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Thema kleine BEV: Ausblick und Rückblick
Fotos: Hersteller, Montage: Mag. Severin Karl

Kleine Elektroautos: Was war, was ist, was kommt

Mit der Vielzahl an großen und schweren Elektrolimousinen und -SUV allein wird die Mobilitätswende nicht zu stemmen sein. Benötigt werden Kleinwagen als BEV, die auch leistbar sind. Einige gute Konzepte hat der Markt bereits hervorgebracht, das Segment könnte bald so richtig in Fahrt kommen.

Mag. Severin Karl

Eh klar: Es geht ums Geld. Mit luxuriösen Modellen können die Autohersteller einfach mehr Kohle machen und vor allem kaschiert Opulenz auf allen Ebenen sowohl das Mehrgewicht als auch den Mehrpreis großer Batterie-Packages. Die kleinen Modelle, die so dringend für die Familie Österreicher gebraucht werden, haben es schwer: Entsprechende Batteriekapazitäten und nicht zuletzt vernünftige Onboard-Charger steigern den Preis, auf den in diesem Segment sehr genau geachtet wird. Hier ein gutes Package zu finden, ist gar nicht so leicht. Das Ergebnis waren zu oft überteuerte Winzlinge, die in der Stadt recht pfiffig waren, bei Überland-Fahrten aber nach 150 Kilometern w. o. gaben.

Pionier der Serienproduktion

Im Jahr 2010, also zwei Jahre nachdem Tesla mit dem ersten Roadster vorzeigte, dass Elektromobilität richtig cool werden könnte, brachte Mitsubishi den i-MiEV heraus. In gewisser Weise versetzte er dem erneuten Aufkommen der elektrischen Fortbewegung einen Dämpfer, denn: Vor allem die ersten Modelle im bunten Zweifarblook sahen irgendwie nach Überraschungsei aus und bekräftigten die Vorurteile der Masse, dass Elektroautos eher seltsam sind. Dazu zeigte ein groß angelegter Reichweitentest in Dänemark (über 700 Fahrer, über 2 Millionen Kilometer), dass die tatsächliche Distanz, die mit einer Batterieladung zurückzulegen ist, eher bei 80 Kilometern liegt, im Winter auf 65 Kilometer schrumpft. Autsch. Die andere Seite der Medaille war die Kooperation mit Citroën und Peugeot. Die beiden Franzosen kämpften tapfer, Elektromobilität ins Stadtbild zu bekommen, und wurden bis 2020 – also länger als der „Kleinwagen-der Neuzeit-in-Serienproduktion“-Pionier Mitsubishi – zum Kauf angeboten.

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Leben große Namen wieder auf?

Man mag nun einwerfen, dass bereits mit dem Fiat Panda Elettra von 1990 der Versuch eines Großserienherstellers gestartet wurde. Stimmt, auf diesen Seiten wollen wir aber nicht so weit in die Vergangenheit eintauchen, dafür bietet electric WOW sowieso eigene Stories. Das Stichwort Panda passt dennoch gut, denn auf Basis des Centoventi-Konzeptautos von 2019 soll in Kürze ein moderner E-Panda erscheinen. Im Vergleich zum elektrifizierten 500er steht dann eher der Praxisnutzen als der Lifestyle im Fokus. Wir gehen daher davon aus, dass die Preise niedriger angesetzt sind. Immerhin startet ein 500 Elektro derzeit bei 29.700 Euro und lässt sich über 40.000 Euro bringen. Gerade frisch am Markt ist zudem der etwas größere Fiat 600 (4,17 Meter) ab 36.000 Euro.

