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Mercedes V-Klasse - schon gefahren

Nobel-Ambitionen

Mit gediegenem Outfit positioniert sich die neue Mercedes V-Klasse deutlich höher als ihr Vorgänger Viano. Wir fuhren den VW-T5-Gegner.

mid/wot

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Wer unterwegs viel Platz braucht und dennoch nicht wie mit einem Laster fahren möchte, greift gern zum VW Multivan. Eine passende Alternative dazu - bisher Fehlanzeige, auch wenn sich das Mercedes-Produkt Viano für eine solche hielt.

Jetzt aber halten die Stuttgarter wirklich mit einem heißen Eisen dagegen. Die taufrische Großraum-Limousine von Mercedes heißt V-Klasse und positioniert sich deutlich höher als ihr Vorgänger.

Die Türen schließen mit sattem Plopp, auch die Schiebetür für den Fond. Noch besser klappt es, wenn sie elektrisch öffnet und schließt, das kostet allerdings Aufpreis. Wer den Fahrersitz besteigt, sitzt ein wenig tiefer als beim Vorgänger, fast pkw-like.

Und die Mitfahrer hinten genießen noch vor Abfahrt die vier kommoden Einzelsitze, die den Körper umfangen, aber nicht einzwängen. Die Sitze in der ersten Reihe können mit 4-Wege-Lordosenstützen optimiert werden.

Wahlweise gibt es feines Leder, günstigere Stoffbezüge halten den ohnehin stattlichen Fahrzeugpreis in Grenzen. Die V-Klasse wird in drei Längen und zwei Radständen zu bekommen sein.

Richtig einnehmend wirkt das Cockpit, das jetzt die Armaturentafel bekommt, die es verdient. Schwungvoll und kein bisschen überzeichnet lässt sie dem Fahrer mehr Platz - keine Rede mehr von dem Gebirge-gleichen Instrumententräger, der die Kommandobrücke des Vorgängers dominierte.

Das Bedienkonzept zeigt sich ganz im Stil der neuen C-Klasse, mit einer Prise Nostalgie würzen die Lüftungsrosetten das Menü. Mit einer gekonnten Mischung aus Schaltern und Dreh-Drück-Reglern werden die wichtigsten Fahrzeugfunktionen bedient. Die elektrische Feststellbremse hält per Knopfdruck und löst sich automatisch beim Anfahren, die bisherige Pedalbedienung ist passé.

Gestartet wird mit dem bekannten Transponder-Schlüssel, dann meldet sich sofort der Diesel-Vierzylinder zum Dienst. Andere Motoren als der OM 651 sind bisher nicht vorgesehen. Er ist mit 100 kW/136 PS, mit 120 kW/163 PS und als Top-Variante mit 140 kW/190 PS zu haben.

Gewiss, der 2,1-Liter-Diesel klingt immer etwas profan blechern und ein wenig nach Taxi. Aber Mumm hat er genug, in seiner stärksten Ausführung kann er dem bisherigen Sechszylinder mit satten 440 Newtonmetern Drehmoment locker Paroli bieten.

"Overtorque" heißt hier das Zauberwort: stämmige 480 Newtonmeter mobilisiert der stärkste OM 651, wenn der Fahrer das Gaspedal fest auf den Boden drückt.

Immerhin 202 km/h Spitze verspricht der Hersteller, der dem Dreitonner freie Fahrt gewährt - der stärkste Mercedes-MPV soll weniger als zehn Sekunden für den Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h benötigen. Im Kraftstoffverbrauch zeigt sich der Mercedes-MPV relativ bescheiden, auch wenn er richtig hart ran genommen wird. Bei 130 km/h auf der Autobahn kommt man mit 7,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern über die Runden.

Der Hecktriebler läuft sauber geradeaus, und nimmt die Straßen mit schluckfreudiger Federung unter die Räder. Das Fahrwerk wurde komplett überarbeitet, auch wenn die V-Klasse nach wie vor auf McPherson-Federbeine vorn und Schräglenkerachse hinten setzt.

Mechanisch variable Stoßdämpfer halten die Wankbereitschaft des MPV in Grenzen, trotz breiter Niederquerschnittsreifen kann guter Abrollkomfort attestiert werden. Der elektromechanischen Lenkung folgt die V-Klasse aufs Wort, immer leichtgängig, aber mit gutem Gefühl für die Fahrbahn.

Die Schaltarbeit übernimmt vorzugsweise die bekannte Siebengang-Automatik aus der E-Klasse. Einen Agility-Schalter gibt es auch, der passt die Motorkennlinie, die Schaltpunkte des Getriebe und die Lenkung an den Fahrerwunsch an.

Richtig gut fährt und schaltet die V-Klasse im Comfort- oder Ecomodus. Der Sportmodus bringt mehr Lärm als Schwung ins Spiel, darauf kann der Fahrer gut verzichten. Er kann mit den Schaltpaddels am Lenkrad von Hand schalten, wenn die Stellung "Manuell" gewählt wird.

Dem Wohlfühlkomfort der Besatzung kommt die 3-Zonen-Klimaautomatik entgegen. Für ein perfektes Musikerlebnis an Bord sorgt ein Soundsystem von Burmester, das mit 16 Lautsprechern und einem Subwoofer arbeitet. Man muss den Antrieb dabei nicht übertönen. Die Geräuschkulisse bleibt immer zivil, ist auch kaum lauter als in C- oder E-Klasse-Limousinen.

VW muss sich warm anziehen. Der Gegenwind bläst jetzt aus dem Süden, aus dem spanischen Transporterwerk Vitoria, wo die neue V-Klasse gebaut wird. Die produzierte Qualität ist beachtlich, die neue Großraumlimousine von Mercedes hat ihre Transportergene abgelegt.

Sie fährt gut und bei Bedarf schnell, der Kraftstoffverbrauch bleibt zeitgemäß niedrig. Auch beim Preis orientiert sich der Hersteller nach oben, das ist jedenfalls zu erwarten - auch wenn hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

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