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Mammutfest

Willkommen beim "Jahrhundertreffen" zum 100. Geburtstag von Citroen in La Ferté-Vidame, westlich von Paris. Wir waren vor Ort dabei.

mid/rhu

Alain hält es kaum aus hinter dem Steuer seines 1985er GSA Club. Endlich darf er mit seinem treuen Begleiter auf den legendären Circuit, das Testgelände von La Ferté-Vidame. Und dann sowas: Er hat tierisch Kopfweh. Und statt rasant durch die Kurven zu schwingen, muss er im Schneckentempo hinter einem XM, einem 2CV und einem offenen Citroen Pluriel herzockeln. Willkommen beim "Jahrhundertreffen" zum 100. Geburtstag von Citroen.

Drei Tage lang ist in der Pampa rund um das abgebrannte und nie wieder aufgebaute Schloss von La Ferté-Vidame die Hölle los. Oder vielmehr: der Himmel aller Citroenisten dieser Welt. Zu Tausenden sind sie gekommen, mit Autos aus allen Epochen der Marke, mal mehr, mal weniger gelungen. Mal erfolgreich und richtungsweisend, mal eher Randnotizen der Automobilgeschichte. Alle waren da und machten den Versuch, einen groben Überblick über das Gebotene zu bekommen, beim Marathon-Spaziergang.

Alles vor dem Zweiten Weltkrieg auf der einen, alles danach auf der anderen Seite. Ein schier unüberschaubares Feld in Fußballgröße voller DS, eine schier kilometerlange Allee-Reihe nur mit 2CV. Hyperelegante SM in unglaublichen Mengen, obwohl die Sportcoupés doch nur vom Juli 1970 bis zum Mai 1975 gebaut wurden. CX, XM, GS, Ami, Saxo oder Xantia: In 100 Jahren lässt sich schon das eine oder andere Modell auf den Markt bringen. Und mit Traction Avant und sonstigen Finessen Geschichte schreiben.

Faszinierend, dass einige der rollenden Antiquitäten ausschauen, als wären sie gerade gestern aus dem Verkaufsraum gerollt. Anderen sieht man den jahrzehntelangen, kräftezehrenden Einsatz deutlich an - sie haben ordentlich Nostalgie-Patina angesetzt.

Und dann die ganz speziellen Stücke: Hier nehmen vier Mann in Windeseile einen Döschewo auseinander und richten die übersichtlichen Einzelteile sauber nebeneinander an, um anschließend zu zweit mit dem Gerippe herumzustromern.

Hier kriechen drei Männer beim Benzingespräch fast in den Motorraum ihres Gefährten auf Rädern. Mit lauter Musik aus einem eher suboptimalen Quäk-Lautsprecher rollt eine Kopie des Gendarmen von St. Tropez heran - Uniform und Trikolore inklusive. Luis de Funes hätte seine Freude bei diesem Anblick.

Und dann diese total abgedrehte Abenteuer-Ente: Luftansaugstutzen und Auspuff für Wasserdurchfahrten hochgezogen, Kuschelbett im verlängerten Fond, Gebrauchsspuren allerorten. Und als Krönung mit einem schicken Set aus Kakteen in der kreisrunden Rinne auf der Motorhaube, in die eigentlich der Reservereifen für den Langstrecken-Einsatz gehört (Bild links). Der Aufkleber am Heck bringt es auf den Punkt: "Das ist kein Fahrzeug. Das ist die Kunst zu leben."

Und wie schaut es bei Alain aus, dem Präsidenten des GSAventure, des Clubs der GS- und GSA-Freunde und -Besitzer? Der hat heute doch noch seinen Spaß auf dem Test-Circuit. Er lässt sich vor einer schönen Kurvenkombination ein Stück zurückfallen. Und dann: Runterschalten, Vollgas, Hochdrehen - und der brave GSA mit seinem unglaublich abgedrehten Bedienhebeln und dem Bildschirm im Look einer Uralt-Casio-Digitaluhr legt los, als gäbe es kein morgen. Beeindruckend, was die brave Kiste hergibt, wenn sie mal darf wie sie kann. Alain grinst sich eins. Trotz Kopfweh.

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