Mit dem e-up! brachte VW 2013 ein ansehnliches Modell auf den Markt, das mit dem Update 2020 – damit endlich samt einer ordentlichen Reichweite von 260 Kilometern – zum ganz schön coolen Trio wuchs. Škoda Citigo-e und Seat Mii Electric bemühten sich, die Fans der jeweiligen Marken abzuholen. Noch im April 2022 wurden e-up! von VW auf die griechische Insel Astypalea verfrachtet, um den Umstieg zur „Smart & Sustainable Island“ zu unterstützen. Auf den Fotos davon zeigte sich der 3,6-Meter-Floh nicht mehr, da war nur noch der moderne ID.3 zu sehen.
Renault gehörte zu den frühen Elektro-Verfechtern, zu den größten Hits zählt der Zoe, der seit 2013 mit immer wieder durchgeführten Updates produziert wird und es etwa im Jänner 2020 zum meistverkauften Elektroauto Europas (über 200.000 verkaufte Fahrzeuge) schaffte. Im ersten Quartal 2024 soll das 4,09 Meter lange Erfolgsmodell eingestellt werden. Der R5 wird zwar kein direkter Nachfolger, aber äußerst interessant, denn der retroangehauchte E-Kleinwagen wird das erste Modell der Marke mit bidirektionalem Ladegerät sein, ist daher eine mögliche Energiequelle für den Haushalt oder taugt für die Stabilisierung des Stromnetzes.

Spannend: Was kosten sie wirklich?

Klein und sportlich ist bei Elektroautos ebenso möglich, gerade erst ist der Abarth 500e gestartet, der den Namen des Wiener Unternehmers (Karl „Carlo“ Abarth) ins Elektrozeitalter führt. Honda e (kleines Foto oben mit Testimonial Max Versatppen) und Mini Cooper SE (samt sauteurer Cabrioversion), aber auch fesche Kleine wie der Peugeot e-208 schlagen in eine ganz ähnliche Kerbe. Mit Preisen um die 40.000 Euro sind die Lifestyle-Kleinen dem Alltag aber ein wenig entrückt.

Dass dieser Preis zu heiß ist, haben mittlerweile auch die Hersteller selbst realisiert und liefern sich einen Kampf, der bislang aber nur auf dem Papier ausgetragen wird, denn die Fahrzeuge starten erst noch bei uns. Mit dabei sind Big Player wie VW mit dem ID.2 (das Konzept heißt noch ID.2all) und BYD mit dem Seagull. Unter 25.000 Euro aber bis 450 Kilometer Reichweite und 226 PS sagen die Deutschen. Die Chinesen kontern noch ohne konkrete Messwerte für Europa, werden preislich und von der Motorleistung her aber wohl deutlich unter VW liegen. Wir rechnen sogar mit unter 20.000 Euro. Opel hat Ähnliches vor. „Wenn wir ab 2028 nur noch vollelektrische Pkw auf den europäischen Markt bringen, dann werden wir das auch in Preisbereichen schaffen, die sich möglichst viele Menschen leisten können“, sagte Opel-Chef Florian Huettl im Interview mit der „Automobilwoche“. Genannt werden Preise zwischen 25.000 bis 27.000 Euro für ein fünfsitziges und viertüriges Elektroauto.

Über Tesla muss man im Kapitel Kleinwagen künftig ebenso reden. Ein avisiertes Modell in diesem Segment soll etwa 25.000 Dollar kosten, aber nicht Model 2 heißen. Richtig schade, denn dann wären die US-Amerikaner mit ihren Modellen endlich „2 S3XY“ (klingt wie „too sexy“, also „zu sexy“!) für diese Welt. Wenn wir schon in den USA sind: Fisker nennt unter 29.900 Dollar für den künftigen Pear. Der ist zwar 4,55 Meter lang, dann doch aber ganz schön günstig.
Lustige Kleinstwagenkonzepte wie der XEV Yoyo im Smart-Fortwo-Look, Microlino und Co runden die Welt der Kleinen ab, meist sind diese aber (noch) nicht in Österreich erhältlich. Richtig günstig, angenehm groß und passend bepreist ist der Dacia Spring (Foto oben), kurz vor dem Sommer bekam er eine brandneue Ausstattung und einen stärkeren Motor verpasst (siehe Mehr Sprungkraft für den Spring).

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