. Denn der 40 Kilogramm schwere Batterie-Satz im Unterboden des Beifahrersitzes hat mit seinen 1,76 kWh gerade mal genug Saft für bis zu 1,6 Kilometer emissionsloses Fahren; und das auch nur bis Tempo 50. Morgens lautlos aus der Wohnsiedlung zu schleichen oder gar eingeschränkt befahrbare Zonen wie die Londoner City zu durchqueren, ist damit zwar nicht drin.

Immerhin reicht die Kombination aber für einen Normverbrauch von 6,4 Liter Diesel (169 g CO2/km), den wir bei ersten Testfahrten tatsächlich erreichten - nach zehn Kilometern Bergabrollen und anschließender Gleichmäßigkeitsfahrt mit Strich 120 km/h auf topfebener Landstraße. Sobald der Fahrer standesgemäß etwas schneller über Berg und Tal gleitet, pendelte sich der Bordcomputer um die neun Liter ein. Was angesichts der souveränen Fahrleistungen immer noch ein akzeptabler Wert ist. Denn mit seiner schnell und kaum spürbaren Achtgangautomatik von ZF, der mühelosen Kraftentfaltung und der kommoden Laufruhe zeigt der Hybrid durchaus Achtzylinder-Attitüde.

Tatsächlich beschleunigt der ebenfalls angebotene 4,4-Liter-V8-Diesel mit 249 kW/339 PS auf die Zehntelsekunde genau so schnell und erreicht ebenso bei 218 km/h sein Spitzentempo. Allerdings ist der Normverbrauch mit 8,7 Litern Diesel auch gut ein Viertel höher. Dennoch kann der halbherzige Hybridantrieb für Land Rover nur ein erster Schritt sein. Zumal die Koppelung mit einem Dieselmotor die Märkte in den USA, Japan und China so gut wie ausschließt. Doch die Briten arbeiten bereits an einer Plug-in-Variante mit Benzinmotor und größerer Batterie, die im Elektro-Modus schneller und weiter fahren kann.

Abstriche bei der Geländetauglichkeit muss der Fahrer indes nicht befürchten - ganz im Gegenteil. Wie jeder Land Rover geht auch der Range Rover Hybrid über Stock und Stein sowie durch 90 Zentimeter tiefe Wasserlöcher. Eingehüllt in einem Mantel aus Borstahl sind Batterie und elektrische Komponenten vor Feuchtigkeit und Schmutz geschützt.

Mit Bravour haben das erst im vergangenen Monat drei Vorserienmodelle auf einem 16 000 Kilometer-Trip entlang der Seidenstraße vom heimatlichen Werk im englischen Solihull quer durch Osteuropa und Asien bis zum Firmensitz ihres indischen Besitzers Tata in Mumbai demonstriert.

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